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Interview

Andrea Bocelli: «Matteo wird es nicht leicht haben»

Der blinde Gesangsstar Andrea Bocelli singt auf seinem aktuellen Album «Si» mit Ed Sheeran und Josh Groban – und mit seinem Sohn Matteo. Ein Gespräch über das Verhältnis von Vater und Sohn.
Interview: Steffen Rüth
Andrea Bocelli bei einer Benefiz-Gala in Cinecittà. Bild: Jonathan Leibson/Getty, Rom, 10.9.2017¼

Andrea Bocelli bei einer Benefiz-Gala in Cinecittà. Bild: Jonathan Leibson/Getty, Rom, 10.9.2017¼

Matteo Bocelli, wie ist es, mit Ihrem Vater zu singen?

Ehrlich gesagt ist das nichts Neues für mich. Ich singe mit meinem Vater schon, seitdem ich ein Kind war, das ist für mich also seit langem eine schöne Gewohnheit. Über unser Duett bin ich natürlich sehr froh, denn es hat zur Folge, dass wir gerade sehr viel Zeit zusammen verbringen und gemeinsam die Welt bereisen.

Andrea Bocelli, finden Sie es auch so toll, dass Matteo nun in Ihre Fussstapfen tritt?

Nein, das ist Stress. Die Entscheidung, die Matteo getroffen hat, macht mir gewisse Sorgen und stimmt mich nachdenklich.

Was macht Ihnen denn dabei genau Sorgen?

Der Beruf ist sehr hart. Ich weiss besser als jeder andere, wie fordernd und anstrengend und auch frustrierend er sein kann.

Und dann gibt es für Matteo noch die zusätzliche Schwierigkeit, der Sohn eines bekannten Sängers zu sein.

Er wird es nicht leicht haben.

Matteo Bocelli, Sie lassen sich von Ihrem Vater nicht abhalten?

Nein. Ich spiele seit meinem siebten Lebensjahr Klavier, und im Moment studiere ich im zweiten Jahr Gesang am Konservatorium in Lucca.

In Ihrem gemeinsamen Song «Fall On Me» geht es um die Beziehung eines Vaters zu seinem Sohn. Was erzählt der Song genau, Matteo Bocelli?

Das Verhältnis eines Sohnes, der wie so viele andere Schwierigkeiten hat, den für ihn passenden Weg im Leben zu finden, zu seinem Vater, der verspricht, er werde immer an seiner Seite sein, egal, was passiert. Ursprünglich war der Song als Liebeslied konzipiert, aber als der Produzent Bob Ezrin es hörte, schlug er vor, ein Duett der Generationen daraus zu machen.

Also ein Liebeslied zwischen einem Sohn und seinem Vater, Andrea Bocelli?

In Italien haben wir unterschiedliche Wörter für die verschiedenen Formen der Liebe. «Fall On Me» ist also kein Liebeslied, sondern ein Zuneigungslied.

Können Sie mit allen Nöten zu Ihrem Vater kommen?

Eindeutig ja. Er ist mein Vater, aber ich sehe ihn auch als einen engen Freund und Vertrauten.

Andrea Bocelli, stimmt es, dass «Vivo» ein Liebeslied für Ihre Frau Veronica ist?

Ja, und zwar hat es ein befreundeter Musiker von uns geschrieben, er erzählt die Liebesgeschichte zwischen meiner Frau und mir aus seiner Sicht. Hat er ganz gut getroffen. Von aussen sieht man die Dinge ja oft sowieso sehr viel besser als von innen. Das Lied hat mich jedenfalls sehr berührt.

Ihre Frau auch?

Das müssen sie Veronica fragen. Soweit ich weiss schon.

Wie lange sind Sie beide schon zusammen?

Seit 16 Jahren. Veronica war erst 18 Jahre alt, als wir uns kennen lernten. Und seit dem ersten Tag sind wir zusammengeblieben und lieben uns. Das zeigt uns, dass irgendetwas richtig gut funktioniert haben muss. Da ist etwas, das uns nach vielen Jahren noch heftig zusammenhält. Die Anziehungskraft ist immer noch riesengross.

Sie sind im September 60 Jahre alt geworden. Wie haben Sie gefeiert?

Ich war in Brasilien und hatte dort Konzerttermine. Den Geburtstag als solchen habe ich im Flugzeug verbracht.

Hatten Sie sich die Tournee extra so gelegt?

Ja klar. Ich bin wie gesagt ein Mensch, der sehr gerne feiert. Aber bitte nicht meinen Geburtstag! Das gefällt mir überhaupt nicht. Ich will gar nicht erst so tun, als wäre ich froh und glücklich darüber, ein gewisses Alter erreicht zu haben.

Das Alter ist etwas, woran ich lieber gar nicht erst denke.

Aber so lange Sie fit und gesund sind, geht es doch?

Sicher, ich lebe und esse so, dass der Körper nicht wütend auf mich wird, ich bewege mich und nehme meine Termine beim Arzt wahr. Läuft auch alles prima, aber trotzdem.

Sie sind ein begeisterter Reiter. Können Sie auf dem Pferd alles um sich herum vergessen?

Ich reite nicht, um abzuschalten, sondern weil es einfach ein herrliches Gefühl ist, auf einem Pferd zu sitzen. Aber tatsächlich ist das Reiten schon so etwas wie eine Auszeit von mir selbst, von Andrea Bocelli, dem Sänger. Vor allem freilich macht es mir grosse Freude, mich mit dem Pferd zusammen zu bewegen. Dem Pferd haben wir übrigens unsere gesamte Zivilisation zu verdanken. Doch darüber müssen wir uns ein anderes Mal unterhalten.

Wie werden Sie denn die Weihnachtstage verbringen in diesem Jahr?

So wie in jedem Jahr. Bei uns daheim. Das Wichtigste ist die Morgenmesse am ersten Weihnachtstag. Dort kommt die gesamte Familie zusammen und stimmt sich ein. In dieser Messe kommt Weihnachten wirklich in seiner reinsten und ursprünglichsten Form zum Ausdruck, ich liebe das sehr und macht diesen Tag wirklich zu dem besonderen Tag, den er sein sollte. Naja, und dann gibt es Essen. Anschliessend singen wir.

Geschenke?

Leider ja.

Warum leider?

Weil man sich doch nur unsinniges Zeug schenkt, oder? Wir verbringen in den Wochen vor Weihnachten sehr viel Zeit damit, uns zu überlegen, was wir den anderen denn dieses Jahr wieder an nutzlosem Krempel schenken können. Naja, so muss es wohl sein.

Live 19. Januar 2019, Basel, St.Jakobshalle

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