«Mathematik ist Kunst»

Mit dem Drama «The Man Who Knew Infinity» ist das 11. Zurich Film Festival eröffnet worden. Über den Grünen Teppich gingen die Stars Jeremy Irons, Stephen Fry und Schweizer Prominenz.

Andreas Stock
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Was für ein Aufmarsch zum Auftakt. Gleich eine dreizehnköpfige Delegation des britischen Spielfilms «The Man Who Knew Infinity» schritt am Abend über den Grünen Teppich in Zürich – gut, dass der dieses Jahr noch ein paar Laufmeter länger geworden ist. Was mehr Schaulustigen und Medienvertretern Gelegenheit bieten soll, ein Auge auf Filmschaffende, Prominenz und Stars zu werfen, die zu den Gala-Aufführungen ins Kino Corso beim Sechseläutenplatz paradieren.

Zum Auftakt kam aus England Regisseur Matthew Brown, der von sieben Produzentinnen und Produzenten begleitet wurde. Dazu gesellten sich die beiden Hauptdarsteller Jeremy Irons und Dev Patel sowie Stephen Fry und Devika Bhise, die in Nebenrollen zu sehen sind. Dreizehn, eine Zahl, die das Mathematikgenie Ramanujan gewiss zu mathematischer Kreativität veranlasst hätte. Denn um den Inder, der 1914 ans Trinity College Cambridge kam und innert fünf Jahren Mathematikgeschichte schrieb, dreht sich der Film.

Faszination ohne Bild

Dev Patel, bekannt aus «Slumdog Millionaire» und den zwei «Best Exotic Marigold Hotel»-Streifen spielt den autodidaktischen Mathematiker Srinivasa Ramanujan (1887–1920), der vom britischen Mathematikprofessor Godfrey Harold Hardy (Jeremy Irons) aus den Slums von Madras nach Cambridge geholt wird. Hier entwickelten sie gemeinsam umstürzende mathematische Lösungen. Erzählt wird das in prächtigen, oft gar kitschig-schönen Bildern, mit einer pathetischen Musik und der betulichen Eleganz eines grossen, emotionalen Ausstattungskinos. Wie im vergangenen Jahr im sehr erfolgreichen Drama «The Theory of Everything» über den Physiker Stephen Hawking gelingt es allerdings kaum, die Faszination für die Mathematik auf filmisch originelle Weise darzustellen.

Keine Formeln gelernt

Wie im Film selbst wird an der Medienkonferenz mit dem Filmteam viel über die Schönheit und Faszination der Mathematik gesprochen. «Mathematik kann so faszinierend sein wie Literatur und Kunst», sagt Jeremy Irons, der sich aber froh darüber zeigte, dass er die komplizierten Formeln nicht alle lernen, sondern nur kurze Teile davon auf eine Wandtafel schreiben musste. Und Stephen Fry, der selbst in Cambridge studierte und dem im Gegensatz zu Irons der indische Mathematiker ein Begriff war, ergänzt: «Reine Mathematik ist keine Wissenschaft, sondern eine Kunst.» Fry hatte selbst an einem Drehbuch über Ramanujan gebrütet, wie er verrät. Er sei aber nicht zufrieden damit gewesen.

Neben den internationalen Filmstars gingen am Eröffnungsabend des Zurich Film Festival Bundesrat Alain Berset und die Zürcher Stadtpräsidentin Corinne Mauch über den Grünen Teppich, die Begrüssungsreden hielten. Zudem zahlreiche Ehrengäste aus Kultur, Politik, Sport und Wirtschaft. Mit Starglanz aus Hollywood geht es heute weiter, wenn Kiefer Sutherland erwartet wird, der einen «Golden Eye Award» erhält.