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Rapper Drake: Masse statt Klasse

Drake ist ein mittelmässiger Rapper. Trotzdem bricht das Album «Scorpion» des Kanadiers alle Streaming-Rekorde. Wie schafft er das?
Stefan Künzli
Aubrey Drake Graham bricht mit seinem neuen Album alle Rekorde.

Aubrey Drake Graham bricht mit seinem neuen Album alle Rekorde.

Drake ist ein Mysterium, ein Rätsel, ein Phänomen. Der 31-jährige Rapper und Sänger ist ein durchschnittlicher Rapper und mässiger Geschichtenerzähler. An die Kunst eines Kendrick Lamar kommt er nie heran. Dazu ist auch seine Gesangskunst beschränkt: Aubrey Drake Graham verfügt zwar über eine angenehme, weiche, aber auch monotone, wenig wandelbare Stimme. Schliesslich hat er bisher auch musikalisch wenig Neues bieten können: weder die Sounds noch die Beats sind originell oder ausserordentlich.

Und trotzdem ist er der Popstar der Stunde und bricht mit seinem eben veröffentlichten Werk «Scorpion» in der Streaming-Welt alle Rekorde. Auf Spotify ist er der meistgestreamte Musiker und innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Veröffentlichung erreichte er mehr als 300 Millionen Plays. Das hat noch niemand geschafft. Auch seine Single «God’s Plan» brach mit 14 Millionen Streams den Rekord von Taylor Swift mit 8 Millionen Streams für «Look What You Made Me Do» (2017). Dazu hat niemand mehr Songs in den amerikanischen «Billboard»-Charts platziert als Drake. Es sind 154. Das heisst: Die meisten seiner veröffentlichten Songs haben sich in den Top 100 platziert.

Mit den Grössten des Pop-Business verglichen

Fan-Sites überschlagen sich in Superlativen und Drake wird nur noch mit den Grössten des Pop-Business verglichen. Dabei sind auch die 25 neuen Songs oder Tracks musikalisch äusserst dürftig. Getrennt in einen Hip-Hop- und einen R’-n’-B-Teil, plätschert die Musik zähflüssig dahin. Nach rund anderthalb Stunden Soundüberflutung bleibt jedenfalls kaum etwas hängen – nicht einmal der Track «Don’t Matter To Me», ein bisher unveröffentlichtes Songfragment des «King of Pop» Michael Jackson.

Was macht Drake so erfolgreich? Innovation ist nicht sein Ding, aber wie einst Madonna versteht er es, die angesagtesten musikalischen Trends, etwa die verschleppten Bassdrums und das Auto-Tuning, in seine Musik zu weben. Drake trifft soundmässig den Nerv der Zeit. Doch Drake ist vor allem der König des Streamings. Keiner weiss mit den neuen Gesetzen des kommerziellen Pop so virtuos umzugehen wie er.

Vor einem Jahr läutete er mit seinem Werk «More Life» die Ära der Playlists ein und definierte sie als eine lose Sammlung von Songs, die als Einzelsongs wirken. Auch «Scorpion» folgt keinem Spannungsbogen wie beim guten alten Album, vielmehr haben die Tracks etwas Beiläufiges. Pop en passant. Begleitmusik. Drakes Skorpion beisst nicht und tut nicht weh.

Musik wird zum harmlosen, durchhörbaren, austauschbaren Nebenher.

Was zählt, sind einzig die Plays. Drake hat wohl nur deshalb 25 neue Tracks veröffentlicht, weil er mit dieser grossen Zahl mehr Streams erreicht als mit den Album-üblichen zwölf Songs. Schliesslich galt es, einen neuen Streaming-Rekord aufzustellen. Im neuen Pop-Zeitalter ist die Qualität vernachlässigbar. Die Masse machts.

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