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Martin Suter schickt Allmen auf sein zweites Abenteuer

Johann Friedrich von Allmens Vorfahren waren keine Aristokraten, es waren Bauern. Der Vater ist mit Grundstückgeschäften reich geworden, der Sohn hat Millionen geerbt – und sie zielsicher, aber mit Stil durchgebracht.
Martin Suter (Bild: ky)

Martin Suter (Bild: ky)

Johann Friedrich von Allmens Vorfahren waren keine Aristokraten, es waren Bauern. Der Vater ist mit Grundstückgeschäften reich geworden, der Sohn hat Millionen geerbt – und sie zielsicher, aber mit Stil durchgebracht. Dieser Stil bleibt ihm heilig, vom Sparen hält von Allmen nie viel. Er ist gern grosszügig, zu sich selber wie zu andern. Einmal, die Not zwingt ihn, zum ersten Mal selber einkaufen zu gehen, hätte er beinahe der Kassiererin ein fettes Trinkgeld gegeben. Es ist eine der gelungensten Szenen in Martin Suters «Allmen und der rosa Diamant».

«Allmen Inquiries»

Doch bei aller Resistenz vis-à-vis der Realität: So ganz ignorieren lässt sich die finanzielle Misere dieses Mannes nicht. Allmens Diener und Partner Carlos sorgt zwar dafür, dass die Fassade stimmt. Doch ein wenig arbeiten muss Allmen doch. Mindestens hin und wieder.

«Allmen International Inquiries» nennt sich gewohnt grossspurig die Firma, in der dies geschieht, mit Sitz in New York, Zürich, Paris, London, Moskau – wobei sie einzig aus Allmen und Carlos besteht. Was allfällige Auftraggeber aber nicht unbedingt wissen müssen. «Allmen International Inquiries» also bekommt eines Tages von einem Herrn Montgomery den Auftrag, nach einem dubiosen Russen namens Artjom Sokolow zu suchen.

Der steht im Verdacht, einen kürzlich für 45 Millionen Franken versteigerten rosa Diamanten entwendet zu haben. Allmen und Carlos machen sich auf die einigermassen komplizierte Suche, die sie zu einem Luxushotel an der Ostsee führt.

Der tote Russe

Allmen lässt sich dort in einer stattlichen Suite nieder – er sieht nicht ein, warum er beruflich auf bescheidenerem Niveau logieren sollte als privat. Der Russe, stellt sich heraus, ist gar nicht so dubios, sondern recht freundlich, aber bald einmal tot. Dubioser sind die Engländer, die ihm auf den Fersen sind, und die Amerikaner, die wiederum den Engländern auf dem Fusse folgen. Allmen bemerkt sie rasch, ohne dass er sich auf diese gegenseitige Beschatterei den geeigneten Reim machen kann. Erst als er daran zweifelt, ob es wirklich um einen Diamanten geht, kommt er der Auflösung des Rätsels ein Stück näher.

Schlicht, nicht simpel

Martin Suter geht mit der aus dem ersten Allmen-Roman («Allmen und die Libellen») gewohnten Raffinesse ans Werk. Schlicht ist seine Sprache. Schlicht, aber nicht simpel. Ohne viele Worte wird Allmens Welt eingefangen, in knappen, aber sehr eingängigen Strichen. Suter beschreibt gerne Äusserlichkeiten: Interieurs, Speisen, das Wetter.

Es ist die Welt seines Protagonisten, die er in Worte fasst. In diesen Worten liegt, man erlaube den Ausdruck, eine tiefe Dekadenz. Ohne auch nur den Hauch einer Theorie zu entwickeln, zeichnet Suter das Bild einer Zeit, in der die Sorge vieler zuallererst der Frage gilt, mit welchem edlen Wein sie den Abend verbringen wollen.

Nichts gegen edle Weine. Nichts gegen das gute Leben. Was aber ist, wenn dieses Leben, wie bei diesem Johann Friedrich von Allmen, nur mehr darin besteht, eine Fassade aufrechtzuerhalten? Vielleicht hat Martin Suter mit seinen Schilderungen der «besseren» Gesellschaft auch deshalb so grossen Erfolg, weil sich in ihnen der Zeitgeist auf einzigartige Weise spiegelt.

Die Gegenwelt der Sans-Papiers

Ein Grossteil der Handlung spielt im erwähnten Hotel an der Ostsee. Dann aber, gegen das geschickt konstruierte Ende hin, wechselt Suter das Milieu. Damit sie unbehelligt ihrer heissen Spur 2,5 Millionen Franken abknöpfen können, müssen Allmen und Carlos untertauchen. Bei Carlos' Bekannten finden sie Unterschlupf – in einer Wohnung voller Sans-Papiers.

Für Allmen ist das eine Pein. Nicht der Menschen wegen, sondern weil er hier seinen Lebensstil verleugnen muss. Auch Allmen selbst übrigens wirkt keineswegs unsympathisch. Er geht nur ganz selbstverständlich davon aus, dass die Welt für ihn da zu sein hat und nicht umgekehrt.

Rolf App

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