Interview

Martin Klöti zur Verwendung der Lotteriefondsgelder: «Ich habe noch nie Lösli gekauft»

Die SRF-Sendung «Rundschau» kritisiert die Vergabepraxis der Lotteriefondsgelder. Der St.Galler Regierungsrat und ehemalige Arboner Stadtpräsident Klöti kontert im Interview.

Interview: Christina Genova
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Werden Lotteriefondsgelder von unten nach oben verteilt? Nicht im Kanton St.Gallen, sagt Regierungsrat Martin Klöti.

Werden Lotteriefondsgelder von unten nach oben verteilt? Nicht im Kanton St.Gallen, sagt Regierungsrat Martin Klöti.

Bild: Urs Bucher

Die SRF-Sendung «Rundschau» hat die Vergabepraxis für die Lotteriefondsgelder in elf Deutschschweizer Kantonen analysiert, darunter auch im Kanton St.Gallen. In der Sendung wird kritisiert, dass nur fünf Prozent der Beträge an kleine Projekte, ein Drittel aber an grosse Häuser wie Theater und Museen gingen. Diese seien nicht gemeinnützig orientiert, wie von Swisslos vorgesehen, sondern elitär.

Spielen Sie selbst auch Lotto oder kaufen Sie ab und zu ein Lösli?

Martin Klöti: Ich habe noch nie Lösli gekauft und mache auch nicht an Wettbewerben mit.

Sie finanzieren die Kulturausgaben des Kantons St.Gallen also nicht mit über den Kauf von Losen?

Ich zahle viel mehr an die Kultur über meine Steuern. Ausserdem ist es lächerlich zu glauben, dass Glücksspieler nur Kulturinstitutionen subventionieren. Das meiste Geld geht an den Sport. Das wurde bei der «Rundschau» ausgeblendet.

Wie reagieren Sie auf die Kritik der «Rundschau»?

Die in der «Rundschau» präsentierten Zahlen verfälschen das Bild: Im Kanton St.Gallen werden kleine Beträge unter 10000 Franken nicht aus dem Lotteriefonds, sondern aus dem ordentlichen Haushalt finanziert. Zudem können gerade Kleinprojekte ziemlich experimentell und damit äusserst elitär sein. Im Übrigen gehen Glücksspieler auch ins Theater, ins Musical oder ins Kindermärchen. Der Schluss – kleine Beiträge für die «unteren Schichten», grosse Beiträge für die «oberen Schichten» – ist sehr vereinfachend, beziehungsweise schlicht falsch.

Auch die liberale Denkfabrik Avenir Suisse kritisiert, dass die Verwendung der Lotterie­fondsgelder einer Umver­teilung von unten nach oben gleichkomme.

Als einziger Kanton in der Schweiz entscheidet das St.Galler Kantonsparlament über die Verwendung jedes einzelnen Lotteriefondsfrankens. Das allein zeigt, dass keine ungewollte Umverteilung stattfindet.

Sind Institutionen wie ein Theater oder ein Museum elitär?

Die «Rundschau» skizziert ein veraltetes Bild. Die Kulturhäuser haben sich schon lange weit geöffnet, das Theater St.Gallen beispielsweise spricht insbesondere mit den Musicals breite Bevölkerungskreise an, zählt zahlreiche Schulklassen zu seinen regelmässigen Gästen oder arbeitet intensiv mit Laienchören zusammen. Auch bei anderen Kulturstandorten, etwa in der Lokremise St.Gallen oder im Schloss Werdenberg, stehen die Türen für alle Bevölkerungsgruppen weit offen.

Die Top10-Begünstigten im Kanton St. Gallen

Beiträge aus dem Lotteriefonds aus den Jahren 2014 bis 2018 in Millionen Franken (in Millionen)
010203040Konzert und Theater St.GallenSchloss WerdenbergKantonsarchäologie Kanton St.GallenSt.Galler FilmförderungAmt für SozialesTextilmuseum St.GallenKanton St.GallenStiftung Lokremise, St.GallenKlangWelt ToggenburgMuseum im Lagerhaus, St.Gallen

Das Theater St.Gallen erhielt gemäss «Rundschau» im kantonalen Vergleich in den letzten fünf Jahren am meisten Geld, insgesamt rund 39 Millionen. Warum ist das so?

Weil das Gesetz über Beiträge an Konzert und Theater St.Gallen festlegt, dass 40 Prozent des kantonalen Beitrags dem Lotteriefonds belastet wird. Die Mehrheit der Stimmbevölkerung hat dieses Gesetz im Jahr 2009 klar befürwortet.

Ein grosser Teil der kanto­nalen Kulturausgaben wird über den Lotteriefonds finanziert. Ist dies im Sinne von Swisslos?

Durchaus. Ausserdem werden ja nicht nur Kultur-, sondern auch Sozialprojekte mit Lotteriefondsgeldern unterstützt.

Wäre es nicht besser, grosse, wiederkehrende Kultur­ausgaben über das reguläre Budget zu finanzieren?

Nein, denn so gelingt es uns, den Fonds auszuschöpfen. Dies im Gegensatz zu anderen Kantonen wie zum Beispiel Zug, der 1,7 Millionen Lotteriefondsgelder für den Kulturlastenausgleich nach Zürich schickt.

Welche Kulturausgaben müssten denn Ihrer Ansicht nach aus dem ordentlichen Haushalt bezahlt werden?

Gesetzlich geregelte Aufgaben sollten über den Staatshaushalt laufen. Dazu gehören grosse Teile der Denkmalpflege und der Archäologie.

Die Kantonsarchäologie wird jedoch mit Lotteriefondsgeldern finanziert.

Diesbezüglich ist aus Sicht der Regierung eine Optimierung anzustreben. Die aktuelle Kulturförderstrategie greift dies auf. Bereits jetzt wird die Archäologieausstellung im Historischen und Völkerkundemuseum St.Gallen nicht mehr mit Lotteriefondsgeldern bezahlt.

Das Interview wurde zu grossen Teilen schriftlich geführt.