Martin Grubinger macht schon mal Dampf

Ein junger Schlagzeuger und ein alter Komponist prägen die letzte Saison in der alten Tonhalle. Danach kommt das Provisorium.

Rolf App
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Österreichisches Kraftpaket: Der Schlagzeuger Martin Grubinger. Bild: PD (Bild: Patrick Hürlimann)

Österreichisches Kraftpaket: Der Schlagzeuger Martin Grubinger. Bild: PD (Bild: Patrick Hürlimann)

Vor wenigen Wochen hat die Tonhalle-Gesellschaft Zürich mitgeteilt, sie wolle den Vertrag mit dem Chefdirigenten Lionel Bringuier nicht über die vereinbarten vier Jahre hinaus weiterführen. Heute beginnt seine dritte Saison mit dem Eröffnungskonzert, morgen wird es dann wiederholt. Vielleicht wird man sehen (oder hören), wie das Publikum die Neuigkeit aufnimmt. Es ist zugleich die letzte Saison in der noch unrenovierten Tonhalle. Danach wird das Tonhalle-Orchester drei Jahre lang in ein Provisorium ausweichen müssen.

Eröffnen wird den Abend mit dem Multiperkussionisten Martin Grubinger ein junger Künstler von geradezu unbändiger Energie. Er hat «Frozen in Time», Avner Dormans Konzert für Schlagzeug und Orchester, im Jahr 2007 aus der Taufe gehoben und spielt es seither immer wieder.

Danach werden Bringuier und sein Orchester sich mit Igor Strawinskys «Le sacre du printemps» an ein bahnbrechendes Stück des frühen 20. Jahrhunderts wagen. Ende Monat dann wird mit «The gliding of the Eagle in the Skies» das erste Werk des zweiten Künstlers erklingen, der die Saison prägen soll. Es ist der ungarische Komponist Péter Eötvös.

In «Percussive III» kommt es am 17. Dezember zu einer besonderen Begegnung: Die junge Pianistin Yuja Wang trifft auf Martin Grubinger, mit dabei ist sein 28köpfiges Percussive Planet Ensemble, angekündigt sind Werke von Bartók, Tschaikowsky und anderen.

Mit jüngeren Künstlern jüngere Zuhörer gewinnen

Zwischen diesen Konzerten, die für musikalischen Aufbruch stehen, kommt freilich das Klassische nicht zu kurz. Am 5. Oktober spielt die Geigerin Lisa Batiashvili Tschaikowskys Violinkonzert, Bringuier dirigiert anschliessend Gustav Mahlers erste Sinfonie. Batiasvilis Ehemann, der Oboist François Leleux, wird dann am 23./24. November seinen Auftritt haben mit Mozarts Oboenkonzert C-Dur KV 314, umrahmt von Franz Schuberts Ouverture «im italienischen Stil» und Felix Mendelssohn Bartholdys vierter Sinfonie, die den Beinamen «Italienische» trägt. Mit dem Dirigenten Bernard Haitink und dem Pianisten András Schiff betreten am 7./8. und 9. Dezember zwei Altmeister das Podium, auf dem Programm stehen Ludwig van Beethovens fünftes Klavierkonzert und Anton Bruckners neunte Sinfonie. Mit Beethoven geht es im kommenden Jahr weiter – mit seinem ersten Klavierkonzert, interpretiert von Daniil Trifonow, und mit Olivier Messiaens «Éclairs sur l'Au-Delà». Das Tonhalle-Orchester Zürich steht diesmal unter der Leitung von Kent Nagano.

Die Norwegerin Vilde Frang wird in einem Konzert mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen mit Strawinskys Violinkonzert die Riege jener jüngeren Künstler ergänzen, mit denen die Tonhalle-Intendantin Ilona Schmiel ein jüngeres Publikum an die Tonhalle binden will. Im März schliesslich wird der ehemalige, vom Publikum noch immer heiss- geliebte Chefdirigent David Zinman mit Gustav Mahlers erschreckend düsterer sechster Sinfonie zurückkehren.

Vielleicht wird sich bis dann das eine oder andere hinsichtlich Bringuiers Nachfolge geklärt haben. Gerüchte gibt es viele. Allerdings: Die Verantwortlichen haben angekündigt, man werde sich Zeit lassen mit einer Neubesetzung.