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Marshal auf der Jagd

Die Coen-Brüder haben mit ihrem Remake des Westerns True Grit gestern das acht Tage dauernde Filmfestival von Berlin eröffnet, an dem auch Schweizer Filme gezeigt werden. Die Handlung von «True Grit» folgt dem Original von 1969, doch der Erzählton ist härter und düsterer. Walter Gasperi/Berlin
Jeff Bridges jagt als abgehalfterter Schurke im Film «True Grit» die Bösen dieser Welt. (Bild: pd)

Jeff Bridges jagt als abgehalfterter Schurke im Film «True Grit» die Bösen dieser Welt. (Bild: pd)

Henry Hathaways «True Grit» zählt nicht zu den ganz grossen Western, ist aber legendär, weil John Wayne darin als einäugiger und versoffener alternder Marshal sein eigenes Image demontierte.

Ein Oscar für «Duke» Wayne im Frühjahr 1970 war dafür der verdiente Lohn. Die Coens folgen dem Original bis in Details und Dialoge, nur herrscht von Anfang an eine ganz andere Stimmung.

Die Kälte des Winters

Statt dem Establishing Shot auf eine idyllisch gelegene Farm steht bei den Coens zu Beginn mit «Der Gottlose flieht, auch wenn niemand ihn jagt» ein Bibelzitat, und die gealterte Protagonistin Mattie Ross (Hailee Steinfeld) stellt rückblickend im Voice-over fest, dass man nichts ausser der Gnade Gottes umsonst bekommt.

Lediglich referiert wird der Mord an ihrem Vater, die Handlung setzt mit Matties Suche nach einem Marshal ein, der gegen gute Bezahlung mit ihr den Mörder Tom Chaney (Josh Brolin) im Indianergebiet jagen soll. Im einäugigen Alkoholiker Rooster Cogburn (Jeff Bridges) macht sie den fiesesten ausfindig, bald schliesst sich ihnen der Texas-Ranger LaBoeuf (Matt Damon) an, der Chaney wegen des Kopfgelds für einen anderen Mord schnappen will.

Western im Winter

Während sich im Original die Handlung vom frühen Herbst in den Winter erstreckt und Kameramann Lucien Ballard in den warmen Herbstbildern bis hin zu den schneebedeckten Bergen am Ende die melancholische Stimmung des Spätwesterns vermittelt, spielt das Coen-Remake zur Gänze im Winter. Immer wieder fällt Schnee, und von Anfang an sind den meisterhaften Bildern von Roger Deakins, des Stammkameramanns der Coens, die Farben förmlich ausgetrieben, so dass man die Kälte wahrhaft zu spüren glaubt.

Bitterböser Blick auf die Helden

Kein Detail ist diese jahreszeitliche Verschiebung, sondern spiegelt eine filmhistorische Entwicklung. Die Westerntradition, die in den Jahren von Mondlandung, Jugendbewegung und Vietnamkrieg zu Ende ging, ist in weite Ferne gerückt. Frei von Sentimentalitäten, nüchtern, schonungslos realistisch und teilweise sogar bitterböse ist heute der Blick auf den Westen und seine «Helden».

Konsequentes Storytelling

Von den staubigen Strassen der Grenzstadt Fort Smith führt die Suche in und durch abgestorbene Wälder und karge, lebensfeindliche Landstriche.

Sorgen zunächst noch Szenen wie Matties beinhartes Verhandeln mit einem Pferdehändler oder das Anheuern Cogburns für Witz, so wird der Erzählton ernster, je länger der Film dauert.

Den Gestank der verdreckten Protagonisten kann man jetzt fast riechen, und Jeff Bridges zeichnet in Fortsetzung seiner Rollen in «The Big Lebowski» und «Crazy Heart» seinen Cogburn noch einmal um einiges heruntergekommener und vor allem brutaler als einst John Wayne.

Quacksalber im Bärenfell

Auch vor drastischen Szenen schrecken die Coens nicht zurück, wenn auf einem Tisch zwei abgehackte Finger liegen bleiben oder Cogburn Blut ins Gesicht spritzt.

Auf alle Mätzchen verzichtet das Regieduo aber und konzentriert sich ganz auf die konsequente Entwicklung der Handlung.

Markant fällt dabei die Ergänzung einiger düsterer Szenen auf, die sich in der ersten Verfilmung von Charles Portis' 1968 erschienenem Roman nicht finden. So stossen das Mädchen und der Marshal, die sich zumindest vorübergehend von dem arroganten LaBoeuf trennen, mitten in der Wildnis auf einen Gehenkten, den ein Indianer mitnimmt, um ihn einzutauschen, oder auf einen Quacksalber, der ihnen in ein Bärenfell gehüllt entgegen- kommt.

Mörderische Jagd auf 14-Jährige

Da kann es dann auch nicht verwundern, dass die Gebrüder Coen gerade beim Schluss vom Original abweichen, nicht den alten Marshal nochmals mit dem Pferd von dannen reiten lassen, sondern einen 25 Jahre später spielenden Epilog anhängen, der deutlich macht, dass die mörderische Jagd auch das Leben des 14jährigen Mädchens entscheidend beeinflusst hat.

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