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«Echt Falsch: Vom Plagiat in unserer Kultur» – der Verein Buchstadt St. Gallen lud zu einer Veranstaltung über das Abschreiben und Einfügen in die Lokremise. Heisse Köpfe hinterliess die Podiumsdiskussion nicht.
Daniel Fuchs
Die vermeintliche Helene Hegemann diskutiert mit Schauspieler Markus Flückiger (rechts) über ihren umstrittenen Roman «Axolotl Roadkill». (Bild: pd)

Die vermeintliche Helene Hegemann diskutiert mit Schauspieler Markus Flückiger (rechts) über ihren umstrittenen Roman «Axolotl Roadkill». (Bild: pd)

Im Rahmen der 2. St. Galler Buch-Biennale eröffnet Peter Schönenberger, Präsident der Stiftung «St. Galler Zentrum für das Buch», eine Podiumsdiskussion, die in gut einstündiger Dauer in Stellungnahmen der eingeladenen Teilnehmer verödet.

Vielleicht hätte eine provokativere Moderation geholfen. Professor Vincent Kaufmann von der Universität St. Gallen reicht bloss das Mikrophon von Teilnehmer zu Teilnehmer weiter. Zu wesentlichen Erkenntnissen kommt man durch die abgegebenen Statements der eingeladenen Experten als Zuhörer nicht. Verharrende Positionen, eine Endlosschlaufe.

Kultur des Zitierens

Professorin Debora Weber-Wulff von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin outet sich als Kammerjägerin. Das Internet, welches das Mashen, Samplen und Recyceln fördert, gibt ihr auch die Mittel in die Hand, die grossen und kleinen Plagiatoren zu entlarven. Mit der richtigen Spürnase kräftig googeln, und fertig ist es mit der erschwindelten Karriere der zu Gutenbergs und Schwans. Unter dem wissenschaftlichen Publikationsdruck wird offenbar zu viel geschrieben und zu wenig gelesen. Da haben es die Künstler und Literaten einfacher. Auch Brecht und Mozart haben abgekupfert!

Beunruhigend

Professor Philipp Theisohn von der ETH Zürich hält zu Recht das vom US-Autor Kenneth Goldsmith propagierte «Uncreative writing» für eine Pose, die wieder auf Originalität aus ist. Beunruhigend ist allerdings, dass, gemäss Philipp Otto von «iRights.info», Gesetzesentwürfe mehrheitlich durch Lobbyisten abgefasst werden.

Dani Landolf, als Vertreter des Schweizerischen Buchhändler- und Verleger-Verbands, setzt dem ebenfalls durch das Web geförderten Selbst-Publishing die Qualitätskontrolle durch das Lektorat entgegen. Ein genauer Blick in gewisse Verlagserzeugnisse lässt erhebliche Zweifel an dieser These aufkommen.

Axolotl Schwanzwurm

Vor drei Jahren veröffentlichte der Ullstein Verlag das erste Buch einer damals siebzehnjährigen Jungautorin mit dem merkwürdigen Titel «Axolotl Roadkill». Die Publikation löste damals eine der grössten Literatur-Debatten der letzten Jahre aus. Helene Hegemann sah sich mit dem Vorwurf des Plagiats konfrontiert. Grosse Teile des Romans hatte sie offenbar aus einem Blog abgeschrieben. Die Autorin gehört aber zu einer neuen Generation, die ein unbelastetes Verhältnis zum Netz hat, einen uneingeschränkten Zugang zu Informationen fordert und damit klarerweise Fragen zur Autorschaft aufwirft. Der Medienrummel war enorm. Die Auflagezahlen des Romans stiegen und Hegemann wurde zur Bestsellerautorin. Vom Verdacht, das Ganze könnte auch eine perfekt inszenierte Public-Relation-Aktion von Verlag und Medien gewesen sein, blieb die Publikation belastet. Geschadet hat das nicht.

Als Special Guest der Veranstaltung angekündigt, nimmt Helene Hegemann im Anschluss an die Diskussion auf dem Podium Platz. Jung, blondhaarig, zickig – mit der Pose eines bösen Mädchens, das die Literatur aufmischt. Männiglich ist gespannt.

Hegemann will nicht lesen

Von Schauspieler Matthias Flückiger, der sich als Interviewer zur Verfügung gestellt hat, kann man erwarten, dass er dem frechen und coolen Auftreten der Berlinerin gewachsen ist. Hartnäckig werden Fragen gestellt, einige beantwortet, andere mit einem «buh» abgetan. Nach knapp fünfzehn Minuten ist die Befragung beendet. Nur – Lesen aus «Axolotl» hat die Helene Hegemann nicht wollen.

Flückigers Plagiat

Beim anschliessenden Apéro werden die verbliebenen Zuhörer aufgeklärt. In der Rolle von Helene Hegemann ist Nehle Breer, Schauspielschülerin im ersten Jahr, aufgetreten. Das durch Matthias Flückiger geführte Interview ist zu neunzig Prozent aus Materialien aus dem Internet collagiert und kombiniert worden. In der Zuhörerschaft hat es keiner bemerkt. Es gibt es also doch, das fast perfekt inszenierte Plagiat.

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