Marianne Racine, Grande Dame des Schweizer Jazzgesangs, stellt in St.Gallen ihr neues Album vor

Ihren ersten Job in der Schweiz fand die gebürtige Schwedin in den 1980ern als Blockflötenlehrerin.

Tom Gsteiger
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Marianne Racine, Grande Dame des Schweizer Jazzgesangs.

Marianne Racine, Grande Dame des Schweizer Jazzgesangs.

Bild: PD

Als gebürtige Schwedin kennt sich Marianne Racine gut aus im skandinavischen Jazz. Zu ihren Lieblingen zählt der schwedische Baritonsaxofonist Lars Gullin (1928–1976), der in seiner Musik Einflüsse aus dem amerikanischen Cool Jazz mit nordischer Melancholie gemischt hat. Und so beginnt Racines neues Album «Common Ground» mit zwei Stücken aus dem Repertoire Gullins. Doch damit nicht genug: Mit Matthias Tschopp hat Racine einen wunderprächtig aufspielenden Baritonsaxofonisten in ihre Band Rhythm & Horns geholt, über den sie sagt: «Er ist ein offener Geist, sehr fantasievoll und spielt alles mit gesunder Frische.» Rhythm & Horns begleitet Racine nach St.Gallen, wo sie am Montag bei Gambrinus Jazz plus auftritt.

Marianne Racine mit ihrer Band Rhythm and Horns.

Marianne Racine mit ihrer Band Rhythm and Horns.

(Bild: PD)

Auf dem neuen Album ist aber auch das seit über einem Jahrzehnt bestehende Marianne Racine Quartet zu hören: In dieser Formation spielt Racine auch Klavier, dazu kommen der Bassist Patrick Sommer, der Schlagzeuger Pius Baschnagel und der lyrische Trompeter und Flügelhornist Daniel Baschnagel. Sommer und Daniel Baschnagel gehören auch zu Rhythm & Horns, am Schlagzeug sitzt Andreas Wettstein. Damit ist für viel Abwechslung gesorgt – erst recht, weil Sommer bei Rhythm & Horns zuweilen auch zum Sousafon greift.

Verbeugung von Van Morrison

Doch nicht nur die Instrumentierung wechselt auf «Common Ground», sondern auch die Bezugsquellen der Songs. So gibt es mit «Broken Bicycles» eine Nummer von Tom Waits zu hören und mit «When the Leaves Come Fallin’ Down» verbeugt sich Racine vor Van Morrison, den sie als risikobereiten, zugleich ruppigen und verletzlichen Singer/Songwriter sehr schätzt. Racines Version von Duke Ellingtons «Sophisticated Lady» bringt eine weitere Überraschung: Sie singt das Lied nicht als Ballade, sondern rezitiert den Zeigefingertext in einem schnellen Tempo, wodurch dieser eine klare Bedeutungsverschiebung erhält. Racine sagt: «Dieses Stück würde ich nie als Ballade singen.» Auch sonst schaut sie sich die Texte genau an und ist zu der Überzeugung gelangt, dass man gewisse Songs aus der Broadway-Ära heute nicht mehr singen kann.

Dass sie in der Schweiz, wohin es sie in den 80er-Jahren aus amourösen Gründen verschlagen hatte, so schnell Fuss fassen konnte, dafür ist Marianne Racine-Granvik, die 1956 im schwedischen Hapranda auf die Welt kam, dankbar. Und sie ist glücklich, dass sie als Jazzsängerin auf ein treues Fanpublikum zählen darf. Der erste Job der diplomierten Klavierlehrerin hierzulande war unspektakulär: Blockflötenunterricht. Als Sängerin landete sie allerdings schnell an einem legendären Ort, nämlich im Hotel-Restaurant Kindli, wo die Abendshow von Mitgliedern der Geschwister-Schmid-Dynastie («Stägeli uf, Stägeli ab») gemanagt wurde: Während Nachtigall Esther fürs Jodeln zuständig war, gab Racine Standards aus dem «Great American Songbook» zum Besten.

Der Kontakt zum Radiomann Emil Moser öffnete weitere Türen – und regte sie dazu an, Volkslieder aus ihrer Heimat zu interpretieren. Eines singt sie auch auf «Common Ground». Es ist verbunden mit der berühmten schwedischen Jazzsängerin Monica Zetterlund, die bis heute zu Racines Lieblingen gehört.

Montag, 20 Uhr, Bistro Einstein, St.Gallen.