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«Mare», Traum eines Schweizers

Vor zwanzig Jahren hat Nikolaus Gelpke in Hamburg eine Zeitschrift der Meere gegründet. Rasch hat sie Erfolg. Bis heute beeindruckt sie mit ihren Reportagen – und mit den Mare-Büchern.
Rolf App
Unschuldiges Strandvergnügen: Erst im zweiten Anlauf kam dieses Bild aus dem Iran zustande, wo Ayatollah Khomeini das Baden wieder erlaubt hatte. (Bild: Jodi Bieber/Mare)

Unschuldiges Strandvergnügen: Erst im zweiten Anlauf kam dieses Bild aus dem Iran zustande, wo Ayatollah Khomeini das Baden wieder erlaubt hatte. (Bild: Jodi Bieber/Mare)

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@tagblatt.ch

Als Sechsjähriger steht er zum ersten Mal am Meer, in Italien nördlich von Neapel. «Da wollte ich noch Fischer werden», erzählt Nikolaus Gelpke, mittlerweile 54 Jahre alt. Mit achtzehn nennt er als Berufswunsch: «Ich will über die Meere schreiben.» Was die Mutter in Ratlosigkeit stürzt. Schliesslich befindet man sich im Binnenland Schweiz.

Doch eine Freundin weiss Rat: Sie kennt Elisabeth Mann Borgese, die jüngste Tochter Thomas Manns, die im kanadischen Halifax das International Ocean Institute gegründet hat. «Sie beantwortete freundlich mein Brief und erklärte mir: Ich könne kommen und ihre Hunde hüten, dafür bringe sie mir einiges bei.» So kommt die Landratte dem Objekt seiner Sehnsucht endlich nah. «Ich machte alles, was Elisabeth mir riet», sagt Gelpke. «So studierte ich denn auch Meeresbiologie.» Und macht sich an die Verwirklichung einer ungewöhnlichen Idee: eine Zeitschrift zu gründen, die den Meeren gewidmet ist und mit grossen Reportagen und Themenschwerpunkten einen Kontrapunkt setzt zu allen auf kurzweilige Unterhaltung ausgerichteten Presseprodukten.

Wo ein Hauptstrom fliesst, gibt es einen Gegenstrom

Nikolaus Gelpke geht umsichtig vor. Auf Anraten einer Freundin, die noch immer dabei ist, trägt er seinen Plan zwei Juristen vor, die sich im Medienmarkt auskennen. Sie raten ihm ab, an einen der Grossverlage zu gelangen. Statt dessen findet er Investoren, die sich langfristig binden, und in Hamburgs Speicherstadt auch einen schönen Ort für das Projekt. Eine Schar Begeisterter lässt sich von der Seglerweisheit treiben: «Dass es, wo ein Hauptstrom fliesst, auch einen Gegenstrom gibt. Man muss ihn nur finden.»

Dem Grellen und Bunten setzt «Mare» das Ruhige entgegen, dem Häppchenjournalismus die breit angelegte Reportage. Und während andere neue Printprodukte Millionen in ihre Lancierung stecken, kommt «Mare» beim Start 1996 fast ohne Werbung aus. «Das Schöne war, dass die Kollegen uns sofort beachtet haben», erzählt Nikolaus Gelpke. «Schon über die ersten Nummern wurde ausgiebig berichtet.»

Heute hat «Mare» eine Auflage von etwa 26000, davon 15000 Abonnenten, und eine Reichweite von 300000 Lesern. 2007 hat Gelpke die Abonnentenwerbung eingestellt und nur etwa 2000 Käufer verloren. «Andere Zeitschriften wenden für die Werbung Millionen auf, wir stecken unser Geld lieber in die Inhalte», sagt er.

Notfalls nimmt «Mare» einen zweiten Anlauf

Der Aufwand ist enorm. «Mare» schickt angesehene Reporter und Fotografen an die entlegensten Orte. Zum Beispiel, in der neuen Ausgabe, ins rumänische Sulina im Donaudelta, den östlichsten, nur mit dem Schiff zu erreichenden Ort der EU. Oder, Gelpke erzählt diese Geschichte bei unserem ersten Gespräch im Jahr 2002, an jene Strände im Iran, an denen man nach 23 Jahren des Verbots wieder baden darf. «Zuerst haben wir einen Reporter und eine Fotografin losgeschickt. Der Reporter wurde verhaftet, die Fotografin war verängstigt – was man den Bildern ansah.» So machten sie noch einen Anlauf, mit einer andern Fotografin «und wunderbarem Resultat».

Einmal im Jahr zieht die Redaktion in ein Seebad und tüftelt die Schwerpunkte aus. Drum herum wird der restliche Inhalt gruppiert: Die grosse Reportage zum Start, dann kleinere Texte. Abwechslung ist wichtig. Auf die Menschen von Sulina etwa folgen Texte über das Schiff «Mayflower», dessen Passagiere den Geist der USA bis heute prägen. Dann geht es auf das grösste Kreuzfahrtschiff der Welt und damit zum Schwerpunkt.

Zum Standbein von «Mare» ist der Buchverlag geworden. So dass Nikolaus Gelpke zuversichtlich ist. «Man braucht ‹Mare› nicht, man gönnt es sich», sagt er. Und: «Es macht Spass, etwas zu machen, das nicht so schnell seinen Wert verliert.» Immer noch stehen die Investoren des Anfangs hinter ihm. Es hat zwar durchaus Grossverlage gegeben, die sich an der Zeitschrift interessiert gezeigt haben. «Sie wollten aber eine Mehrheit bekommen. Die aber gebe ich nicht her.»

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