«Manchmal liegt etwas in der Luft»

Sie haben «Django Unchained» vor acht Jahren geschrieben. Damals war das Klima noch ein anderes. Heute haben die USA einen schwarzen Präsidenten. Quentin Tarantino: Ich weiss nicht, ob dieser Film ein Kommentar auf unsere Gesellschaft ist und ob ich das überhaupt beabsichtigt habe.

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Quentin Tarantino Regisseur (Bild: Quelle)

Quentin Tarantino Regisseur (Bild: Quelle)

Sie haben «Django Unchained» vor acht Jahren geschrieben. Damals war das Klima noch ein anderes. Heute haben die USA einen schwarzen Präsidenten.

Quentin Tarantino: Ich weiss nicht, ob dieser Film ein Kommentar auf unsere Gesellschaft ist und ob ich das überhaupt beabsichtigt habe. Manchmal liegt einfach etwas in der Luft, und ich glaube, die Geschichte wäre mir eingefallen, egal ob Obama die Wahl gewonnen hat oder nicht. Aber die Tatsache, dass er vier Jahre später wiedergewählt wurde, macht meine Geschichte nur spannender und provokativer.

In Ihren Filmen ist oft eine gewisse Faszination für den Unterlegenen oder den Aussenseiter zu spüren. Sehen Sie sich als Aussenseiter?

Tarantino: In Hollywood war ich immer der Aussenseiter. Aber meine Popularität auf der Welt ist heute der Beweis, dass der amerikanische Traum noch immer funktioniert. In England liessen sie mich wissen, dass ich es dort nie geschafft hätte. Dort hätte ich an die Uni gehen müssen, um bei der BBC einen Job zu kriegen. In «Django» sind die Figuren, denen ich folge, die Opfer. Es scheint, als gäbe es für sie keinen Ausweg. Aber ich will zeigen, dass diese Leute Helden sein können, Rächer und Bezwinger.

Sie haben wichtige Dinge zu sagen. Könnten Sie dies nicht besser, wenn Sie das nicht mit Humor verwässern würden?

Tarantino: Es ist Teil meiner Stimme als Künstler, dass ich schreckliche Dinge mit Humor beleuchte. Der Spaghettiwestern hat Realismus und Gewalt auch mit Galgenhumor behandelt, was für diese Geschichte eines Sklaven mit der Mission, seine Frau von den Klauen ihres Misshandlers zu befreien, passend erschien. Und ausserdem bin ich richtig stolz auf die Szene, in der Django mit einem Schneemann als Zielscheibe das Schiessen übt.

Dieser Film ist voll von deutscher Romantik und Referenzen auf Richard Wagner. Djangos Frau heisst Brunhilde, und sein Partner ist ein deutscher Zahnarzt aus Düsseldorf, gespielt von Christoph Waltz. Warum?

Tarantino: Als ich etwa 50 Seiten des Drehbuchs geschrieben hatte, rief mich Christoph Waltz an und lud mich ein, die Aufführung des «Rings des Nibelungen» anzusehen, die an der Los Angeles Oper gegeben wurde. Ich schaffte es nicht, den ersten Teil zu sehen, aber vor der zweiten Oper trafen wir uns zum Abendessen, und Christoph erzählte mir, was im ersten Teil passiert. Die Geschichte von Siegfried, Wotan und Brunhilde. Während ich mir die Oper anschaute, habe ich bemerkt, wie viele Ähnlichkeiten es zwischen dieser Geschichte und meinem Script gab.

Wer war zuerst. Christoph Waltz oder seine Rolle King Schultz?

Tarantino: Christoph. Ich kann ehrlich sagen, dass ich mir nicht alleine die Figur des Zahnarztes und Kopfgeldjägers im Widen Westen ausgedacht habe. Er war einfach da, floss aus der Feder.

Wir stehen am Anfang der Award Saison, einer Zeit von zwei Monaten, in denen in Hollywood alle Auszeichnungen verliehen werden. Sind Ihnen Preise wichtig?

Tarantino: Ich hoffe natürlich, dass wir nominiert werden und Trophäen gewinnen. Sonst hätte ich «Django» im März in die Kinos gebracht oder wäre damit im Mai nach Cannes gegangen.

In Anbetracht der kürzlichen Schiessereien in den USA wird viel über den Einfluss gewalttätiger Medien wie Videospiele oder Filme gesprochen. Was ist Ihre Meinung?

Tarantino: Ich höre die Kritik oft, dass Filme an diesen Greueltaten schuld seien. Die Schiessereien sich schreckliche Tragödien. Aber ich habe meine Filme schon vor 20 Jahren gemacht. Die Zuschauer wissen, was sie von einem Tarantino-Film zu erwarten haben. Eigentlich fühle ich mich beleidigt, dass meine Filme in diese Diskussion mit einbezogen werden. Das Problem ist meiner Ansicht nach eines der geistigen Gesundheit dieser Schiesser und wie unsere Gesellschaft damit umgeht.

Interview: Gabriela Tscharner

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