«Man kann uns nicht kaufen»: Kulturmagazin «Saiten» lässt sich Heft von Toggenburger Gemeinde mitfinanzieren

Die März-Ausgabe des Ostschweizer Kulturmagazins «Saiten» widmet sich dem Städtchen Lichtensteig. «Dieses Heft ist in Kooperation mit der Gemeinde Lichtensteig entstanden und von dieser mitfinanziert», heisst es im Vorwort. Haben sich die Toggenburger einen schönen Auftritt im Magazin gekauft? Marc Jenny vom «Saiten»-Verlag relativiert.

Roger Berhalter
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Die Gemeinde Lichtensteig hat die März-Ausgabe des Kulturmagazins «Saiten» mitfinanziert.

Die Gemeinde Lichtensteig hat die März-Ausgabe des Kulturmagazins «Saiten» mitfinanziert. 

Bild: Martin Lendi

Der Lichtensteiger Stadtpräsident darf im aktuellen «Saiten» von seiner Gemeinde schwärmen. Wie viel hat er Ihnen dafür bezahlt?

Marc Jenny, Co-Verlagsleiter von «Saiten».

Marc Jenny, Co-Verlagsleiter von «Saiten».

Bild: Benjamin Manser

Marc Jenny: Diese Frage suggeriert, dass wir journalistisch unsauber gearbeitet haben. Das stimmt nicht! Die Interviewfragen an Matthias Müller im Heft sind seriös, kritisch und es ist eine klare journalistische Gesprächsführung erkennbar. Wir geben sicher keine Steilpässe für Schwärmereien.

Dennoch: Das Heft ist in Kooperation mit der Gemeinde entstanden. Inwieweit konnte sie bei der Themenwahl mitreden?

Es gab mehrere Vorgespräche. Bis so ein Kooperationsheft zustande kommt, dauert es oft sehr lange, wie auch im aktuellen Beispiel. Der Auslöser war die Dynamik von Lichtensteig, die uns interessiert hat. Das Städtchen hat etwas, das die umliegenden Gemeinden nicht haben. Diesem Phänomen wollten wir auf den Grund gehen, deshalb bin ich auf die Gemeinde zugegangen.

Verträgt sich diese Zusammenarbeit mit der journalistischen Unabhängigkeit, die «Saiten» hochhält?

Ja. Einerseits sind wir sehr transparent, wir deklarieren die Bedingungen für solche Kooperationen auf unserer Webseite. Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs. Auch intern setzen wir uns kritisch mit dem Thema Unabhängigkeit auseinander. Wir diskutieren mehrmals, bis wir uns alle einig sind, dass trotz Kooperation ein neutraler Blick auf ein Thema möglich ist.

Also kann sich nicht jede Gemeinde ihr eigenes «Saiten»-Heft kaufen?

Nein, natürlich nicht. Man kann uns nicht kaufen. Man kann vielmehr mit uns kooperieren, um ein Thema zu setzen. Das kostet einerseits etwas Geld, anderseits muss man aber auch einen journalistischen Mehrwert bieten. Im Idealfall tun sich für beide Seiten neue Möglichkeiten auf.