Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

MALEREI: Die Nacht in den Tag bringen

Einen Höllenschlund, labyrinthische Architekturen oder verwunschene Landschaften kann man in den abstrakten Zeichnungen und Gemälden Conrad Steiners entdecken. Der Thurgauer stellt in der Galerie Adrian Bleisch aus.
«Abstraktion ist eine Zumutung», sagt Conrad Steiner. (Bild: Reto Martin)

«Abstraktion ist eine Zumutung», sagt Conrad Steiner. (Bild: Reto Martin)

Der Ursprung liegt in der Nacht. Zeichnungen, in drei, vier Nächten mit schwarzer Tusche aufs Papier gebracht und mit weisser aufgehellt, wenn sie allzu sehr ins Dunkle abdriften. Es sind abstrakte Wimmelbilder, in denen das Auge Halt sucht, indem es bekannte Formen zu identifizieren versucht. Zwischendurch gelingt es beinahe. Man glaubt, in dieser Ursuppe einen Schlund, biomorphe Strukturen, Landschaften zu entdecken. Doch die Erkenntnis blitzt nur kurz auf, um gleich wieder zu verschwinden. Und das Auge wandert unruhig weiter.

«Für mich liegt das Bild in der Andeutung. Der Betrachter soll es weiterentwickeln», sagt Conrad Steiner. Der Thurgauer Künstler stellt bereits zum achten Mal in der Galerie Adrian Bleisch in Arbon aus, 1996 bestritt er dort die Eröffnungsausstellung. «Bild für Bild» heisst seine aktuelle Einzelschau.

Bilderwanderungen in die Abstraktion

Zehn Blöcke hat Conrad Steiner mit seinen Nachtzeichnungen gefüllt. Es sind «Versenkungsbilder», die ihn an Piranesis Architekturfantasien oder Dantes Höllenspirale erinnern. Dann wagte er sich an die Leinwand. «Wie bringe ich die Nacht in den Tag?», das war die Frage, die ihn beschäftigte. Der Künstler legte auf der Leinwand erste, noch zufällige Linien aus. Er nahm dafür einen Stenografen zur Hilfe, ein Gerät, das früher für technische Zeichnungen verwendet wurde. Farbstift, Feder, und ein feinster, aus nur einem Haar bestehender Pinsel kamen hinzu. Diese Werkserie schöpft aus der Nähe zur Zeichnung, die Farben sind gedämpft. Auch hier finden sich Fetzen des Erkennens, Landschaften aus der Vogelperspektive, manchmal wie durch einen Nebel. Bilderwanderungen in die Abstraktion und zurück. Es braucht Abenteuerlust, sich auf diese Reisen zu begeben, die Conrad Steiner in seinen Werken anbietet. Gewissheiten gibt es keine, das kann ebenso vergnüglich wie beunruhigend sein. Denn beim Betrachten steigen unweigerlich die eigenen Bilder im Kopf auf, angenehme wie unangenehme. Langweilig wird es nie. «Abstraktion hat etwas Mass­loses. Es ist eine Zumutung für die Leute», sagt der Künstler.

Buchlandschaften und Kiefernrinde

Dann sind da weiter die Ölgemälde, zumeist in gebrochenen Farben. Es sind fein austarierte Kompositionen, an welchen Conrad Steiner manchmal monatelang arbeitet. An gewissen Stellen verdichten sich die Formen, treten klarer hervor, werden kleinteiliger. Dann wieder verschwimmen sie, lösen sich auf, werden schemenhaft, nebulös.

Einen Kontraktpunkt zu Zeichnungen und Malerei setzen kleinformatige Objekte. Inspiriert von «Das Notizbuch vom Kiefernwald» von Francis Ponge formte Conrad Steiner amorphe Gebilde aus geschliffenen Kiefernrindestücken. Bücher schnitt und schliff er, bis ihre Oberfläche hölzern anmutete oder einer Landschaft ähnelte. «Für mich ist alles Malerei», sagt der Künstler.

Christina Genova

christina.genova@tagblatt.ch

Bis 18.11., Finissage 14–16 Uhr.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.