Magische Metamorphose

HÖRBAR JAZZ

Tom Gsteiger
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Bild: Tom Gsteiger

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HÖRBAR JAZZ

Vor drei Jahren legten Daniel Schläppi und Marc Copland das Album «Essentials» vor, nun folgt «More Essentials». In der Zeit zwischen den zwei Alben haben der Schweizer Bassist und der amerikanische Pianist ihre Empathie bei zahlreichen Konzerten vertieft – und so kommt nun der an einem einzigen Tag eingespielte Zweitling noch sublimer daher. Hier haben zwei Musiker zueinander gefunden, die auf derselben Wellenlänge swingen und schweben, die auf jede Form von Kraftmeierei und Effekthascherei verzichten: Sie streben in spontanen Dialogen in die Tiefe. Dabei gehen sie in den meisten Fällen von bekannten Stücken aus: Auf «More Essentials» sind unter anderem drei legendäre Jazznummern («Blue In Green», «Song For My Father», «My Little Suede Shoes»), zwei Standards aus dem «Great American Songbook» («All Of You», «Yesterdays») sowie der Song «Rainy Night House» von Joni Mitchell zu hören. Schläppi und Copland unterziehen die Melodien und Harmonien der Stücke einer magischen Metamorphose und versetzen die Zuhörer in einen Zustand verzückter Verzauberung.

Schläppi/Copland, «More Essentials», Catwalk

Im Unruhestand

Irène Schweizer kam 1941 auf die Welt, Han Bennink 1942. Eigentlich könnten die Schweizer Pianistin und der niederländische Schlagzeuger längst den Ruhestand geniessen – schliesslich haben sie in der Vergangenheit wahrlich für mehr als genug Rabatz gesorgt. Sowohl Schweizer als auch Bennink zählen zu den Ikonen der europäischen Free-Jazz-Szene: Vor ihren Sturm- und-Drang-Jahren haben allerdings beide lüpfige Tanzmusik gespielt. Mit anderen Worten: Wenn Schweizer und Bennink aufeinander treffen, darf man sich auf ein spezielles Stelldichein von Anarchie und Nostalgie freuen. Ihr bisher einziges Duo-Album nahmen sie vor zwanzig Jahren im Zürcher «Moods» auf. Nun lässt sich der Berserker Bennink in Konzerten gerne zu clowneskem Radau hinreissen. So war es eine wirklich gute Idee, das Duo dieses Mal der sterilen Atmosphäre eines Studios auszusetzen. Das Resultat: 14 ziemlich konzise Stücke, von denen nur eines länger als fünf Minuten dauert. Für Kontraste ist gesorgt – da folgt etwa Schweizers «Verflixt» auf «Meet Me Tonight in Dreamland».

Schweizer/Bennink, «Welcome Back», Intakt

Bild: Tom Gsteiger

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