Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Märstetten: Barocke Pracht im Pferdestall

Die Kleine Oper Märstetten bringt «The Fairy Queen» von Henry Purcell auf die Bühne – in einem einzigartigen Ambiente. Musik und Raum und Gesang fügen sich im unvergleichlich kleinen Opernhaus zu einem Gesamtkunstwerk.
Markus Wigert
Sopranistin Ursula Göllner bei der Geburtstagsfeier von Oberon. (Bild: Donato Caspari (Märstetten, 29. August 2019))

Sopranistin Ursula Göllner bei der Geburtstagsfeier von Oberon. (Bild: Donato Caspari (Märstetten, 29. August 2019))

Ein umgebauter Pferdestall an der Dorfstrasse in Märstetten. Von aussen recht unscheinbar. Im Innern aber wird das Publikum sofort verzaubert von der festlichen Atmosphäre, die an ein kurfürstliches Schmuckstück aus der Barockzeit erinnert.

Die Farben Rot, Schwarz und Gold dominieren. Marmorimitationen aus Holz verleihen dem Raum eine festliche Note. Jeder Zentimeter des beschränkten Raumes ist genau durchdacht und optimal ausgenutzt. Der Aufführungsort verdient es, für einmal an erster Stelle gewürdigt zu werden, ein mit viel Liebe zum Detail eingerichtetes kleines Opernhaus.

Die Feenkönigin bei den Waldgeistern

«The Fairy Queen» gehört zu einer besonderen Art der ­englischen Barockoper, zur Semi-Opera, die in Märstetten um einen Akt gekürzt wurde und so wieder näher zur Originalkomposition rückte. Bereits der Uraufführung am 2. Mai 1692 im Queens-Theater in London war ein durschlagender Erfolg beschieden. Sie festigte den Ruhm seines Komponisten, der in seiner kurzen Karriere – er starb bereits mit 36 Jahren – insgesamt 39 dramatische Musikwerke schuf.

Henry Purcell (1659–1695), der Orpheus Britannicus, und der vermutete Librettist Thomas Betterton übernahmen den Stoff von Shakespeares Sommernachtstraum: Die Flucht Titanias vor der lauten Stadt hinaus aufs Land zu den Elfen und Waldgeistern. Dort gibt es Raum, Freiheit und Distanz zu ihrem eifersüchtigen Gatten Oberon.

Und auch Raum für die unerfüllten Liebesträume von Titania, gesungen von der liebreizend zarten Sopranistin Julia Hagenmüller. Wunderbar natürlich führt sie ihre lyrische Stimme, ohne zu forcieren. Einen umwerfend komischen, betrunkenen Poeten, der sich im Wald verirrt und von den Waldgeistern aus ihrem Reich gedrängt wird, gibt der Bassist Peter Walser im ersten Akt. In seiner Doppelrolle verkörpert er im vierten Akt Titanias wiederversöhnten Ehemann Oberon.

In unvergleichlich kleinen Opernhaus wird präzis und motiviert gespielt und gesungen. (Bild: Donato Caspari (Märstetten, 29. August 2019))

In unvergleichlich kleinen Opernhaus wird präzis und motiviert gespielt und gesungen. (Bild: Donato Caspari (Märstetten, 29. August 2019))

Ein zweites Gegensatzpaar zum Stadt-Land-Konflikt bildet der Widerspruch zwischen der Idealvorstellung einer romantischen Liebe und der im Alltag existierenden. Titania sinniert auf einer Holzbank im Wald vertieft darüber, assistiert von den Feen und Waldgeistern. Der Auftritt des bäuerlichen Paares Coridon und Mopsa, verkörpert von Bariton Lorenz Kauffer und Countertenor Stefan Kunath, verkörpert die handfeste praktische Alltagsliebe. Ursula Göllner, die zweite Sopranistin des Stücks, zeigt eine solide gesangliche Leistung.

Musik und Raum als Gesamtkunstwerk

Als eigentliches Gesamtkunstwerk kann man das Paket aus neunköpfigem Märstetter Opernorchester, dem 1999 gegründeten Vokalensemble Praetorius, den engagierten Solistinnen und Solisten – alle in der Originalsprache singend – und dem unvergleichlichen kleinen Opernhaus bezeichnen. Da wird präzis und motiviert gespielt und musiziert. Die Register fügen sich zu einem stimmigen Gesamtklang.

Szenenbild aus The Fairy Queen der Kleinen Oper Märstetten. (Bild: Donato Caspari (Märstetten, 29. August 2019))

Szenenbild aus The Fairy Queen der Kleinen Oper Märstetten. (Bild: Donato Caspari (Märstetten, 29. August 2019))

Auch eine kleine Panne zu Beginn des zweiten Aktes, als die bunten Waldvögel partout nicht in den Bühnenhimmel entschweben wollten, vermag den Gesamteindruck nicht zu schmälern. Ebenso wenig die durch die beträchtliche Hitze bedingten gelegentlichen Verstimmungsprobleme bei den Saiteninstrumenten.

Unter der musikalischen Leitung von Jürg Trippel und der Regie von Barbara Sturzenegger ist mit der Premiere vom vergangenen Freitag die insgesamt vierte Opernproduktion in einem zweijährigen Turnus aufgeführt worden. Dass die kleineren Opernformate ihren ganz besonderen Charme ausstrahlen, hat die aktuelle Premiere ­erneut bewiesen.

Die Kleine Oper Märstetten wird bespielt vom Vocalensemble praetorius.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.