Mädchenhafte Maskerade

Die Thurgauer Künstlerin Co Gründler schafft wie eine zeitgenössische Schamanin Neues aus ungewöhnlichen Materialien und arrangiert Objekte wie eine Gartenlandschaft in der Galerie Bleisch in Arbon.

Brigitte Elsner-Heller
Drucken
Teilen
Die Farbe legt sich wie ein warmes, leichtes Tuch über alles: Objekte der Thurgauer Künstlerin Co Gründler in der Galerie Bleisch in Arbon. (Bild: Brigitte Elsner-Heller)

Die Farbe legt sich wie ein warmes, leichtes Tuch über alles: Objekte der Thurgauer Künstlerin Co Gründler in der Galerie Bleisch in Arbon. (Bild: Brigitte Elsner-Heller)

ARBON. Die Haare in einem warmen Blond, der kurze Pony zu einer Tolle geformt. Der Lippenstift hat den schmeichelnden Ton von Rosenholz, doch die Farbe, die in ihrer Frische am deutlichsten hervorkehrt, wer die Künstlerin Co Gründler sein könnte, ist das frühlingshafte Grün ihres Pullovers.

Co Gründler, Jahrgang 1967 und in Zürich lebend, bewegt sich in der Galerie Bleisch in Arbon in ihrer Ausstellung, als sei sie ein Teil der Installationen oder Objekte. Und so ganz falsch ist dieser erste Eindruck nicht, denn im untersten Geschoss der Galerie begegnet man ihr dann tatsächlich auch als Kunstfigur wieder. «Beyond Shadows and Minds» betitelt sie eine Audio- und Lichtinstallation, die sie als Selbstbildnis angelegt hat.

Ruhe aus der Klanginstallation

Zwei Abgüsse ihres Kopfes sind dort zu sehen, arrangiert wie ein Mobile, das aus stabilen Ästen zusammengesetzt wurde. Die beiden Köpfe drehen sich um eine Rotationsachse, während Lichtkegel für einen korrespondierenden Schattenwurf an zwei Wänden des Ausstellungsraums sorgen. Mario Marchisella hat dazu eine Klangkulisse erstellt, die sich aus der Stimme von Co Gründler und John Lennons «Mind Games» speist.

Das alles ist sphärisch, merkwürdig, aber doch nicht erschreckend. Dass man diese Köpfe, die im Gegensatz zu allen anderen Objekten nicht mit Farbe gefasst sind, nicht mit Totenmasken assoziiert, liegt an der Ruhe, mit der Co Gründler durch die Klanginstallation zum Besucher spricht.

Ungewöhnliche Materialien

Doch dies ist bereits der «Endpunkt» der Ausstellung, auch wenn sich nicht sagen lässt, dass sie auf diesen Punkt konsequent zugesteuert wäre. Klar ist nur, dass hier eine Künstlerin sehr präsent ist, eine, die Neues aus ungewöhnlichen Materialien schafft. Die Klammer der Objekte bildet vor allem die Farbe, die sich als warmes, leichtes Tuch über alles legt – als wolle Co Gründler all das wiedergutmachen, was sie an Wesensfremdem in ihre Kunst eingebracht hat. Um dies zu bekräftigen, lässt sie den Materialien, die sie benutzt, viel Sorgfalt angedeihen. So können Äste fein geschliffen oder sogar mit Alufolie so umwickelt sein, dass sie in ganz neuem Glanz erscheinen.

Wie eine Gartenlandschaft

Mädchenhaft pastellig wirken die Farbtöne, mit denen sie die Objekte fasst, in denen sich eine schier unübersehbare Vielfalt an Materialien ein Stelldichein gibt. Kunstharzlacke, Polyurethan, Äste, Draht, Klebeband, Stoff, Modelliermasse, Leder, ja sogar Brot sind Teile ihrer Objekte, die in der Galerie Bleisch im grössten Ausstellungsraum wie eine Gartenlandschaft arrangiert sind. Tatsächlich erinnern nicht nur die Farben, sondern auch die Formen der Objekte an Florales, das bei Co Gründler nicht aus Blumentöpfen oder Beeten, sondern aus konischen Betonsockeln spriesst, die allerdings wie Blumentöpfe auf «Beeten» stehen, deren Oberfläche aus Spiegelflächen bestehen und somit den Objekten zu weiterer «Ausstrahlung» verhelfen.

Dass diese Arrangements in der Galerie auf eine organisch geformte Lichtinstallation an der Stirnwand zulaufen, zeigt, wie durchdacht die Präsentation in den Galerieräumen angelegt ist.

Masken knüpfen an Mythen an

In dem tieferen Geschoss finden sich sodann vor allem Co Gründlers fotografische Arbeiten wieder, die mit ihren Darstellungen von Maskenträgern an archaische Mythen anknüpfen. Dass Gründler die Masken, die ihre Protagonisten tragen, selbst geschaffen hat, ist bei ihr vorauszusetzen. Mythisch kann dabei selbst die Präsentation dieser Fotografien ausfallen, etwa wenn sie in «Thunder» den gerahmten Lambdaprint nach unten hin noch mit einer feinen Reihe von Lederfransen über den gewöhnlichen Bildraum hinaus ins «Hier und Heute» fortsetzt.

Co Gründler, das könnte also eine zeitgenössische Schamanin sein, die sehr genau weiss, wohin sie will. Oder wohin Kunstliebhaber sich gern entführen lassen möchten.

Galerie Adrian Bleisch, Schlossgasse 4, Arbon Mi–Fr 14–18, Sa 11–16 Uhr; bis 21.2. So, 1.2., 11 Uhr: Rundgang mit Co Gründler www.galeriebleisch.ch