Macbeth, ins Extrem zielend

Oper entwickelt immer dann ihre ganze Kraft, wenn Musik und Szene zusammengehen. Wie jetzt im Opernhaus Zürich bei Giuseppe Verdis «Macbeth» von Regisseur Barrie Kosky und Dirigent Teodor Currentzis (siehe nebenstehendes Interview).

Tobias Gerosa
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Oper entwickelt immer dann ihre ganze Kraft, wenn Musik und Szene zusammengehen. Wie jetzt im Opernhaus Zürich bei Giuseppe Verdis «Macbeth» von Regisseur Barrie Kosky und Dirigent Teodor Currentzis (siehe nebenstehendes Interview).

Die Bühne bleibt schwarz

Die Bühne ist und bleibt schwarz, fast nur Macbeth und seine Lady treten in die schmalen Lichtinseln (Klaus Grünberg verantwortet Bühne und Licht). Vielleicht spielt sich die Handlung nur noch in ihren Köpfen ab, dass die Geistererscheinungen aus Macbeths stumm artikulierendem Mund kommen, deutet darauf. Oder sie durchleben nochmals ihre Monstrositäten – so könnte man die grandiose Schlussszene verstehen, wo der schneidende Jubelchor wieder aus dem Dunkel kommt und Macbeth für sich mit den leitmotivischen Raben spricht.

Regisseur Kosky reduziert das Königsdrama auf ein archaisches Beziehungsdrama. Wie nackt stehen der ungemein differenziert singende, für den Ausdruck weder Hässlichkeit und Risiko scheuende Markus Brück als Macbeth und die konventionellere, aber überlegen gestaltende Tatjana Serjan als Lady Macbeth auf der Bühne, zwischen real nackten Hexen (mit Penissen) und Geistern, während die andern Rollen inklusive des wie befreit singenden Chors meist nur als Schemen erkennbar sind.

Starke Bilder

Wenn sie doch auftreten oder die beiden Protagonisten röcheln und sich herumwerfen, wirkt die Inszenierung nicht streng genug durchgeführt. Aber sie schafft starke Bilder und agiert exemplarisch verzahnt mit Teodor Currentzis so feinfühligem wie in die Extreme zielendem Dirigat. Es ist ein zu Recht umjubelter Abend.

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