Netflix-Serie
Ma Rainey: Ein eindrückliches Denkmal für die Mutter des Blues

In «Ma Rainey’s Black Bottom» wird die trotzige, eigenwillige und stolze Sängerin auf Netflix eindrücklich gewürdigt.

Stefan Künzli
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Die Bluessängerin Ma Rainey wird im Film eindrücklich von Viola Davis (links) gespielt.

Die Bluessängerin Ma Rainey wird im Film eindrücklich von Viola Davis (links) gespielt.

Keystone

Der Mund voller Goldzähne, zerzaustes Haar, um den Hals Diamanten und an den Fingern protzige Ringe. Das war Ma Rainey, die «Mutter des Blues» (1886-1939). «Sie sah eigentlich scheusslich aus, aber wenn sie den Mund aufmachte und sang, hat sie dich gepackt», sagte Blues-Pianist Champion Jack Dupree über die imposante Sängerin, die er selbst noch erlebte.

Ma Rainey mag keine Schönheit gewesen sein, aber sie war die Beste, ein Star, eine Persönlichkeit, die sich nichts gefallen liess. Trotzig, stolz, manchmal derb und eigenwillig.

Die Bluessängerin Ma Rainey.

Die Bluessängerin Ma Rainey.

Getty

81 Jahre nach ihrem Tod ist ihr mit «Ma Rainey’s Black Bottom» ein würdiges filmisches Denkmal mit einem imposanten Staraufgebot gesetzt worden. Rainey wird eindrücklich von Oscar-Preisträgerin Viola Davis gespielt, und vier Monate nach seinem Krebstod ist «Black Panther»-Star Chadwick Boseman in seiner letzten Rolle zu sehen.

Denzel Washington ist Produzent, die Musik stammt von Branford Marsalis. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Theater von August Wilson, das 1985 als bestes US-Bühnenstück ausgezeichnet wurde.

Im Blues der 1920er-Jahre spielten Sängerinnen eine zentrale Rolle. Bessie Smith ist heute bekannter als Ma, doch war sie nicht Konkurrentin, wie im Film angedeutet. Ma Rainey hatte die acht Jahre jüngere Bessie entdeckt, gefördert und in die Geheimnisse des Blues eingeweiht. Die beiden waren Freundinnen.

Vorkämpferin für bisexuelle Frauen

Rainey galt wie Bessie Smith als bisexuell und deutete ihre Liebe zu Frauen auch in Songs an. Als sie nach einem Flirt mit weiblichen Tänzerinnen verhaftet wurde, bürgte Smith für sie und bewirkte ihre Haftentlassung.

«Ma Rainey’s Black Bottom» ist mehr als ein filmisches Porträt einer grossen Sängerin. Es zeigt, wie die leidvolle Geschichte der Afroamerikaner im Blues erzählt wird. Der Film steht aber auch symbolhaft für die Ungerechtigkeit, die die Schwarzen damals erlebt haben und die bis heute aktuell ist.

Hinweis

«Ma Rainey’s Black Bottom» (USA, 2020) von George C. Wolfe. 94 Minuten auf Netflix.