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LYRIK: Die Heimat als Obsession

Der albanischsprachige Wittenbacher Isuf Shjerifi legt seinen ersten deutschen Gedichtband vor – und ­erweist sich als Wundermeister der Verknappung.
Dieter Langhart

Sie ist ihm so sehr Symbol der Heimat, dass er seinen Gedichtband nach der Filzkappe benannt hat, der qeleshe. Sie ist die althergebrachte Kopfbedeckung der albanischen Männer. Auch jener in Mazedonien, wo Isuf Sherifi aufgewachsen ist, wo er für die Rechte der albanischen Minderheit kämpfte, ins Gefängnis musste: In allen Jahreszeiten trage ich / Eine weisse Filzkappe meines immergrünen Wunsches. Sie ist weiss wie meine Sehnsucht nach meiner Heimat.

Doch Isuf Sherifi ist alles ­andere als ein Dichter der Ver­klärung, ihn treibt das Verhältnis zwischen der Heimat und dem Leben in der Fremde um. In den «10 Variationen über Heimat» heisst es: Heimat ist das Stück Fels, / auf das ich jeden Tag auf dem Weg meiner asymmetrischen Laufbahn stosse. Oder: Heimat ist eine Ob­session, / die niemals vollkommen zum Tragen kommt.

Dichterfreund Fred Kurer nennt Sherifis Botschaften «simpel bittere Tatsachen, schmerzhaft auf den Punkt gebracht», in denen Wut und Empörung der Skepsis und der Melancholie gewichen seien. Isuf Sherifi schreibt Von Trauer / Um die verbrannten grünen Augen / Meines Landes. Und im «Rückkehrtraum» kehrt der trostlose Auswanderer zurück zu ihr, aber Nur / In Träumen.

Da ist nie ein Wort zu viel. In knappe Verse, in oft nur ein, zwei Wörter bannt Sherifi seine Gedanken: ich komme aus Nirgendwo / und gehe nach Nirgendwo / Nirgendwo ist anderswo, ist überall.

Ist das Paradies ein ­erloschenes Gestirn?

Die Natur macht sich rar, ist nie idyllisch: Der Bodensee / Stört das Bild der Grenzen / Zwischen Staaten. Zwischen Erde und Himmel sind grelle Schreie, ist keine Sonne.

Gefühle bewahren vor der Resignation. Seiner Frau widmet Isuf Sherifi ein Gedicht, das so anhebt: In den regnerischen Herbst / Meiner eingekerkerten Einsamkeit / Tratst du wie ein Stern. Sie ist dem Dichter Heimkehr, bei ihr sieht er sein Gegenbild.

Bisweilen spricht das lyrische Ich zu einem Du. Das kann die Wahrheit sein (Das einmalig Einzige / Das man jeden Tag erschiesst) oder das Paradies, das vielleicht nur ein erloschenes Gestirn ist. Doch die Welt ist nie fern: Aleppo oder Srebrenica, die Freiheit als erhoffte Vollkommenheit, die ­brüchigen Tage und Nächte, die Helden und die Schwätzer.

Da sind wundersame Bilder: Die Farben des Lebens sind Das Licht des Dunkels / Und die Dunkelheit des Lichts. Nur wenige Metaphern wirken erzwungen, wie Die Hoffnung reitet weg / Auf dem Pferd der Enttäuschung.

Dieter Langhart

dieter.langhart@tagblatt.ch

Buchvernissage: Di, 21.11., 19.30 Uhr, Buchhandlung Comedia, Katharinengasse 20, St. Gallen

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