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Luzian Hirzel spielt noch einmal Erwachsenwerden

Zwei Vierzehnjährige geben Gas. Setzen sich in einen alten Lada, der ihnen nicht gehört, und fahren los – von Berlin Richtung Walachei, oder von Bregenz Richtung Transsilvanien.
Bettina Kugler
Luzian Hirzel ist noch nicht fertig mit den Teenager-Rollen – aber mit dreissig auch neugierig auf andere Facetten. (Bild: Ralph Ribi)

Luzian Hirzel ist noch nicht fertig mit den Teenager-Rollen – aber mit dreissig auch neugierig auf andere Facetten. (Bild: Ralph Ribi)

Zwei Vierzehnjährige geben Gas. Setzen sich in einen alten Lada, der ihnen nicht gehört, und fahren los – von Berlin Richtung Walachei, oder von Bregenz Richtung Transsilvanien. So ist es in Wolfgang Herrndorfs Coming-of-Age-Roman «Tschick», und so spielen es Luzian Hirzel und sein neuer Ensemblekollege David Kopp derzeit auf der Kleinen Bühne des Vorarlberger Landestheaters. Sie brauchen nicht einmal ein Auto und einen weiten Horizont. Sie sitzen einfach auf einem braunen Sofa und lassen ab und zu einen grünen Matchbox-Lada über die Carrera-Bahn flitzen. Irgendwann landet der kleine Lada im Strassengraben und bleibt verkehrt herum liegen.

So ähnlich fühlte es sich für Luzian Hirzel an, als er in der vergangenen Spielzeit per Mail zu einem weichenstellenden Gespräch aufgeboten wurde. Da war er noch im Ensemble von Tim Kramer am Theater St. Gallen, der nette Bub und Bühnenjugendliche vom Dienst, und hoffte, sich mit seiner Hauptrolle als Andri in «Andorra» auch für die nächste Saison zu empfehlen. Doch Schauspieler wissen, was Thema eines solchen Direktionsgesprächs ist: die Nichtverlängerung. Sie müssen damit rechnen, jederzeit, und trotzdem ist es ein Schock. Ein neuer Schauspieldirektor bringt oft Schauspieler mit – und übernimmt kein komplettes Ensemble von seinem Vorgänger. Theater lebt auch von neuen Gesichtern. Aber Luzian Hirzel hätte den Wechsel am Haus gern selbst erlebt.

Jetzt lebt er sich gerade in seiner neuen Wohnung ein, in der Bregenzer Innenstadt, «zu nah am Theater, um pünktlich auf der Probe zu sein». Er lacht. Ein paar Tage lang hatte er eine Waschmaschine zu viel, dafür kein Internet: Szenen des echten Lebens. An etlichen Theatern hat er im letzten halben Jahr vorgesprochen, überall war schon einer wie er im Ensemble – frustrierend. Dann ging es plötzlich schnell mit Bregenz. «Ich wollte mich schon arbeitslos melden», sagt er. Lediglich vier Mitglieder zählt das Ensemble am Vorarlberger Landestheater, lauter junge Schauspieler. Alle übrigen sind Gäste, die nur für einzelne Produktionen in Bregenz sind. «Gespielt wird dann praktisch ensuite», sagt Hirzel; auch das ist neu für ihn. In den nächsten Monaten wird er mehr als fünfzigmal mit David Kopp auf dem Sofa sitzen, wird Salzstangen und Cola zur Vorstellung mitbringen und den Lada in den Graben fahren. Meistens vor Vorarlberger Schulklassen.

Doch er spielt Maik gern, diesen scheuen Aussenseiter, der seine treffenden Sprüche lieber für sich behält. Man sieht, dass er sich gut in ihn hineindenken kann, auch wenn er unterdessen mehr als doppelt so alt ist. Just dieses Jahr ist Hirzel dreissig geworden. Einschneidend aber sei eher die Jobsuche gewesen; der Abschied auf Raten tat weh. «Du denkst dann nach dem Muster: Das ist das letzte Konzeptgespräch, die letzte Produktion, die letzte Premiere… Irgendwann kommst du zum letzten Mal in die Maske – und das war's dann.» Ein typisches Erwachsenen-Denkmuster. Die ganz jungen Rollen wird er noch drei, vier Jahre spielen können; demnächst beginnen die Proben zu «Pippi Langstrumpf». Das Ostschweizer Publikum kennt Hirzel als kleinen Lord, als Birk aus «Ronja Räubertochter», als Frischs Andri. Zuletzt spielte er in der Vadiana den Dichter Robert Walser, in «Ich und er» mit dem Chor inscriptum.

Das Engagement in St. Gallen war sein erstes festes; es stand unter einem guten Stern. Er traf auf ein sehr kollegiales Ensemble. «Es fing gleich super an, als Hans im Glück mit Christian Hettkamp», sagt er. Ehrensache, dass Hettkamp zur Premiere von «Tschick» nach Bregenz kam. Er hat mit Luzian Hirzel auch Kafkas «Bericht für eine Akademie» inszeniert; einfach, weil beide Spass daran hatten. Da war Hirzel für einmal nicht Kind oder Teenie, sondern ein Affe – klein genug für einen Überseekoffer. Jetzt ist er weitergereist. Und ganz in der Nähe angekommen.

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