Lustvolle Hollywood-Hommage

Mit den Coen-Brüdern wurde die 66. Berlinale eröffnet: «Hail, Caesar!» bietet eine liebevoll-ironische, an hinreissenden Szenen reiche Liebeserklärung ans Hollywood der 1950er-Jahre – lässt es aber an erzählerischer Stringenz missen.

Walter Gasperi
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«Hail, Caesar!» von Joel und Ethan Coen bietet eine ironische und detailreiche Liebeserklärung ans Hollywoodkino der 1950er-Jahre. (Bild: Universal Pictures)

«Hail, Caesar!» von Joel und Ethan Coen bietet eine ironische und detailreiche Liebeserklärung ans Hollywoodkino der 1950er-Jahre. (Bild: Universal Pictures)

Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen musste der Besucher bei der Berlinale erwarten, wurde man doch per Mail darauf aufmerksam gemacht, dass das Publikum mit grossen Taschen und Rucksäcken keinen Einlass in die Spielstätten finden wird. Bei der Pressevorführung von «Hail, Caesar!» war davon nichts zu spüren: Drei Monate nach den Anschlägen von Paris scheint für diese Grossveranstaltung zu gelten: Business as usual.

Starensemble in Langzeitprojekt

Dafür garantiert die Eröffnung mit «Hail, Caesar!» ein Starlaufen, ist doch die neue Komödie der Coen-Brüder mit solchen gespickt. Nicht nur die Regisseure, die schon 2011 mit «True Grit» das Festival eröffneten, sondern ebenso der Berlinale-Stammgast George Clooney, Josh Brolin, Tilda Swinton und Channing Tatum kamen an die Spree.

Ganz die Erwartungen konnte dieses Projekt, das die Coens seit über zehn Jahr beschäftigt, nicht erfüllen. Bereits 2004 wollten sie von Schauspielern erzählen, die in den 1920er-Jahren ein Theaterstück über das Römische Reich aufführen. Verlegt wurde nun die Handlung in die 1950er-Jahre und statt ums Theater geht es ums Hollywoodkino.

Parade schräger Typen

Ganz bei sich sind Joel und Ethan Coen damit, haben sie sich doch von ihrem Neo-Noir-Début «Blood Simple» bis zum Western-Remake «True Grit» am klassischen US-Kino abgearbeitet. Mit «Hail, Caesar!» schliessen sie nun nach «Oh Brother, Where Art Thou?» und der Screwball-Komödie «Intolerable Cruelty» ihre sogenannte «Numbskull» («Volltrottel»)-Trilogie ab.

Schräge Typen lassen sie folglich hier zuhauf auftreten. Die Palette reicht von George Clooney als etwas zurückgebliebenem Darsteller eines römischen Offiziers im titelgebenden Monumentalfilm über Alden Ehrenreich als Cowboydarsteller und Channing Tatum als steppenden und singenden Matrosen bis zu Scarlett Johansson; sie darf wie einst Esther Williams im Wasserballett brillieren, benimmt sich im Alltag aber wenig damenhaft.

Potpourri der Genres

Im Mittelpunkt steht aber Eddie Mannix (Josh Brolin), der dafür sorgen muss, dass die diversen Produktionen von Capitol Pictures reibungslos laufen und die Stars nicht in Skandale verwickelt werden. Verschärft wird seine Aufgabe, als Clooney entführt wird und damit auch noch eine kommunistische Verschwörung ins Spiel kommt.

Lustvoll agiert das Starensemble, mit liebevoller Ironie erwecken die Coens, Kameramann Roger Deakins und Production Designer Jess Gonchor das Hollywood der 1950er-Jahre zum Leben. In ausführlichen Film-im-Film-Szenen erweisen sie ihre Referenz nicht nur Monumentalfilm, Western und Gene-Kelly-Musicals, sondern auch den Dramen à la George Cukor; an ihn scheint der von Ralph Fiennes gespielte Regisseur angelehnt. Die Haupthandlung lässt es zudem nicht an Anspielungen auf den Film noir und den Kalten Krieg fehlen.

Der richtige Lebensweg?

So hinreissend jede dieser Szenen für sich ist, so stören sie doch den dramaturgischen Aufbau von «Hail, Caesar!». Denn sie dienen einzig der Hommage, aber nicht der Handlung, auch wenn eine Verbindung zwischen antiker Sklavenhalter-Gesellschaft und dem Hollywood-System hergestellt wird. Auch ein Kruzifix und eine Beichtszene am Beginn und am Ende können da der Suche von Mannix nach Sinn und richtigem Lebensweg nicht entscheidend Nachdruck verleihen. Zwar mag «Hail, Caesar!» nicht zu den besten Coen-Filmen zählen, ein grosser Spass ist er dank seiner liebevoll detailreichen Inszenierung, zu der auch ein Einblick in die Gefahren alter Filmschneidemaschinen gehört, dennoch.

«Hail Caeser!» läuft bereits ab 18.2. in den Schweizer Kinos.