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Interview

«Jede Stimme ist einzigartig»

Beim Konzertchor Luzern hat der junge Deutsche Philipp Klahm die Leitung übernommen. In den Proben lässt er die Sänger des traditionellen Grosschors auch gerne mal Theater spielen.
Interview: Roman Kühne
Bringt jugendliche Vitalität mit: Philipp Klahm leitet neu den Konzertchor Luzern. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 2. Oktober 2018)

Bringt jugendliche Vitalität mit: Philipp Klahm leitet neu den Konzertchor Luzern. Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 2. Oktober 2018)

Philipp Klahm, 45 Jahre hat Peter Sigrist den Konzertchor Luzern geleitet. Es ist wohl eine schwierige Aufgabe, in diese Fussstapfen zu treten?

Dies spürt man sicherlich. Der Chor wurde von ihm natürlich stark geprägt. Viele sind mit Peter Sigrist alt geworden. Man erlebt eine starke Singtradition. Aber die Sänger sind auch sehr offen für Neues, haben eine grosse Lust auf Entdeckungen. Bis sich allerdings die alten Strukturen auflösen lassen, bis der Chor jetzt wieder frisch geformt ist, braucht es Zeit. Dies lässt sich nicht im ersten Jahr erreichen.

Sie sind erst 33 Jahre alt, die Ausbildung ist noch nicht lange abgeschlossen. Ideale Voraussetzungen für pädagogische Frische?

Ich bringe sicher eine jugendliche Vitalität mit. Zum Beispiel arbeite ich gerne mit Mitteln aus dem Theater. In der letzten Probe wollte ich eine andere Klangfarbe. Die Sänger können sehr viele Dinge technisch gut umsetzen, aber um neue Farben zu kreieren, braucht es auch die Vorstellung dazu. So haben wir den Abend ohne Stühle begonnen. Die Sänger mussten in zwei Gruppen mimisch verschiedene Adjektive darstellen und die anderen herausfinden, um welche es sich handelt. So versuche ich einen anderen, direkteren Zugang zur Musik zu schaffen.

Ein Element aus Ihrer Arbeit mit Kinderchören, unter anderem der Basler Knabenkantorei?

Die Arbeit mit Bildern funktioniert genauso bei Profis. Aber sicher bringe ich viele Elemente aus der Kinder- und Jugendstimmbildung mit. Wenn ich Kindern nur sage, dieser Ton ist zu tief, dann ist er das nächste Mal wieder zu tief. Sobald ich aber mit den Kindern Bewegungen dazu mache, etwa eine Strickbewegung, dann konzentrieren sie sich weniger aufs Singen, und der Ton ist da, wo er sein sollte. Auch klingt alles sofort viel lockerer.

Und der Chor macht mit?

Sogar sehr begeistert, zum Beispiel beim Indianergeheul zur Aktivierung der Kopfstimme. Da kommt das Kind durch, und die Sänger sehen, dass es Freude macht. Es ist etwas vom Wichtigsten, dass man beim gemeinsamen Singen Freude hat.

Der Konzertchor Luzern hat über 120 Mitglieder. Wirkt ein grosser Chor heute nicht etwas antiquiert?

Da spielt die richtige Programmwahl natürlich eine wichtige Rolle. Mit dieser Grösse kann man Bach nicht singen. Aber sonst spricht nichts gegen ein wuchtiges Klangbild im Sinne der Romantik. Puccini, Verdi, aber auch Mendelssohn und Berlioz verlangen mit ihrer Musik und ihren riesigen Uraufführungen geradezu nach grossen Chören.

Aber zum Arbeiten ist es schwierig?

Die Grösse erfordert natürlich einen Kompromiss. Auf der einen Seite ist eine Einzelförderung hier kaum möglich. Auf der anderen Seite bin ich aber auf die einzelnen Stimmen angewiesen, da nur aus ihnen der Gesamtklang entsteht. Dies macht die Probenarbeit anspruchsvoll. Da brauche ich öfters mal einen langen Atem.

Welches sind positive Aspekte bei dieser Grösse?

Ein grosser Chor fängt viel schneller an zu klingen. Die Heterogenität bringt auch eine gewisse musikalische Lebendigkeit mit sich. Und leise Stellen erhalten mit 120 Menschen natürlich eine ganz andere Qualität als mit fünfzehn. Aber bis jeder Einzelne genügend sicher singt, dauert es schon länger.

Sie haben es selbst angetönt. Viele sind mit Peter Sigrist älter geworden. Viele Chöre haben heute ein Nachwuchsproblem.

Für das aktuelle Projekt konnten wir 20 neue Sängerinnen und Sänger begrüssen. Ein erstes positives Zeichen für den Neuaufbruch. Aber natürlich ist es eine Schwierigkeit, dass die heutigen Jungen stark eingebunden sind in die Arbeit und die Familie. «Wo investiere ich meine Zeit?», ist in meiner Generation eine durchaus berechtigte Frage. Wir sind darauf getrimmt, dass alles möglichst optimiert abläuft. Da muss man Qualität, ein Erlebnis bieten. Der Sänger muss dabei sein wollen. Dies kann über die stimmliche Qualität passieren, wie bei meinem Männerchor CalvVoci, wo alle zwischen 25 und 35 sind. Oder durch gute Projekte.

Hat diese Fokussierung auf Projekte nicht auch die Gefahr einer Nivellierung nach unten?

Ich mache keine Konzerte, die anbiedern. Da setze ich klar auf die Werte der klassischen Musik. Das Singen eines sauber intonierten F-Dur-Akkordes kann eine tolle Erfahrung sein. Bei der Nachwuchsförderung haben wir in unserem Chor auch eine starke familiäre Komponente, dass etwa die Mutter die Tochter mitbringt.

Sie sind also zuversichtlich für die Zukunft?

Wer in einem Chor singt, macht etwas Schönes und Wertvolles. Das Singen in der Gruppe hat viel mit Öffnung, mit Miteinander zu tun. Als Sänger muss ich mich so weit öffnen, dass ich einen Teil von mir selber preisgebe. Aber gleichzeitig bin ich wieder Teil einer Gemeinschaft. Dies ist für mich eine ganz zentrale Frage. Jede Stimme ist einzigartig. Wie bringe ich jetzt all diese Menschen dazu, dass sie klingen, ihre Hemmschwellen überwinden. Wenn sich dann aus all diesen einzelnen Tönen etwas Homogenes, ein Ganzes formt, dann ist dies unglaublich toll.

Der Konzertchor Luzern singt Giacomo Puccini («Messa di Gloria») und Giuseppe Verdi («Stabat Mater»). Sonntag, 21. Oktober, 11 Uhr, Konzertsaal, KKL Luzern.

www.kkl-luzern.ch

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