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Lucerne Festival stellt die Veranstaltungen an Ostern und am Piano ein

Ein grosser Verlust für die Schweizer Klassik-Festivalszene und für Luzern: Lucerne Festival gab heute bekannt, dass es sich stärker auf das international erfolgreiche Sommer-Festival fokussieren will. Als Ersatz für das eingestellte Oster- und Piano-Festival gibt es zwei zusätzliche Festival-Wochenende im Frühling und Herbst.
Urs Mattenberger
Der Stiftungsratspräsident des Lucerne Festivals, Hubert Achermann, während der Pressekonferenz. (Bild: Roger Grütter, 7. Mai 2019)

Der Stiftungsratspräsident des Lucerne Festivals, Hubert Achermann, während der Pressekonferenz. (Bild: Roger Grütter, 7. Mai 2019)

Wenn Lucerne Festival als international renommiertes und grösstes Schweizer Klassikfestival eine neue strategische Ausrichtung ankündigt, gehen nicht unbedingt die Alarmglocken an. Man konnte spekulieren, ob damit eine zeitliche und örtliche Ausdehnung der Festival-Aktivitäten gemeint war. Nahe legten das die künftig von Lucerne Festival programmierten Konzerte in der neuen Konzerthalle in Andermatt. Diese wird immerhin im Juni von den Berliner Philharmonikern eröffnet.

Gemessen an solchen Erwartungen wirkten die heute Mittag vorgestellten Pläne wie eine Bombe – weniger aus nationaler, aber aus regionaler Perspektive. Denn Lucerne Festival wird sich künftig stärker auf das Sommerfestival fokussieren, dem es seinen internationalen Ruf verdankt. Im Gegenzug werden die beiden Nebenfestivals, jenes an Ostern und das Piano im November, die vor allem von einem regionalen Publikum besucht werden, eingestellt.

Konzentration auf exklusive Stärken

Zwei Festivals weniger im KKL, die je eine Woche dauerten und je knapp 10000 Besucher verzeichneten: Das bedeutet fraglos einen markanten Abbau. Dennoch ist die Neuorientierung nicht nur eine Sparübung. Denn an deren Stelle veranstaltet das Festival ab 2020 zwei Wochenenden im Frühjahr und Herbst. Sie sind als Plattform gedacht für Konzerte und Aktivitäten, mit denen Lucerne Festival im Sommer rund 15 Prozent Publikum aus dem Ausland anlockt.

Grundlage für die markante Änderung ist eine periodisch vorgenommene Strategieprüfung. Die entscheidenden Erfolgsfaktoren des Festivals sind demnach die Parade der Spitzenorchester aus aller Welt, das eigene Lucerne Festival Orchestra als eines der weltbesten Orchester, die Lucerne Festival Academy als innovative Talentschmiede im Bereich der zeitgenössischen Musik sowie die Lucerne Festival Aumni - ein weltweit einzigartiges Netzwerk ehemaliger Academy-Teilnehmer. Hinzu kommen innovative Konzertformate, die auch die Verbundenheit des Festivals mit seiner Heimatstadt und –Region Luzern vertiefen.

All diese Aktivitäten verhelfen dem Festival zu seiner nationalen und internationalen Ausstrahlung und einer unverwechselbaren Identität. Weil sie diesbezüglich «strategisch von geringerer Bedeutung» sind, werden das 1988 erstmals durchgeführte Osterfestival und das 1998 lancierte Pianofestival eingestellt. Das soll ermöglichen, das Sommer-Festival weiter zu stärken. «Wir mussten uns entscheiden, worauf wir uns in Zukunft fokussieren wollen, auch vor dem Hintergrund, dass wir zu 95 Prozent eigenfinanziert sind», erklärt Intendant Michael Haefliger.

Intendant von Lucerne Festival: Michael Haefliger. (Bild: Jakob Ineichen, Luzern, 17.08.2018).

Intendant von Lucerne Festival: Michael Haefliger. (Bild: Jakob Ineichen, Luzern, 17.08.2018).

Weiter sagt Häfliger:

«Wochenenden mit den Eigenproduktionen sind für unsere Weiterentwicklung wichtiger als das Oster- und das Piano-Festival.»

Zustimmung der Hauptsponsoren

Gemäss Stiftungspräsident Hubert Achermann haben die Hauptsponsoren «zustimmend auf die geplanten Neuerungen reagiert». Sie unterstützten diese und würden insbesondere in der Weiterentwicklung der Auslandprojekte ein grosses Potenzial sehen. Auch zwei Studien, welche das Marktforschungsinstitut GfK in den Jahren 2016 und 2017 durchgeführt habe, hätten eine klare Vorliebe für das Sommer Festival ergeben. Dasselbe gelte für die ebenfalls 2017 von der Hochschule St. Gallen durchgeführte jüngste Wirtschaftlichkeitsstudie über Lucerne Festival. «Auch diese Untersuchung», so Achermann, «hat klar gezeigt, dass das Sommer Festival für uns und für den Wirtschaftsstandort Luzern die höchste Wertschöpfung erzielt».

Der Entscheid hat damit einen wirtschaftlichen Hintergrund. Denn bekanntermassen sind Kirchenkonzerte an Ostern für Sponsoren weniger attraktiv als Sinfoniekonzerte im KKL. Aber er hat auch einen künstlerischen Aspekt. Denn Lucerne Festival hat es verpasst, den Festivals an Ostern wie jenem am Piano ein Profil zu geben, das über die Aneinanderreihung hochkarätiger Konzerte hinausging. Ansätze, Sommer-Innovationen in die Nebenfestivals zu integrieren, verliefen immer wieder im Sand. Vom Konzept mit zwei neuen Wochenend-Schwerpunkten kann man insofern tatsächlich mehr Sommer im Frühling und Herbst erwarten.

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