Luca Hänni singt auf seinem neuen Album meist auf Deutsch – Wird er jetzt zum Schlagersänger?

Luca Hänni singt auf seinem neuen Album meist auf Deutsch – Wird er jetzt zum Schlagersänger?

Bild: Thomas Buchwalder

Luca Hänni ist ein Slalom-Tänzer. Bisher sang er nur auf Englisch, jetzt wechselt er auf Deutsch. Der Berner sagt, er habe eine neue «Challenge» gebraucht.

Michael Graber
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Das Sofa sei unglaublich bequem, sagt Luca Hänni in der Allegro-Bar im Kursaal in Bern. Er möchte sich am liebsten hinlegen und etwas dösen. Der Tag sei streng, seit fünf Uhr sei er unterwegs. Aber sonst, ergänzt er sofort, sei Bequemlichkeit gar nicht sein Ding. Sagt es und beisst in das Güetzi, das zusammen mit dem Espresso gereicht wurde.

Das ist ein Muster, das sich in der nächsten halben Stunde, während des Gesprächs, mehrfach wiederholt. Hänni sagt etwas, und zwanzig Sekunden später relativiert er es. Egal, wie harmlos oder konkret die Aussage war. Hänni will geschmeidig bleiben. Unangreifbar. Es ist der Slalom eines Mannes, der niemandem auf die Füsse treten will. Und weil er eben nicht bequem sei, singt er jetzt auf Deutsch. «Ich brauche immer Challenges», sagt Hänni, der am Donnerstag seinen 26. Geburtstag feierte.

Natürlich seien die englischen Songs nicht weg. Einfach ein bisschen im Hintergrund. Brauchte es Mut, Deutsch zu singen? Hänni überlegt. «Vielleicht.» Logisch wäre ja, sagt er, «einfach noch zehn Songs wie ‹She Got Me› zu machen. Das funktioniert. Das weiss ich ja». Allerdings, schiebt er sofort nach, sei das gar nicht so einfach. «Es braucht mehr als eine plumpe Hitformel, um einen Hit zu schreiben», sagt Hänni und sinkt tiefer ins Sofa.

Mal Tiefgangtauchen, mal Tanz an der Oberfläche

Die «Challenge» beim Songschreiben auf Deutsch sei das Umschiffen der Seichtheitsfalle. Luca Hänni erklärt:

«Was auf Englisch ganz gut geht, klingt auf Deutsch schnell allzu seicht.»

Es brauche mehr Geschichte, mehr Tiefgang, mehr Text, erklärt der Berner seine Herangehensweise. «Aber», fügt er gleich an, «Musik muss nicht schwierig sein.» Manchmal hätten die Leute Lust, Musik zu hören, ohne nachdenken zu müssen. Er habe deshalb versucht, beides auf das Album zu packen. Mal Tiefgangtauchen, mal Tanz an der Oberfläche.

Angst, mit der deutschen Platte in die Schlagerschublade gesteckt zu werden? Luca Hänni denkt nach und fingert die Hemdsärmel aus dem Pullover. «Nein.» Aus zwei Gründen, sagt er, «für mich sind die meisten Songs auf der Platte keine Schlager, und der Schlager ist ja auch immer weiter an den Pop gerückt». Die Genregrenzen sind längst durchlässig wie Zollstellen im Schengenraum. Er habe keine Berührungsängste mit dem Schlager, sehe sich aber klar im Pop daheim. Bei Schlager denke er an die Amigos, das sei etwas ganz anderes, als er mache. Aber er sagt mit einem Lächeln:

«Wenn ich nur halb so viele Platten wie sie verkaufen würde, wäre ich natürlich schon sehr happy.»
Luca HänniSchweizer Sänger und Songwriter

Luca Hänni
Schweizer Sänger und Songwriter

Bild: Keystone

Hänni lacht viel und ist ein beeindruckend positiver Mensch. Allem kann er irgendwie eine gute Seite abgewinnen, selbst der Coronazeit. Die sei für ihn nicht so schlimm gewesen, sagt er. Während die Schweiz in der Schockstarre des Lockdowns war, tanzte Hänni am deutschen Fernsehen. Bei «Let’s Dance» schwofte er sich in die Herzen der Fernsehzuschauer und fand ganz nebenbei eine neue Partnerin. Auf jedem Schritt eng begleitet vom Boulevard. «Andere Künstler hat Corona sicher viel härter getroffen», sagt Hänni, «ich hatte Glück.»

Bald wieder im Fernsehen

Gebremst hat ihn Corona aber auch, denn die Teilnahme am Eurovision Song Contest 2019 und bei «Let’s Dance» waren perfekte Rampen, um durchzustarten.

Nicht einmal gehörig geflucht, dass die Seuche dazwischenkam? «Vielleicht ganz kurz», sagt Hänni. Aber es hätte viel dümmer kommen können, ergänzt er und blickt zu seinem Manager. «Es gab einmal den Plan, dass ich 2019 bei der Tanzshow mitmache und dafür erst im Jahr 2020 am Eurovision Song Contest teilnehme. Dann hätten wir komplett verloren», sagt er. Dieses Jahr fiel der ESC wegen der Pandemie aus.

Das Album «110 Karat» (siehe Box unten) musste ein paar Monate geschoben werden, obwohl es schon länger fixfertig war. Man wollte die Virusentwicklung beobachten. Grosse Konzerte sind weiterhin in weiter Ferne. «Aber das kommt schon. Ich glaube zudem, dass die Menschen auch ohne Konzerte Lust auf Unterhaltung haben», sagt Luca Hänni. Aber natürlich, die Bühne fehle ihm.

Zum Mitklatschen

Das neue Album «110 Karat»


Luca Hänni singt nun Deutsch und es klingt . . . nach Schlager. Nach popverliebtem Schlager wie bei Helene Fischer, aber schon Schlager. Es ist eigentlich auch nicht schlimm. Es ist halt einfach Schlager. Das kann einem gefallen, muss es aber nicht. Hänni tappt elegant durch die seichten Gewässer, hat mal etwas Uptempo-Tracks dabei und plaudert in Kalenderblattweisheiten über das Leben. Es ist sehr mitsing- und mitklatschbar. Es tut niemandem weh. Für Hänni wäre das wohl ein Kompliment. (mg

Immerhin hat er im Herbst noch andere Pläne. Wiederum eine Fernsehshow. Mehr darf Luca Hänni derzeit noch nicht dazu sagen. «Daneben habe ich aber sicher Zeit, ein paar neue Lieder zu schreiben», sagt er.

Berndeutsch klingt bei ihm nicht cool und zu fest nach Heimat

Wäre nicht die nächste «Challenge» logisch, vom Hochdeutsch zum Berndeutsch? Hänni antwortet entschlossen: «Nein, das kann ich mir nicht vorstellen.» Er habe das einmal probiert. Es habe sich «merkwürdig» angefühlt. Nicht «cool», und es habe zu fest nach «Heimat» geklungen. «Das passt nicht zu mir», sagt Hänni. Keine Relativierung.

Hinweis:
Luca Hänni: 110 Karat (Musikvertrieb)

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