«Low Budget» siegt

Kathryn Bigelow hat für ihren Film «The Hurt Locker» als erste Frau den Regie-Oscar gewonnen. Der Film wurde in der Nacht auf Montag mit fünf weiteren Oscars – unter anderem als bester Film – ausgezeichnet. Der Österreicher Christoph Waltz erhält wie erwartet den Oscar als bester Nebendarsteller.

Rita Neubauer
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«Oscar und Penelope! Das ist ein Über-Bingo.» Ein überwältigter Christoph Waltz nahm den ersten Oscar des Abends entgegen – aus den Händen von Penelope Cruz. Der 53jährige Österreicher wurde für seine Rolle in «Inglourious Basterds» als bester Nebendarsteller ausgezeichnet und setzte sich gegen Matt Damon («Invictus»), Woody Harrelson («The Messenger»), Christopher Plummer («The Last Station») und Stanley Tucci («The Lovely Bones») durch. Es ist der erste Oscar für einen deutschsprachigen Schauspieler seit 1961.

Kopf-an-Kopf-Rennen

Lange gedulden musste sich Michael Haneke, dessen Drama «Das weisse Band» in der Kategorie Bester nichtenglischsprachiger Film nominiert war. Aber die österreichisch-deutsch-italienisch-französische Co-Produktion unterlag schliesslich dem argentinischen Film «El Secreto de Sus Ojos» – eine Überraschung in einer von wenigen Überraschungen gekennzeichneten Show.

Die Auszeichnung «Bester Dokumentarfilm» ging an den Öko-Thriller «Die Bucht» (siehe Tagblatt vom 6. März). Beim Film über Delphin-Treibjagden im japanischen Fischerort Taiji hat mit dem Journalisten Hans Peter Roth auch ein Schweizer mitgewirkt.

Zu Beginn der dreieinhalbstündigen Oscar-Nacht war es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen «Avatar» und «The Hurt Locker» – Filme, die ungleicher nicht sein könnten. James Camerons «Avatar» kostete 500 Millionen Dollar und spielte bislang 2,5 Milliarden Dollar ein.

Kathryn Bigelows «The Hurt Locker» kostete nur 15 Millionen Dollar und machte diese Summe bis heute mit gerade mal 17 Millionen Einnahmen wett.

Oscar und Himbeere für Bullock

Am Ende obsiegte der Kriegsfilm über den dreidimensionalen Fantasy-Film und Bigelow über ihren Ex-Ehemann Cameron. Die 5777 stimmberechtigten Mitglieder wählten «The Hurt Locker» (Tödliches Kommando) zum besten Film des Jahres.

Die 58jährige Regisseurin, die zuvor nie für einen Oscar nominiert war, gewann nicht nur in der Königskategorie Bester Film, sondern auch den Regie-Oscar – nach 81 Regisseuren als erste Frau. Vor Kathryn Bigelow waren in der Kategorie Regie erst drei Frauen nominiert worden: Sofia Coppola, Jane Campion und Lina Wertmüller.

«The Hurt Locker» setzte sich schliesslich mit sechs Preisen gegen Camerons 3D-Epos, an das drei technische Auszeichnungen gingen, klar durch. Beide waren für jeweils neun nominiert.

Tränenreiche Danksagungen blieben aus – bis Sandra Bullock für das Drama «The Blind Side» ihren ersten Oscar gewann. Sie spielt darin eine wohlhabende Hausfrau, die einen schwarzen Bub in ihrer Familie aufnimmt. Bullock dankte allen Müttern, die das gleiche tun – «egal welcher Hautfarbe die Kinder sind».

Auch sie schrieb Hollywood-Geschichte: Am Abend zuvor war sie zur schlechtesten Schauspielerin des Jahres gekürt worden. Sie erhielt den «Razzie Award» – die Himbeere – für ihre Rolle in der Komödie «Verrückt nach Steve».

Erster Oscar für Jeff Bridges

Nach vier Nominierungen konnte Jeff Bridges mit der Hauptrolle eines heruntergekommenen Countrysängers in «Crazy Heart» endlich seinen ersten Oscar erringen. Der 60-Jährige beweist nebst schauspielerischem nicht das erste Mal auch musikalisches Talent.

Als bester Animationsfilm wurde «Up» (Oben) ausgezeichnet, der auch den Preis für die beste Filmmusik (Komponist Michael Giacchino) erhielt. «Up» erzählt die Geschichte eines Rentners, der sich mit einem Pfadfinder auf eine abenteuerliche Ballonreise begibt. Bester Filmsong war nach Ansicht der Jury «The Weary Kind» aus «Crazy Heart».

Farbe Blau dominiert

Blau war die Farbe des Abends. Nicht nur die Bühnendekoration glitzerte meeresblau. Die Stars von «Precious», Gabourey Sidibe, Mo'Nique und Mariah Carey, trugen blaue Kleider – eine Reverenz an die Autorin der Romanvorlage des Films, Sapphire. Mo'Nique gewann das Goldmännchen in der Kategorie Beste Nebendarstellerin. Sie dankte der Academy, da diese beweise, «dass es um die Darstellung geht und nicht um die Politik».

Schliesslich überraschte der «blaugesichtige» Ben Stiller als «Avatar»-Navi die Zuschauer. Er musste allerdings zugeben, dass der Witz nicht so originell war. Für das beste Make-up war «Avatar» nicht einmal nominiert. Den Preis holten die Stylisten von «Star Trek». Insgesamt wacker schlug sich das Moderatoren-Duo – auch das ein Novum – Steve Martin und Alec Baldwin, die derzeit in der Komödie «It's Complicated» auch gemeinsam auf der Leinwand zu sehen sind.

Kathryn Bigelow, Christoph Walz, Sandra Bullock und Jeff Bridges (von oben links nach unten rechts) feierten ihren Oscar-Triumph. (Bilder: ky)

Kathryn Bigelow, Christoph Walz, Sandra Bullock und Jeff Bridges (von oben links nach unten rechts) feierten ihren Oscar-Triumph. (Bilder: ky)

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