Lonelady – Erneuerin des Post Punk

Die britische Künstlerin Lonelady lässt auf ihrem Début den Post Punk der frühen 80er aufleben. Morgen stellt sie das Werk im Palace vor. Zuvor stehen The Chap auf der Bühne.

David Gadze
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Lonelady alias Julie Campbell. Sängerin und Gitarristin mit offensichtlichem Kunstsinn. (Bild: pd)

Lonelady alias Julie Campbell. Sängerin und Gitarristin mit offensichtlichem Kunstsinn. (Bild: pd)

Zum musikalischen Chic gehört es momentan, die 80er-Jahre aufleben zu lassen. New Wave, Synth-Pop und Post-Punk sind wieder omnipräsent und werden von einer neuen Generation Bands verarbeitet. Doch vieles, was diese Recycling-Welle an Land spült, ist bloss neu lackiertes Material aus jener Epoche, dem jetzt ein eigener Kern fehlt.

Elegant und intelligent

Anders die britische Künstlerin Lonelady.

Deren zu Beginn des Jahres auf dem Kult-Label Warp veröffentlichtes Album «Nerve Up» erinnert an den Post-Punk-Sound ihrer Heimatstadt Manchester und an dortige Bands wie Ludus, Joy Division, Public Image Ltd oder The Fall, ist aber fest im Hier und Jetzt verankert und lässt vor allem die Seele der Künstlerin in jedem Ton mitschwingen.

«Nerve Up» ist voller Eleganz und Intelligenz und vermittelt das unwiderstehliche Gefühl, dass die Platte so lange reifen konnte, bis jeder Ton so klang, wie er klingen musste, ohne vor lauter Perfektion steril zu werden. Aufgenommen hat Lonelady ihr Début mit Guy Fixsen (My Bloody Valentine) in einer alten Windmühle, die während der Aufnahmen übergrosser Resonanzkasten bzw. als Instrument diente.

Das Album sei kein Nostalgie-Trip, auch wenn man im Hintergrund noch Echos aus der Vergangenheit höre, betonte sie in einem Interview mit dem «Guardian». Jedes Fragment, jede einzelne Schicht komme direkt von ihr und sei etwas, wonach sie lange gesucht habe. Ihr Werk sei wie eine Skulptur, die sie selbst erschaffen habe.

Kunststudium und Solopfade

Aufgewachsen ist Julie Campbell, wie Lonelady richtig heisst, in Audenshaw, einem Vorort von Manchester. Während der Schulzeit sammelte sie in verschiedenen Bands erste Erfahrungen als Musikerin, merkte aber schon bald, dass sie das nicht erfüllte. Mit Gitarre, Keyboard und Drumcomputer arbeitete sie fortan – neben dem Studium in Kunstwissenschaften – alleine und machte mit selbstgemachten Demo-Aufnahmen bald auf sich aufmerksam. Sie hoffe nur, nicht von der Maschinerie zermalmt zu werden.

Wenn jemand ihre Musik kaufe, Zeit mit ihr verbringe und sie ein Teil seines Lebens werde, dann bedeute ihr das schon sehr viel, sagt sie.

Als Vorgruppe stellen die Experimentalpopper The Chap ihr neues Album «Well Done Europe» vor. Das Quintett aus Berlin und London um Johannes von Weizsäcker, einem Grossneffen des ehemaligen deutschen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, webt so ziemlich jedes vorstellbare Genre in seinen Klangteppich und ist für knallende Shows, bei denen auch mal Instrumente explodieren, bekannt.

Morgen Fr, Palace St. Gallen, 22 Uhr (Tür 21 Uhr); DJ Sartorius