London, wie es wirklich ist

Der St. Galler Peter Stäuber berichtet für Zeitungen aus London. In einem Buch, das übermorgen vorgestellt wird, streift er durch die Stadt der Gegensätze.

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Wohl nirgends stossen in der ­britischen Metropole die Gegensätze so hart aufeinander wie im East End. Hier wohnt John, auf dessen einer Hand «Love» tätowiert ist – und auf der anderen «Hate». Er kennt den aktuellen Vorsitzenden der Labour-Partei nicht. «Diese Politiker verstehen nichts vom wirklichen Leben», sagt er. «Sie gehen nach Eton, nach Oxford, und wenn sie Probleme haben, dann verlassen sie sich auf das Geld ihrer Eltern.»

Zuerst die Hugenotten, dann Iren und Juden

Im East End haben sich seit dem 18. Jahrhundert die Einwanderer niedergelassen. Zuerst die Hugenotten, dann die Iren, dann die Juden, heute die Menschen aus Bangladesch. Auf der andern Seite stehen hier die europäischen Hauptsitze der weltgrössten Geldhäuser. Und während am einen Ende Arme verköstigt und beraten werden, arbeiten Banker am andern Ende an ihren Boni.

Das East End ist eines der Quartiere, die Peter Stäuber in seinen Streifzügen durch London durchwandert. «London – Unterwegs in einer umkämpften ­Metropole» heisst das Buch des St. Galler Journalisten, der seit 2010 in London lebt und als Korrespondent der Wochenzeitung WOZ von dort berichtet.

Wer es gelesen hat, wird mit sehr viel offeneren Augen dorthin reisen. Denn Stäuber verbindet jedes Quartier mit dem Thema, das es prägt. Im East End ist es die wachsende Armut in der Stadt, die dazu führt, dass die Lebenserwartung sinkt, je weiter man vom Zentrum nach Osten fährt. Am andern Ende der sozialen Skala steht Mayfair, die Fluchtburg der Reichen.

Peter Wetherell verkauft zu exorbitanten Preisen

Hier geht Peter Wetherell seinen Geschäften nach. «Guru of Mayfair» steht auf seiner Teetasse, Wetherell verkauft Wohnungen, Häuser, Villen. Oft zu exorbitanten Preisen, die aber anstandslos gezahlt werden. Und zwar oft über Offshore-Firmen. Mit andern Worten: Eine Erwerbung in Mayfair lässt sich bestens nutzen, um die Steuerbehörden zu Hause hinters Licht zu führen. Weshalb sich auch reiche Griechen hier so wohl fühlen – neben russischen Oligarchen und Arabern.

Auch Mayfair ist multikulturell, wie das East End. Nur anders. ­ So tun sich Gegensätze auf, die ebenso packend wie abstossend sind. Denn London war immer ein schwieriges Pflaster.

Rolf App

rolf.app

@tagblatt.ch

Buchpräsentation: Donnerstag, 9. März, 20 Uhr, Buchhandlung Comedia, St. Gallen