«London Calling» von The Clash wird 40

Das dritte Studioalbum der britischen Punkband The Clash erschien im Dezember vor 40 Jahren. «London Calling» war ein wegweisendes Album, das die damalige Punk- und Musikwelt revolutionierte, und auch heute noch als Meisterwerk gilt.

Christoph Sulser
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Die Mitglieder von The Clash: Topper Headon, Joe Strummer, Paul Simonon und Mick Jones (von links).

Die Mitglieder von The Clash: Topper Headon, Joe Strummer, Paul Simonon und Mick Jones (von links).

(Bild: Getty)

Ende der 1970er-Jahre rumorte es in Grossbritannien. Hohe Arbeitslosigkeit, soziale Spannungen und eine explodierende Drogenszene standen auf der Tagesordnung. Zusätzlich erschütterten der Nordirlandkonflikt und lange Bestreikungen von Flughäfen, Strassen oder Gaswerken das Vereinigte Königreich. «Kein Land hat bis jetzt den Weg vom entwickelten zum unterentwickelten Land zu Stande gebracht. (...) Grossbritannien könnte das erste sein.», sinnierte damals die britische Tageszeitung «The Guardian».

Musikalisches Zeitdokument

«London Calling», das dritte (Doppel-)Album von The Clash, nahm die angespannte Stimmung im Land auf. Sänger Joe Strummer sagte einst rückblickend auf diese Zeit:

«Wir hatten das Gefühl, wir würden kämpfen; wir wären kurz davor einen Abhang hinunterzurutschen, in den wir unsere Fingernägel krallten. Und da war niemand, der uns helfen würde.»

In den 19 Songs thematisierte die Band das Londoner Untergrundleben, Klein­kriminalität, Rassenkonflikte und Konsumüberdruss.

Die Arbeit an «London Calling» begann im Sommer 1979. Die Band hatte sich kurz zuvor von ihrem Manager getrennt, war hoch verschuldet und lieferte sich einen öffentlichen Schlagabtausch mit ihrer Plattenfirma. Trotz – oder gerade wegen – aller Unbill entstand im Proberaum unter Ausschluss der Öffentlichkeit ein Song nach dem anderen. Dabei lösten sich die vier Musiker von ihren Punk-Wurzeln und versuchten sich an diversen Stilen wie Reggae, Ska, Pop, Rock’n’Roll und Rockabilly. Nach dieser Kreativphase ging die Band für sechs Wochen ins Studio und arbeitete 18 Stunden pro Tag an ihrem Opus magnum.

Das beste Album des Jahrzehnts

Mitte Dezember 1979 erschien «London Calling» und stieg auf Platz 9 der britischen Charts ein. Das Album wurde von der Fachpresse mehrheitlich sehr wohlwollend aufgenommen. Gar die NZZ lobte die neuen Songs von The Clash als dynamisch und vital. Vergleichbare amerikanische Langspielplatten der Zeit würden daneben doch sehr verblassen, so der Kritiker.

Gut zehn Jahre später ging die amerikanische Musikzeitschrift «Rolling Stone» noch einen Schritt weiter. In einer 1989 veröffentlichten Bestenliste des ablaufenden Jahrzehnts setzte das Branchenblatt «London Calling» auf Platz Nummer eins, während Prince, U2 oder Madonna hintenanstanden.

Ein zertrümmerter Bass und der «King»

Das Plattencover von The Clashs «London Calling» besteht aus einem schwarz-weiss Foto, das mittlerweile zu den bekanntesten Bildern der Rock-Geschichte gehört. Es zeigt den Bassisten Paul Simonon, der gerade im Begriff ist, sein Instrument auf dem Bühnenboden zu zertrümmern. Entstanden ist der Schnappschuss bei einem Auftritt am 21. September 1979 im New York Palladium. Simonon sagte Jahre später, er sei mit seinem Konzertauftritt unzufrieden gewesen. Deshalb habe er seinen Frust an seinem Instrument abgelassen. Die Fotografin des Bildes, Pennie Smith, war zunächst gegen die Verwendung ihres Fotos. Sie war der Meinung, es sei zu unscharf.

Die Farben und der Schriftzug auf dem Cover stammen vom Künstler Ray Lowry. Er zitierte damit einen ganz Grossen des Rock-Olymps: Elvis Presley. Der «King» veröffentlichte 1956 seine erste Langspielplatte. Es war das erste Rock-’n’-Roll-Album, das Platz Nummer eins der amerikanischen Charts belegte. Auf die Ähnlichkeit der beiden Album-Cover angesprochen, meinte Bassist Paul Simonon einst, dass Rock’n’Roll zur Zeit von Elvis ziemlich gefährlich gewesen sei. Mit der Veröffentlichung von «London Calling» sei diese Gefährlichkeit wieder in die Musikwelt zurückgekehrt.

Jubiläumseditionen des Klassikers

Zum 40-Jahr-Jubiläum wurde das Album als Doppel-CD und als Vinyl-Version im transparenten Slipcase wiederveröffentlicht. Zieht man die Hülle ab, dann ist das legendäre Foto von Pennie Smith zu sehen. Zusätzlich ist ein 120-seitiges Buch mit beigelegter CD erschienen. Es dokumentiert die gesamte Entstehungsgeschichte des Klassikers und enthält handgeschriebene Lyrics, Notizen, Fotos sowie unveröffentlichtes Material.