Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Literaturtipps für die Welterkundung: Diese Bücher gehören ins Feriengepäck

Was sind die besten Reisebegleiter? Romane, Essays oder Kochbücher gehören sicher dazu. Eine bunte Auswahl unserer Kulturredaktion: Vom Tessin über Norwegen bis nach Kalifornien.
Das Dorf Vergeletto im Onsernone-Tal. (Bild: Carlo Reguzzi/KEYSTONE/Ti-Press)

Das Dorf Vergeletto im Onsernone-Tal. (Bild: Carlo Reguzzi/KEYSTONE/Ti-Press)

Tessin : Wandern mit Max Frisch

Es soll Menschen geben, die mit Max Frischs Erzählung «Der Mensch erscheint im Holozän» das Tessiner Onsernone-Tal mehr erstolpern als erwandern. So ernst genommen habe ich meine Mission dann doch nicht, als ich vor vier Jahren auf den Spuren von Max Frischs Protagonisten Herrn Geiser über den alten Maultierpfad Passo della Garina gelaufen bin, der das Centovalli mit dem Maggiatal verbindet.
Die gewaltigen Regengüsse, die den Basler Rentner in der Erzählung in seinem Exiltal in endzeitliche Stimmung versetzen und im Wandereifer aus dem Tal spülen, blieben mir zwar erspart. Dennoch türmten sich bei meiner ­Ankunft in Max Frischs Dorf ­Berzona, das heute Onsernone heisst, mächtige Wolken auf.

Max Frischs ehemaliges Domizil ist dank Bäumen auch heute gut gegen neugierige Literaturtouristen geschützt. Der Autor soll in seinen späten Jahren dort mit ­seiner lebensgrossen Puppe, dem «Toggel», einvernehmlich zu Abend gegessen haben.
Eines der Postautos aus der Erzählung, die sich mit viel Hupenlärm die Schlucht hochquälen, brachte mich schliesslich wieder aus dem Tal. Weltenbürger Max Frisch ist diese Serpentinen einst ziemlich sportlich mit seinem ­Jaguar hochgebraust. Zum Glück sass ich nie auf dem Beifahrersitz. Julia Stephan

Max Frisch: Der Mensch erscheint im Holozän. Suhrkamp, 142 S., Fr. 11.90

Milano Centrale: Schwierig, das richtige Gleis zu finden. (Bild: Christian Beutler/KEYSTONE)

Milano Centrale: Schwierig, das richtige Gleis zu finden. (Bild: Christian Beutler/KEYSTONE)

Italien: Ergötzliches Chaos

Wenn man in Italien nicht gerade in einem teuren und meist pünktlichen Hochgeschwindigkeitszug sitzt, kann Zugfahren auf der Apenninhalbinsel ziemlich nervenaufreibend sein. Es sei denn, man hat Tim Parks’ Buch mit dabei. Kann man die Mentalität der Italiener kennen lernen über eine Analyse, wie die Staatsbahnen im Geheimen wirklich ticken? Parks, als englischer Professor in Italien selbst Pendler in der Poebene, ­gelingt das äusserst humorvoll. Es gibt kaum eine Buchseite, wo man sich nicht die Augen reibt und ungläubig auf ein System schaut, das vielleicht nicht einmal die Italiener durchschauen.

Gültigkeit von Tickets, Stress beim Umbuchen, Verspätungen, Streiks: Über solch nervige Dinge berichtet Parks mit viel Sachkenntnis und einer perfekten Prise Ironie. Via Eisenbahnsystem erfährt man zudem viel über die Geschichte des Landes und die Eigenheiten verschiedener Regionen. Wer Italien einmal nicht über Kunstführer entdecken will, dem sei das Buch ans Herz gelegt. Genau und liebevoll beobachtet der Autor auch die Mitreisenden von der Lombardei bis Kalabrien und kommt Land und Leuten mit leichter Feder nahe. Nach der Lektüre glaubt man eigentlich nicht mehr, dass die Ferrovie dello stato ja doch irgendwie funktionieren. Aber in Italien fahren die Züge eben nach ganz eigenen Gesetzen. Martin Preisser

Tim Parks: Italien in vollen Zügen. Kunstmann, 335 S., Fr. 28.-

Bouquinist am Seineufer, im Hintergrund Notre Dame.Bild: (Bild: Etienne Laurent/EPA)

Bouquinist am Seineufer, im Hintergrund Notre Dame.Bild: (Bild: Etienne Laurent/EPA)

Paris: Flanieren im Liegestuhl

Es wäre schon lang wieder einmal Zeit für die Stadt aller Städte, die Stadt der Liebe, der Chansons, der Künstler und Bohémiens. Aber Paris im Hochsommer? Früher hiess das: tote Hose. Alles dicht. Alle Welt im Midi oder irgendwo auf dem Land, jedenfalls nicht dort, wo sonst die Geschicke der zentralistisch geprägten Republik gelenkt werden. Unterdessen ist Paris auch im Hochsommer voll – voll mit Touristen.
Also kein erstrebenswertes Reiseziel, wenn man gern flaniert und sich vom speziellen Charme dieser Stadt betören lassen will: im Café mit ein paar Büchern und einem Heft für Notizen, in einem der vielen Parks, auf dem Flohmarkt, vor den Buden der Bouquinistes mit ihren Schätzen, die man unbedingt haben muss, später aber nirgends mehr unterbringt.

Lieber schliesst man sich einem Flaneur wie Hanns-Josef Ortheil an, der die Stadt schon als Jugendlicher mit dem Vater erkundet hat und immer wieder zurückgekehrt ist: um die Geschichten der Stadt, ihrer grossen Orte und verborgenen Winkel zu lesen und zu erzählen. Zu Hause oder am Strand, jederzeit erlaubt dieses poetische, dem genauen Blick folgende Parisbuch ausgiebige Streifzüge durchs Quartier Latin, das Herz der Stadt am linken Seineufer. Man trifft auf Schritt und Tritt Flaubert, Sartre, Hemingway und andere. Und hinter der Gegenwart scheint der Roman vergangener Zeiten durch. Bettina Kugler

Hanns-Josef Ortheil: Paris links der Seine. Insel, 320 S., Fr. 32.–

Ein typisches norwegisches Dorf. (Bild: Getty)

Ein typisches norwegisches Dorf. (Bild: Getty)

Norwegen: Makrelen zum Frühstück

Sommerferien! Jedes Mal wenn der kleine Roald Dahl an dieses Zauberwort dachte, bekam er vor Freude eine Gänsehaut. Der britische Autor von schauerlichen Kurzgeschichten verbrachte vom 4. bis zum 17. Lebensjahr sämtliche seiner Sommerferien in Norwegen, woher seine Eltern ursprünglich stammten. Schönes und Schreckliches aus seiner Kinderzeit, darunter die Erinnerungen an die Sommerferien im hohen Norden, hat Roald Dahl in einem schmalen Buch vereint, das in jeden Koffer passt. Es sind köstliche Geschichten, die bestens unterhalten.

Das Ziel der Ferienreise war die kleine Insel Tjönne. Vier Tage brauchte die Familie Dahl in den 1920er-Jahren, um auf ihre Zauberinsel zu gelangen. Dort übernachtete sie in einem einfachen Hotel mit Plumpsklo, wo man unten auf dem Grund die Ratten herumkrabbeln sah. Die schönste Mahlzeit im Hotel war das Frühstück: Es gab kalte, gekochte Makrelen in Aspik, Heringsfilets und Räucheraal.
Jeden Tag tuckerten die sechs Dahl-Kinder mit einem kleinen Motorboot in den Fjord hinaus und entdeckten neue Inseln. Am Abend gingen sie fischen und brachten Dorsche, Merlane und Schellfische nach Hause. Nur eine unangenehme Erinnerung hat Roald Dahl an seine Sommerferien: Bei einem Zwischenhalt in Oslo entfernte ihm ein Arzt die Polypen – ohne Narkose. Christina Genova

Roald Dahl: Boy. Rowohlt, 208 S., Fr. 12.–

Golden Gate Bridge: Traumziel und Ort eines Literaturdramas. (Bild: Eric Risberg/AP)

Golden Gate Bridge: Traumziel und Ort eines Literaturdramas. (Bild: Eric Risberg/AP)

San Francisco: Mobbing im Paradies

Alles beginnt ganz harmlos im verträumten, reichen Städtchen Mill Valley über der Bucht von San Francisco. Der 13-jährige Tristan schreibt einen Liebesbrief. Doch seine Angebetete verrät ihn. Als der Brief auf Facebook gepostet wird, ergiesst sich eine Flut übelster Beschimpfungen über den dicken Jungen. Das Mobbing wird so unerträglich, dass er sich von der Golden Gate Bridge stürzt. Wie geht das Leben weiter für die Jugendlichen, die ihn in den Abgrund getrieben haben? Die Kalifornierin Lindsey Lee Johnson untersucht in ihrem meisterhaften Roman über das Erwachsenwerden, wie grausam Teenager sein können. «Der gefährlichste Ort der Welt» wird aus der Perspektive der Heranwachsenden geschildert.

Jeder hat ein dunkles Geheimnis. Etwa die hochbegabte, wohlstandsverwahrloste Abigail, die mit einem Lehrer anbandelt. Der skrupellose Schönling Ryan, der sich im Internet auf einen dubiosen Unbekannten einlässt. Oder der durchschnittliche Dave, der sich nach einem normalen Leben sehnt, aber an den hohen Erwartungen seiner Eltern zerbricht. In jedem Kapitel schlittert ein Jugendlicher in eine Katastrophe. Jede Figur ist gut und böse zugleich. Und alle versuchen, irgendwie zu überleben. Ein schonungsloser, aber auch zärtlicher Blick hinter die Fassaden einer amerikanischen Kleinstadt. Melissa Müller

Lindsey Lee Johnson: Der gefährlichste Ort der Welt. Dtv, 303 S., Fr. 30.–

Touristen geniessen die Aussicht auf Lissabon. (Bild: Alessandro Della Bella/KEYSTONE)

Touristen geniessen die Aussicht auf Lissabon. (Bild: Alessandro Della Bella/KEYSTONE)

Lissabon: Kleine und grosse Teller

Man müsse in Lissabon geboren sein, um wahrhaft lisboeta zu sein, schreibt der Starkoch Nuno Mendes. Das Wort bezeichnet die Einwohner der Stadt des Lichtes wie auch eine ganz besondere Lebensart. In deren Mittelpunkt steht das Essen. Die Pastelarias, die Quiosqos und die Tascas prägen das Leben und den Rhythmus der ältesten Stadt Westeuropas. Keine Tageszeit, für welche die Lisboeta nicht einen Spezialität und die passende Gaststätte zur Hand hätten. Nuno Mendes, der vorzüglich kochen und schreiben kann, nimmt die Leser mit auf seine Streifzügen durch seine Heimatstadt.

Vom Mercado da Ribeira, wo schon im 16. Jahr­hundert die Kaufleute ihre Gewürze und Schätze aus der ganzen Welt feilboten, zum Pastéis de Belém, wo es die besten Puddingtörtchen der Stadt geben soll, weiter ans Ufer des Tejo auf ein ginijha (Kirschlikör). Dazwischen darf ein Stopp für einige salgados (frittierte Snacks) nicht fehlen. Und niemals käme es einem Lisboeta in den Sinn, ­einen Abend ohne Süssspeisen mit viel Zucker und Eier abzuschliessen. Von Rezept zu Rezept führt das Buch immer tiefer ins Leben dieser Stadt hinein. Die authentischen Fotos und persönlichen Texte tun das Übrige, damit man sich nach der Lektüre sofort in eine Tascas setzen und eine herzhafte Feijoada bestellen will. Zur Not kann man den Eintopf auch nachkochen. Katja Fischer de Santi

Nuno Mendes: Lissabon. Prestel, 372 S., Fr. 44.-

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.