LITERATURFESTIVAL: Schreibend aus der Krise heraus

Solothurn bleibt sich treu: Die Literaturtage versammeln in den kommenden Tagen eine Auswahl aktueller Schweizer Literatur, diskutieren die politische Lage und geben sich spielerisch – dank St. Galler Performern.

Hansruedi Kugler
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In Solothurn kann man sich auch im Freien am offenen Bücherschrank mit Literatur beschäftigen. (Bild: Peter Klaunzer/KEY (Solothurn, 7. Mai 2016))

In Solothurn kann man sich auch im Freien am offenen Bücherschrank mit Literatur beschäftigen. (Bild: Peter Klaunzer/KEY (Solothurn, 7. Mai 2016))

Die Ostschweiz wird an den Solothurner Literaturtagen, die übermorgen Freitag starten und bis Sonntag dauern, zweimal vertreten sein: Der St. Galler Schriftsteller Christoph Keller liest zwei Mal aus seinem Roman «Das Steinauge & Galapagos». Ein Dokumentarfilm über ihn ist ebenfalls zu sehen. Und das St. Galler Performance-Trio mit der Comiczeichnerin Lika Nüssli, dem Musiker Marc Jenny und dem Fotografen Herbert Weber ist zwei Mal spätabends im Restaurant Kreuz zu erleben.

Bewährte Zugpferde und junge Talente

Zugpferde des diesjährigen Programms sind vor allem Männer: Lukas Bärfuss, Jonas Lüscher, Alex Capus, Tim Krohn, Michael Fehr, Urs Faes. Sie lesen aus ihren viel beachteten Neuerscheinungen – und lassen in ihren Romanen das Thema «Männer an Wendepunkten oder in der Krise» aufleuchten. Neben diesen sind junge Talente wie Flurin Jecker und Julia Weber zu entdecken. Rund 70 Schreibende versammeln sich zu den Literaturtagen. Dass diese längst nicht nur aus konventionellen Lesungen mit Moderation bestehen, wissen langjährige Besucherinnen und Besucher. Diskussionen zu den Themen «Die Macht der Geschichten», «Die Demokratie in der Krise?» oder «Schweiz schreiben» zeigen, dass sich die Literaturtage treu bleiben: Hier wird nicht nur «schöne» Literatur gelesen, sondern hier will man mittels Büchern eine kritische Sicht auf die Schweiz diskutieren.

Globale Krisen und poetische Leichtigkeit

Damit der Blick auf die Literatur nicht provinziell im Schweizerischen bleibt, laden die Literaturtage jeweils eine Handvoll ausländischer Autoren ein. Inhaltlich ist die Flüchtlingskrise ein Hauptmotiv: Der deutsche Autor und Übersetzer Ilja Trojanow, seine Landsfrau Olga Grjasnowa, der österreichische Lyriker Franzobel und die italienische Kinderbuchautorin Francesca Sanna haben entsprechende Bücher im Gepäck. Besonders gespannt ist man auf den kongolesischen Autor Fiston Mwanza Mujila, der an der Universität Graz afrikanische Literatur unterrichtet. Er bringt seinen Roman «Tram 83» mit, der in einem Nachtclub einer heruntergekommenen Grossstadt in Afrika spielt. Am Samstag veranstaltet das PEN-Zentrum Schweiz ein Podium zur Lage der Autoren und Journalisten in der Türkei.

Abends verwandeln sich die Literaturtage in ein poetisches Feuerwerk. Michael Fehr und Manuel Troller präsentieren ein theatrales Musikspektakel. Das Autorenkollektiv L’ajar aus der Romandie bietet eine Performance über die fiktive Schriftstellerin Esther Montandon. Erstmals wird zudem ein Pecha Kucha veranstaltet. Zum Vortrag werden passende Bilder projiziert: 20 Bilder à 20 Sekunden, um der berüchtigten Powerpoint-Ermüdung vorzubeugen.

Hansruedi Kugler

hansruedi.kugler@tagblatt.ch

www.literatur.ch

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