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Literaturfest Luzern: Judith Kaufmann kann sich nicht zurücklehnen

Judith Kaufmann trotzt mit ihrer Edition Bücherlese der Krise des Buchmarkts. Der Luzerner Kleinverlag, der über die Region hinaus wahrgenommen wird, hat einen Stand am Büchermarkt des Literaturfests in der Kornschütte.
Céline Graf
«Das gedruckte Buch ist erstaunlich robust», sagt Judith Kaufmann, Verlagsgründerin. (Bild: Pius Amrein, Luzern, 13. März 2019)

«Das gedruckte Buch ist erstaunlich robust», sagt Judith Kaufmann, Verlagsgründerin. (Bild: Pius Amrein, Luzern, 13. März 2019)

Was ist klein, aber fein und versammelt sich im März? Die Kleinverlage am traditionellen Buchmarkt des Literaturfests Luzern in der Kornschütte. Die Luzerner Edition Bücherlese ist auch wieder mit neuem Stoff dabei. Obwohl noch jung, wird der Verlag über die Region hinaus, auch in den deutschsprachigen Nachbarländern beachtet. Vor allem seit aus diesem Verlag der Roman «Knochenlieder» von Martina Clavadetscher für den Schweizer Buchpreis 2017 nominiert wurde.

Die 58-jährige Verlagschefin Judith Kaufmann ist Quereinsteigerin. «Literatur war für mich immer wichtig», sagt sie. Ursprünglich arbeitete sie als Krankenschwester, dann als Beraterin und Dozentin im Gesundheitswesen. Mit einem Aufenthalt an der Ausländeruniversität Perugia schlug sie eine zweite, literarische Laufbahn ein. «Ich recherchierte, was ein Verlag alles macht, und merkte: Genau das will ich.»

Geschäftsstruktur sachte aufgebaut

Zuerst gab sie 2012 einen Gedichtband heraus. Nach und nach baute sie um die Buchprojekte eine Geschäftsstruktur auf. Vor vier Jahren trug sie die «edition bücherlese GmbH» mit Sitz in Hitzkirch und einem Stammkapital von 20'000 Franken ins Handelsregister ein. Vor einem Jahr zügelte sie das Büro in die Stadt Luzern.

Wer einen Literaturverlag gründet, tut dies nicht, um reich zu werden. Der Umsatz im Buchmarkt sinkt und sinkt. In der Schweiz war es 2018 immerhin nur ein Prozent, weniger als in Vorjahren. Dennoch, vom Ende der Buchkrise redet niemand. Wir geben laut Bundesamt für Statistik immer weniger Geld des Kulturbudgets für Bücher aus. Und wenn doch, bestellen wir sie mit grösster Wahrscheinlichkeit bei einem ausländischen Onlinekonzern wie Amazon. Die Finanzen bereiten Judith Kaufmann die meisten schlaflosen Nächte. Trotz Förderprämien, die der Verlag zwischen 2018 und 2020 bezieht: 10'000 Franken vom Bundesamt für Kultur und 10'000 Franken vom Zentralschweizer Förderpreis des Migros-Kulturprozents. «Das ist natürlich ein Tropfen auf den heissen Stein, aber ein willkommener», sagt Kaufmann. Jedes Buchprojekt benötige zusätzliche Fördergelder.

Ohne Idealismus und Netzwerk geht es nicht

Wie überlebt ein Kleinverlag heutzutage? «Ohne Idealismus und Herzblut geht es nicht.» Zudem sei das Netzwerk sehr wichtig, gerade am Anfang. Kaufmann ist sowohl Mitglied beim Schweizer Buchhändler- und Verlegerverband als auch bei den Swiss Independent Publishers (Swips). Auch in der Region ist sie vernetzt. Als der Alpnacher Wallimann-Verlag nach dem Tod des Gründers Martin Wallimann einging, bot die Bücherlese auf Wunsch der Erben den «heimatlosen» Autorinnen und Autoren mit ihren Büchern Unterschlupf.

Ebenfalls unverzichtbar sei ein klares Profil. Die Edition Bücherlese ist auf Romane und Lyrik spezialisiert, die sich an ein Publikum richten, das erzählerische und gestalterische Sorgfalt schätzt. Weder schnell rausgehauener Mainstream noch ex­trem Ausgefallenes ist im Programm zu finden. Damit springt der Verlag in Luzern in eine Lücke, wo Kunst- und Sachbuchverlage zurzeit mehr Platz einnehmen. «Wir möchten in der Zentralschweiz ein Gegengewicht zu den grossen Literaturzentren wie Zürich sein», so Kaufmann.

Aktiv auf der Suche nach Talenten

Das Profil ist das eine, den Inhalt dafür zu finden, das andere. Von den vielen Manuskripten, die eingeschickt werden, erfüllt etwa eines von Hundert die Qualitätsansprüche der Bücherlese. In Fachzeitschriften oder an Jury-abenden sucht der Verlag auch aktiv nach Talenten. «Wir haben die Augen offen», sagt Kaufmann. Fest angestellt sind inzwischen ein Lektor und eine Produzentin. Projektweise kommen weitere Arbeitskräfte hinzu.

Die Verlegerin gibt sich vorsichtig optimistisch: «Wir wachsen tendenziell. Zurücklehnen können wir uns aber nicht.» Immerhin erweise sich das Kerngeschäft der Edition Bücherlese, das gedruckte Buch, als erstaunlich robust im Vergleich zu E-Books oder Hörbüchern. Und sie treffe im Alltag wieder mehr auf Leute mit Büchern, fügt Judith Kaufmann an. «Gestern etwa sah ich in einem Café eine junge Frau mit Kopfhörern, die ganz in einen Roman vertieft war.»

Der Buchmarkt am Literaturfest Luzern in der Kornschütte ist am Samstag von 10 bis 18 Uhr und am Sonntag von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Ausserdem heute Samstag: Literaturabend im Theater Pavillon. Sonntag, 17. März: Literatur auf dem Sofa in der Kornschütte (ab 11 Uhr). Das weitere Programm: www.literaturfest.ch.

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