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Literaturengagement im Wandel

Vor zehn Jahren erschien die letzte Nummer der St. Galler Literaturzeitschrift «Noisma». Seither werden literarische Veranstaltungen durchgeführt, auch im Rahmen des Literaturfestes «Wortlaut». Diesmal jedoch fehlt «Noisma».
Beda Hanimann
Eine Auswahl aus 25 Jahren und vierzig Ausgaben von «Noisma». (Bild: Hanspeter Schiess)

Eine Auswahl aus 25 Jahren und vierzig Ausgaben von «Noisma». (Bild: Hanspeter Schiess)

Die Spitzmarke ist zum Markenzeichen geworden: «Noisma im Kult-Bau» heisst es alle paar Wochen im St. Galler Veranstaltungskalender. Zum nächsten Mal am kommenden Montag, da lesen Susann Klossek und Pablo Haller. Im Kult-Bau an der Konkordiastrasse lässt das Klavierduo Ute Gareis und Klaus-Georg Pohl die Idee des bürgerlichen Salons als Stätte der kulturellen Begegnung wieder aufleben, wie sie selber sagen – doch man lasse sich vom «bürgerlichen Salon» nicht in die Irre führen: «Im Kult-Bau hat das Profitdenken Urlaub: Willkommen ist das Unangepasste, Abseitige, das Elitäre, das kurios Extravagante mit der Absicht, der Vermassung und Verflachung ein ästhetisches Gegengewicht entgegenzusetzen.»

Ein Seminaristenprojekt

Hier also hat «Noisma» seit mehreren Jahren seine Bleibe gefunden. Oder korrekter, auch wenn es etwas gestelzt klingt: den Ort seiner Verwirklichung. Den nämlich hat es vor genau zehn Jahren quasi verloren. Bis im März 2004 war «Noisma» eine Literaturzeitschrift, damals erschien mit «Momentaufnahme Lyrik und Prosa Ostschweiz/FL» die letzte von vierzig Ausgaben.

Entstanden ist «Noisma» als «Semiprojekt» in den 70er-Jahren, wie Daniel Fuchs sagt. Er und Benedikt Zäch, Andreas Mezger und Andreas Prinzing hatten im September 1979 die erste Nummer herausgebracht. «Der Name ist ein Phantasiename, in dem der Begriff <neu> enthalten ist», führt Fuchs aus. Dominik Jost hat in seiner 1994 erschienenen «Kurzen Geschichte der Literatur aus dem Kanton St. Gallen» noch etwas mehr hinein interpretiert: «Der Titel (ein Kunstwort aus Schweizer Mundart noi = neu und englisch noise = Lärm) bedeutet: aufmerksam machen, Aufsehen erregen.»

Die neue Zeitschrift sah sich in der Nachfolge von Hans Rudolf Hiltys legendärem «Hortulus», einer zwischen 1951 und 1963 in St. Gallen erschienenen Zeitschrift für neue Dichtung. Die Messlatte war hoch, wie Fuchs selbst anmerkt, und primär war es auch nicht um eine Kopie gegangen. Sondern um ein Podium für Ostschweizer Literatur. Die ersten Nummern enthielten denn auch in erster Linie Texte der «Noisma»-Gründer. Auf diese Unterschiede weist auch Jost hin: «Während Hiltys Unternehmen vor allem als Bastion der damaligen Avantgarde den Pionieren des neuen Schreibens mit weltliterarischen Ausgriffen offen stand, blieb das <Noisma> auch im Hinblick auf die publizierten Texte mit der Ostschweiz verbunden.»

Regionale Ausweitung

Auch Clemens Umbricht, der 1983 zu «Noisma» stiess, spricht von einem «Sammelbecken für regionale Literatur», in dem aber bald auch deutschsprachige Literatur aus anderen Regionen und Übersetzungen aus anderen Kulturkreisen Platz fanden. Zwischendurch gab es Sondernummern etwa über Hans Rudolf Hilty und Regina Ullmann.

Während Zäch bis 1990 blieb, stiegen die anderen Gründer nach und nach aus, es folgten Literaturschaffende wie Erica Engeler, Richard Butz, Ruth Erat, Jürg Rechsteiner. Zunehmend wurden auch Lesungen organisiert, die auf Beachtung stiessen. «Mancher Autor, der im <Noisma> zum ersten Mal veröffentlichen oder im Literatur-Café lesen konnte, ist später in Wettbewerben, durch Werkjahrzusprachen oder Preisübergaben ermutigt worden», schreibt Jost.

Der Autor und sein Gast

Mit der letzten Ausgabe im März 2004 endete die Geschichte von «Noisma» als Zeitschrift. Doch bald tauchte der Name als Veranstalter von literarischen Veranstaltungen auf. «Das Konzept hiess <Der Autor und sein Gast>, das sind also mehr als herkömmliche Autorenlesungen», führt Florian Vetsch aus, der nach Ivo Ledergerber einstieg und heute zusammen mit dem zurückgekehrten Gründer Daniel Fuchs verantwortlich ist.

Ein grosses Anliegen war der internationale Austausch, etwa mit Minificciones aus Südamerika oder Literatur aus dem arabischen Raum. Ausgeklammert wurde die Region deswegen nicht, 2010 zum Beispiel präsentierte Rainer Stöckli den Nachlass von Peter Morger.

Grosses Engagement zeigte «Noisma» jeweils auch am St. Galler Literaturfest «Wortlaut». Da gab es Veranstaltungen über Gertrude Stein oder ein Programm über John Cage mit dem grossartigen Titel «The Cage ist open: Birds are flying». Am diesjährigen «Wortlaut» von Ende März ist «Noisma» nicht mehr dabei. Der Kult-Bau im Linsebühl passt geographisch nicht mehr in das Festivalkonzept mit «Lokalitäten in gemütlicher Gehdistanz». Vetsch verhehlt nicht, dass er das bedauert.

Autor und Gast: «Noisma»-Lesung im Kult-Bau. (Bild: pd)

Autor und Gast: «Noisma»-Lesung im Kult-Bau. (Bild: pd)

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