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LITERATUR: Iwan Bunins Literaturnobelpreis

Der Zürcher Dörlemann-Verlag widmet dem Russen Iwan Bunin eine mehrbändige Werkausgabe. Was hat die Verlegerin Sabine Dörlemann dazu bewogen?
Erika Achermann

Das erste Buch, das Sabine Dörlemann von Iwan Bunin verlegte, war «Ein unbekannter Freund». Die Übersetzerin Svetlana Geier hatte es ihr zur Verlagsgründung geschenkt. Das schmale Buch liegt nun in der vierten Auflage vor. Darüber staunt nur, wer noch nie Iwan Bunin gelesen hat. Der Start war geglückt, der Verlag 2003 geboren und eines der Projekte ist die inzwischen auf acht Bände angewachsene Werkausgabe und sie soll weitergehen. Was war es, das Sabine Dörlemann für Bunin begeisterte? An ihrem Verlagssitz an der Zürcher Neptunstrasse sagt sie kurz und klar: «Es sind die intensiven Landschaftsbeschreibungen und wie er die Erzählung, die Figuren in diese hineinwebt.»

Sein übernationales Denken beeindruckt ebenso wie der «leichte Atem» und der starke Nachhall seiner Geschichten, selbst im fiktiven Revolutionstagebuch «Verfluchte Tage», das keine Helligkeit kennt. Sabine Dörlemann hat es in einer Sonderausgabe zum Revolutionsjahr 1917 neu aufgelegt. Bunin wirft einen differenzierten Blick auf die Zeit der Revolution in Russland. Denn er hat die explosive Situation des Landes bereits 1914 bei Kriegsbeginn beschrieben: «... eine Revolution in Russland... Das ist das Ende unseres gesamten früheren Lebens.» Er kannte die Menschen im Dorf, denn unter ihnen ist er aufgewachsen, in einer «an Einförmigkeit der Umgebung nicht zu übertreffenden» Einöde, schreibt Thomas Grob im Nachwort zu «Das Dorf». Bunin selber stammte aus dem verarmten Landadel. Von der russischen Avantgardedichtung hat er wenig gehalten.

Eine Verlegerin, die gerne in den Büchern reist

Noch 1912 hatte er «nichts Besseres gekannt als das Reisen». Und wie er reiste! Elegant gekleidet auf einem Frachtschiff von Konstantinopel bis Ceylon und dritte Klasse von Ceylon nach Anuradhapura. Er verbrachte einige Zeit im Kreis der emigrierten Russen in Capri und er fuhr zu den Alpen – ja, Bunin war wie Tolstoi auch in der Schweiz. Buchwissen reichte ihm nicht aus, um ein erfülltes Leben zu führen. Die gelesenen Bücher warf er über Bord.

1920 verliess er die Sowjetunion endgültig. Zeitweise wurde er angegriffen, er sei reaktionär, weil er den Bolschewismus mit dem Tatarenjoch verglich. Doch wirkt er eher sanft in seinen Prosadichtungen, mit denen er vor allem das Undefinierbare zu erfassen versucht. Bereits in der russischen Provinz hatte Bunin das genaue Beobachten gelernt, das nicht nur seine literarischen Reisebilder, sondern auch das harte Dorfleben zur unsentimentalen Lektüre macht.

Ob sie gern auf den Spuren Ihrer Dichter reist? Sabine Dörlemanns Augen leuchten, als sie über Patrick Leigh Fermor erzählt, der «Welten einzufangen vermöge, bevor sie untergehen». Bewegung fasziniere sie, aber sie selber sei noch nicht mal auf dem Pariser Friedhof am Grab von Bunin gewesen; dazu fehle ihr die Zeit. «Ich reise in den Büchern.»

1933 bekam der inzwischen im südfranzösischen Exil lebende Iwan Bunin den Literaturnobelpreis. Tolstoi hatte den Preis nicht annehmen wollen, Maxim Gorki sich bereits dem sowjetischen Regime gebeugt. So wurde Iwan Bunin der erste russische Schriftsteller, der den Literaturnobelpreis bekam. Durch seine Migrationserfahrung kann er bis heute Vorbild für eine neue Generation von Schreibenden sein.

Erika Achermann

Iwan Bunin: Ein Herr aus San Francisco. Erzählungen 1914/1915. 240 S., Fr. 34.- Iwan Bunin: Verfluchte Tage. Ein Revolutionstagebuch, 260 S., Fr. 27.-; beide bei Dörlemann

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