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LITERATUR: Im Abgrund der eigenen Psyche

Mitten in der Story bricht Haruki Murakami seinen neuen Roman ab – die Fortsetzung kommt im April. Angesichts der Weitschweifigkeit fragt man sich, ob ein Zweiteiler nötig ist. Der Murakami-Sog wirkt dennoch.
Arno Renggli
Haruki Murakami (68) verstrickt seinen Romanhelden in ein surreales Wirrnis, das dessen Psyche widerspiegelt. (Bild: Markus Tedeskino/PD)

Haruki Murakami (68) verstrickt seinen Romanhelden in ein surreales Wirrnis, das dessen Psyche widerspiegelt. (Bild: Markus Tedeskino/PD)

Arno Renggli

Eine gute Nachricht vorab: Der neue Roman von Haruki Murakami ist gut verständlich. Was in früheren Büchern des japanischen Starautors nicht immer zwingend der Fall war. Aber diesmal führt er seine Leserinnen und Leser eher langsam in die Surrealität, die Symbolik und eine Welt voller Metaphern ein. Und geradezu tröstlich wirkt gegen Ende die Aussage einer seiner Figuren: Metaphern brauche man eh nicht zu verstehen.

Protagonist ist ein junger Maler, der mit Porträts Erfolg hat. Als er von seiner Frau verlassen wird, nistet er sich im abgelegenen Haus eines berühmten Malers sein. Dort findet er ein unbekanntes Gemälde des Künstlers mit dem Titel «Die Ermordung des Commendatore». Es scheint sich um eine Szene aus der Mozart-Oper «Don Giovanni» zu handeln, interpretiert im Kontext der Reichseingliederung Österreichs durch Hitler.

Das Bild fasziniert den jungen Maler derart, dass er die lukrative Porträtmalerei aufgeben will, um endlich den eigenen künstlerischen Stil zu finden. Doch dann taucht ein geheimnisvoller Auftraggeber auf, der für viel Geld ein Porträt gemalt haben will. Zögerlich willigt der Maler ein.

Er lässt sich auf einen weiteren Auftrag ein

Das Porträt gelingt ihm auf intuitive Weise überragend, und der Auftraggeber nimmt immer mehr Raum in seinem einsamen Leben ein. Surreale Begebenheiten häufen sich, die mehr als blosse Einbildung zu sein scheinen. Da will der Auftraggeber ein weiteres Porträt. Nämlich von seiner unehelichen Tochter, die er seit Jahren beschattet und die nichts von ihm weiss. Der Maler ahnt, dass er sich auf etwas Zwielichtiges einlässt, und tut es dennoch. Hier bricht der Roman ab.

Natürlich ist das der perfekte Cliffhanger zum zweiten Romanteil, der nicht nur die fatale Verflechtung des Malers mit seinem Auftraggeber fortführen, sondern auch die psychologischen Hintergründe der surrealen Ereignisse samt der Rolle des titelgebenden Bildes lüften könnte.

Gleichwohl fragt man sich, ob die Ausdehnung auf fast 1000 Seiten und zwei Bücher nötig ist. Für westliche Gewohnheit (und Muramaki ist mit unserer Kultur bestens vertraut, wie viele Textstellen belegen) wirkt der Roman weitschweifig und oft repetitiv.

Dennoch kommen Murakamis Stärken, die auch im deutschsprachigen Raum viel Anklang finden, zum Tragen. Den Protagonisten erlebt man gerade in seiner vermeintlichen Biederkeit sehr nahe, ­stark sind auch die Rückblenden, etwa in Bezug auf seine Ehe oder den Tod ­seiner kleinen Schwester. Und ­in der Kreation von surrealen ­Begebenheiten und Locations, die tiefenpsychologisch gedeutet werden können, bleibt Murakami ohnehin ein Meister.

Haruki Murakami: Die Ermordung des Commendatore. Teil 1.

Dumont, 477 S., Fr. 38.–.

Teil 2 soll am 16. April erscheinen.

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