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LITERATUR: Hang zum Klang

Michael Fehr ist anders, seine Geschichten sind ganz anders. Mit vier Erzählungen und seinem Körper hat er den Saisonstart im Bodmanhaus zu Gottlieben bestritten – der helle Wahnsinn.
«Etwas absurd Beschwingtes»: Michael Fehr im Bodmanhaus Gottlieben. (Bild: Dieter Langhart)

«Etwas absurd Beschwingtes»: Michael Fehr im Bodmanhaus Gottlieben. (Bild: Dieter Langhart)

Einen «wuchtigen Erzähler» hat ihn Marianne Sax zur Begrüssung genannt. Doch Michael Fehrs Erzählungen sind eher kurlige Märchen, schräge Sachen aus einer skurrilen Welt. Wortpartituren, die einer inneren Melodie gehorchen, dem Blues, den der Berner in sich hat. Er hat am Freitag das zweite Literaturhalbjahr im Bodmanhaus zu Gottlieben eröffnet.Das schlug ein.

Da sitzt einer nicht brav am Tisch, die Augen aufs Buch geheftet. Da stakst einer über die Bühne und macht Faxen mit Gesicht und Händen. Spielt den Alten und die giftige Schlange, die ihn fressen will; spielt den Sohn und den Vater, der ihm erklärt, wie er ein Rebhuhn auseinandernehmen und Augencrème aus den herausgestochenen Augen herstellen soll. Michael Fehr entschuldigt sich für den «seltsamen, abrupten Schluss».

Texte wie Partituren und manchmal «voller Morast»

Er erzähle die Geschichte meist mit Musikern, patternhaft. «So bekommt sie etwas absurd Beschwingtes.» Wie ein staunender Bub bekennt der 34-jährige Autor: «Es beschäftigt mich schon sehr, was alles so passiert.» Er meint den Umgang miteinander, den Eigennutz.

Michael Fehr ist beinah blind, seit seiner Kindheit, und als er seine Bücher signiert, schreibt er wie aus einem erinnerten Gefühl heraus. Ein Studium gab er auf – zu viel Lektüre. Dann entdeckte er das Schreiben, das Fabulieren, das Musikalische. «Ich habe zu meinen Texten ein Verhältnis wie zu einer Partitur», hat er in Solothurn gesagt. Er sieht sich in der uralten Tradition des mündlichen Erzählens. Er nimmt seine Texte auf – und wer ihn nicht hören kann wie bei dieser Lesung, der sollte ihn laut lesen, wie einen Pedro Lenz oder Guy Krneta, die Berndeutsch schreiben. Bei Michael Fehr sind es einzelne Wörter, die die Nähe zur Mundart zeigen. Bevor er die Geschichte «Da wird es dem Hirt erst drum» vorstellt, übersetzt er für das deutsche Publikum: «Da wird es dem Hirten erst danach.» Eine Geschichte über Tiere sei das, «triefend, voller Morast». Man möchte bei der Sprache an Gotthelf denken, wenn nur die schrägen Reime nicht wären, die immer wieder aufblitzen und Fehrs Prosa nahe an die Poesie rücken. Schwarz vom Torf ist diese Geschichte, voller schräger Vorgänge und schräger Wendungen. Und wie sie fertig ist, sagt Fehr: «Diese Geschichte geht aus.»

Wie Familie und Fantasie zum Erliegen kommen

Er sei ein vollkommener Verfechter der Idee, sagt Michael Fehr, doch sie sei immer mit einem Risiko verbunden. Dritter Akt. «Eine Geschichte über innere Zuflucht und vieles mehr und mit einem ländlichen Zusammenhang» – jetzt ist das Rebhuhn dran. Vierter Akt. Die versprochene «allerpositivste Geschichte», eine «Aufrufung der Fantasie». Sie endet so: «Niemand in der Familie hat Fantasie / die Mutter nicht / der Vater keine / die Tochter keine Fantasie / niemand hat Potenzial / man lebt das Leben der Familie von früh bis spät / und nachts kommt man in den Betten der Familie / zum Erliegen.» Was für ein Schluss.

Dieter Langhart

Nächste Lesung: Fr, 1.9., 20 Uhr: Urs Faes, «Halt auf Verlangen». Programm auf bodmanhaus.ch

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