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Zum 90. Geburtstag: Lilo Pulver kann mehr als nur lachen

Sie war ein Star – im Film wie auf der Bühne. Die Schweizer Schauspielerin Liselotte Pulver feiert morgen Freitag ihren 90. Geburtstag.
Elisabeth Hausmann
«Ich lachte einfach lauter als die anderen», sagt Lilo Pulver. Ansteckend wirkt ihr Lachen bis heute. (Bild: Keystone)«Ich lachte einfach lauter als die anderen», sagt Lilo Pulver. Ansteckend wirkt ihr Lachen bis heute. (Bild: Keystone)
2018 - Liselotte Pulver freut sich über die Auszeichnung für ihr Lebenswerk bei der 70. Verleihung des Medienpreises Bambi in Berlin. (Bild: Jens Kalaene / Keystone)2018 - Liselotte Pulver freut sich über die Auszeichnung für ihr Lebenswerk bei der 70. Verleihung des Medienpreises Bambi in Berlin. (Bild: Jens Kalaene / Keystone)
2012 - Liselotte Pulver erhält bei den Swiss-Awards in Zürich den Lifetime-Award. (Bild: Walter Bieri / Keystone)2012 - Liselotte Pulver erhält bei den Swiss-Awards in Zürich den Lifetime-Award. (Bild: Walter Bieri / Keystone)
«La religieuse», 1966. (Bild: Keystone)«La religieuse», 1966. (Bild: Keystone)
«Ich denke oft an Piroschka», 1955. (Bild: Keystone)«Ich denke oft an Piroschka», 1955. (Bild: Keystone)
«Eins, Zwei, Drei», 1961. (Bild: Keystone)«Eins, Zwei, Drei», 1961. (Bild: Keystone)
«Das Wirtshaus im Spessart», 1958. (Bild: Keystone)«Das Wirtshaus im Spessart», 1958. (Bild: Keystone)
«Uli der Knecht», 1954. (Bild: Keystone)«Uli der Knecht», 1954. (Bild: Keystone)
Wenn Liselotte Pulver, hier auf einem undatierten Bild, in den fünfziger Jahren auf der Leinwand lachte, war gute Laune garantiert. (Bild: Keystone / Str)Wenn Liselotte Pulver, hier auf einem undatierten Bild, in den fünfziger Jahren auf der Leinwand lachte, war gute Laune garantiert. (Bild: Keystone / Str)
1962 - Liselotte Pulver in «Kohlhiesels Töchter». (Bild: Keystone).1962 - Liselotte Pulver in «Kohlhiesels Töchter». (Bild: Keystone).
1957 - Liselotte Pulver als Vreneli im Film «Ueli der Knecht». (Bild: Keystone / Str)1957 - Liselotte Pulver als Vreneli im Film «Ueli der Knecht». (Bild: Keystone / Str)
1958 - Liselotte Pulver posiert in Hollywood vor einer Mauer. (Bild: Keystone / Str)1958 - Liselotte Pulver posiert in Hollywood vor einer Mauer. (Bild: Keystone / Str)
2007 - Die goldene Kambera geht an Liselotte Pulver. (Bild: Jan Bauer / AP)2007 - Die goldene Kambera geht an Liselotte Pulver. (Bild: Jan Bauer / AP)
Porträt von Liselotte Pulver in einer undatierte Aufnahme. (Bild: Keystone / Str)Porträt von Liselotte Pulver in einer undatierte Aufnahme. (Bild: Keystone / Str)
1967 -Liselotte Pulver erhält den «Goldenen Bildschirm», eine Auszeichnung der Zeitschrift «TV Sehen und Hören». (Bild: Keystone / Str)1967 -Liselotte Pulver erhält den «Goldenen Bildschirm», eine Auszeichnung der Zeitschrift «TV Sehen und Hören». (Bild: Keystone / Str)
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90 Jahre Lilo Pulver

Liselotte Pulver erscheint in unauffälliger blau-weiss gestreifter Bluse und dunklen Jeans. Ein Ring mit grossem, blank geschliffenem Stein schmückt die rechte Hand – ein Bergkristall, sagt sie. Die Augen hinter der Brille funkeln, als sie im Gespräch aus ihrem Leben erzählt. Liselotte Pulver wächst in Bern mit zwei älteren Geschwistern auf, Bruder Eugen Emanuel und Schwester Corinne.

Schon in der Schule habe sie auf die Frage nach Berufswünschen jeweils gesagt «Schauspielerin», erzählt sie. Auf Wunsch des Vaters besucht sie aber die Handelsschule, die sie 1948 abschliesst. Darüber sei sie froh, sagt sie, das könne man immer brauchen. Sie nimmt Unterricht bei Schauspieler und Regisseur Paul Kalbeck, der damals an der Berner Schauspielschule unterrichtet.

Schon nach ein paar Monaten darf sie am Stadttheater Bern, später am Schauspielhaus Zürich vorsprechen. Die talentierte Jungschauspielerin erhält vorerst kleine Rollen, in Zürich etwa in «Goethes Faust II».

Vom Theater zum Film

«Eigentlich bin ich Theater-Schauspielerin», sagt Liselotte Pulver. «Dann kam der Film, und ich hatte nur noch Gastrollen.» Dies in verschiedenen Theatern im In- und Ausland, wo sie zahlreiche Titelrollen spielt – etwa Undine in Berlin, Emilia Galotti in Salzburg, Käthchen von Heilbronn in Zürich. Die lange Liste der Liselotte-Pulver-Filme beginnt 1949: In «Swiss Tour» spielt sie unter der Regie von Leopold Lindtberg ein junges Mädchen, das mit amerikanischen GIs auf Schweizer Urlaub flirtet.

Ein unwichtiger Streifen, winkt sie ab. Wirklich begonnen habe es 1950 mit dem Bergdrama «Föhn» an der Seite von Hans Albers. Produziert wird dieser Film von Friedrich A. Mainz von Fama-Film. Der nimmt Liselotte Pulver für dreieinhalb Jahre unter Vertrag – ihr Pensum: drei Filme pro Jahr. Daneben sei sie an andere Filmgesellschaften ausgeliehen worden.

Mitte der 1950er-Jahre avanciert die junge Schauspielerin zum Publikumsliebling im ganzen deutschsprachigen Raum: Als Vreneli in den Gotthelf-Verfilmungen «Uli der Knecht» und «Uli der Pächter» mit Hannes Schmidhauser, als Piroschka in «Ich denke oft an Piroschka» mit Gustav Knuth, in der Fernsehkomödie «Das Wirtshaus im Spessart» und als Juliane Thomas in «Die Zürcher Verlobung» mit Paul Hubschmid.

Abonniert auf die Rolle der burschikosen, jungen Frau

1958 kommt der internationale Durchbruch mit der Hauptrolle in der US-Verfilmung von Erich Maria Remarques Kriegsdrama «A Time to Love and a Time to Die» unter Regisseur Douglas Sirk. Auch in französischen Produktionen ist «die Pulver» bald in tragenden Rollen an der Seite bekannter Darsteller zu sehen, etwa mit Jean Gabin in der französischen Filmkomödie «Monsieur» oder ernster in «La religieuse» an der Seite von Anna Karina.

Persönlich habe sie ernste Rollen bevorzugt, sagt Liselotte Pulver. Mehrheitlich wird sie aber in Komödien besetzt, die sind erfolgreicher. Die «Lilo» ist abonniert auf die Rolle der burschikosen, frechen, jungen Frau. Als Markenzeichen gilt ihr ungestümes, ansteckendes Lachen. «Ich lachte einfach lauter als die anderen, aber sonst nicht anders», wiegelt sie ab. Das «Markenzeichen» habe irgendwer mal aufgebracht.

Hat Liselotte Pulver eine Lieblingsrolle? «Die Piroschka», kommt es wie aus der Pistole geschossen. Und eine Wunschrolle, die sie nie spielen konnte? Auch hier muss sie nicht lange überlegen: «Maria Stuart.» Einzelne Szenen habe sie in ihrer Ausbildung erarbeitet. Dabei sei es leider geblieben.

Auszeichnungen bis zum 89. Geburtstag

Talent und Leistungen von Liselotte Pulver wurden vielfach ausgezeichnet. Auch ihr Lebenswerk wurde mehrfach geehrt, zuletzt 2018 mit einem Bambi – ihrem siebten. Den habe sie bei sich in der Seniorenresidenz, wo sie seit Jahren wohnt, und wo man sie «nicht als etwas Besonderes» betrachte. Alle übrigen Auszeichnungen seien zu Hause, in ihrem Haus am Genfersee.

Auch wenn Liselotte Pulver ein Star war – sie hob niemals ab, wurde keine unnahbare Diva. Eine Zeitlang habe sie noch die eine oder andere Videokassette mit Filmaufnahmen hervorgeholt, wenn Besuch kam, erzählt sie. Aber das mache sie nicht mehr. Wie sie ihren Geburtstag feiert, weiss sie noch nicht. Vielleicht fahre sie nach Hause zu ihrem Sohn, ihrem erwachsenen Enkel, ihrer Schwester.

Das Buch zum 90. Geburtstag

Anhand einer Fülle von Dokumenten aus ihrem umfangreichen Privatarchiv zeichnet Liselotte Pulver ein faszinierendes Bild ihres Lebens. In «Was vergeht, ist nicht verloren», erschienen zu ihrem 90. Geburtstag, erzählt sie aus ihrem Leben.

Zu entdecken sind Erinnerungen, Anekdoten, Fotos, Briefe, aber auch persönliche Notizen und – erstmals veröffentlicht – Aufzeichnungen über ihre Methode, sich Rollen zu erarbeiten. Liselotte Pulver, Sammlerin durch und durch, hat alles aufbewahrt und akribisch abgelegt. Damit hat sie die Grundlage gelegt zur Titel gebenden Erkenntnis, «was vergeht, ist nicht verloren».

Das reich illustrierte Buch ist in kurze Kapitel eingeteilt. Liselotte Pulver gewährt sehr private Einblicke in ihr Familienleben, ihren Werdegang, ihre Begegnungen mit vielen bekannten Persönlichkeiten aus Theater, Film und auch Politik. Dabei spart sie – durchaus selbstironisch – auch Pleiten und Enttäuschungen nicht aus. Zusammen mit ihren Co-Autoren, den Journalisten Olaf Köhne und Peter Käfferlein, hat Liselotte Pulver ein zutiefst menschliches Zeugnis eines reichen Lebens mit vielen Höhenflügen, aber auch manchen Tiefschlägen entstehen lassen.

Es mündet am Schluss des Buches in ihre Antwort auf die Frage, wie sie in Erinnerung behalten werden möchte: «Vielleicht als jemand, der ein gutes Herz hatte». (sda)

Liselotte Pulver: «Was vergeht, ist nicht verloren». Hoffmann und Campe, 232 Seiten.

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