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Lika Nüssli im Postauto: Zufall, Sonne, Regen, Kunst

Ihr Atelier: ein umgebautes Postauto. Die St. Galler Künstlerin Lika Nüssli tourt damit zwei Wochen durch die Schweiz. Der Auftakt in St. Gallen war zuerst beschaulich. Dann brach ein Gewitter über der Künstlerin herein.
Julia Nehmiz
Lika Nüssli (Mitte) mit den Initiatoren Corinne Odermatt und Miguel Onofre: Der Bus ist während zwei Wochen ihr Zuhause und ihr Atelier. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Lika Nüssli (Mitte) mit den Initiatoren Corinne Odermatt und Miguel Onofre: Der Bus ist während zwei Wochen ihr Zuhause und ihr Atelier. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Auf dem grossen Areal am Güterbahnhof fällt das Postauto gar nicht auf. Es schmiegt sich an die alten Lagerhallen an. Gegenüber dem gelben Atelierbau Lattich wirkt der alte Bus fast schon niedlich. Vor dem Postauto ein Berg Tücher, Klappleiter, ein Stapel Holzlatten, eine Wanne mit Farben. Dazwischen Lika Nüssli, in weissen Shorts, weissem T-Shirt. Noch sind sie und ihre Mitstreiter vom Nomadlab am Einrichten.

Nomadlab wurde vor zwei Jahren von Corinne Odermatt und Miguel Onofre gegründet. Sie funktionierten das Postauto zum Atelier um, bauten Sitzreihen aus und eine Küchenzeile ein. Jeweils ein Künstler kann das Postauto als Artist in Residence nutzen.

Lika Nüssli freut sich über das Stipendium. «Es ist spannend, was hier passiert», sagt sie. Zu Hause müsse man sich freischaufeln, werde man oft abgelenkt vom künstlerischen Schaffen.

«Hier kann ich mich dem zwei Wochen hingeben.»

Ziel ist niederschwellige Begegnung mit der Kunst

In einer Nacht hat sie einen Text geschrieben, «friendly shadow», «das hatte sich so angestaut». Jetzt wird sie mit dem Text, Tüchern und Farben arbeiten. Und schauen, wie Besucherinnen und Besucher darauf reagieren. Denn auch das ist Konzept von Nomadlab: In Dialog mit der jeweiligen Umgebung treten und so einen nieder­schwelligen Zugang zur Kunst ermög­lichen.

Doch am Samstagnachmittag sucht in St. Gallen niemand den Dialog. Velofahrer radeln vorbei, eine Touristengruppe wird durch den Lattich-Bau geführt, auf der Kneipenterrasse sitzen viele bei Kaffee und Bier. Musik und Stimmengewirr wehen herüber. Keiner kommt, um zu schauen, was Lika Nüssli da treibt.

Ihr ist das ganz recht. Erst mal in Ruhe ankommen, sich und das Material sortieren. Sie hat viel eingepackt, «Tonnen von Material», sagt sie und grinst. Sie breitet ein Leintuch aus, mischt Farben in ein Glas, verdünnt das Rostrot mit Wasser. Dann greift sie zum Pinsel und legt los.

Tapfer setzt sie sich dem Regensturm aus

Sie sei am glücklichsten, wenn sie am Ar­beiten sei, sagt sie. Angst vor der weissen Leinwand hat sie nicht, Druck verspürt sie keinen.

«Ich weiss, dass Sachen entstehen werden. Ich finde schön, dass ich nicht weiss, was entstehen wird, dass ich mich selber überrasche.»

Am Abend steht eine Performance an. Ein Dutzend Leute kommen, die meisten sind Freunde und Bekannte. Lika Nüssli hat Tücher aufgehängt, aus Latten eine Skulptur gebaut, Farben und Textblätter verteilt. Marc Jenny begleitet sie auf dem Kontrabass.

Kaum haben sie ­begonnen, fegt ein Regensturm über die Installation hinweg. Lika Nüssli bleibt tapfer, setzt sich den Regenschauern und Blitzen aus, drapiert ihre triefenden Tücher mit verlaufenden Farben um sich und um die Skulptur. Und gibt so eine berührende Antwort auf die Frage: Was ist Kunst? Antwort: Wenn man es macht.

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