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Lika Nüssli bringt Pariser Brunnen zum Fliessen

Im Nextex stellen sechs Kunstschaffende aus, die in den letzten Jahren in Paris einen Atelieraufenthalt verbringen durften. Im August zurückgekehrt ist Lika Nüssli. Sie erzählt von ihren Erfahrungen.
Christina Genova
Lika Nüssli (Bild: Herbert Weber)

Lika Nüssli (Bild: Herbert Weber)

300 Künstlerinnen und Künstler aus 90 Ländern mitten in Paris, eine davon ist Lika Nüssli: «Am Anfang war ich überfordert», gesteht die St.Gallerin. Das sollte sich ändern. Erste Kontakte zu anderen Künstlern knüpfte sie in einem offenen Tanztraining. Dort lernte sie auch die belgische Filmerin Isabelle Tollenaere kennen, mit der sich eine Freundschaft und künstlerische Zusammenarbeit entwickelte.

Im August ist Lika Nüssli aus Paris zurückgekehrt, wo sie für fünf Monate in der Cité des Arts lebte, einem Campus für Künstler im Quartier Marais. Jedes Jahr können sich auch Künstler aus der Ostschweiz für einen Aufenthalt in Paris bewerben. Sie werden von einer Jury ausgewählt.

Filmstill aus Lika Nüsslis Videoperformance «Fontaine de femme» in Ivry-sur-Seine bei Paris. (Bild: Isabelle Tollenaere/PD)

Filmstill aus Lika Nüsslis Videoperformance «Fontaine de femme» in Ivry-sur-Seine bei Paris. (Bild: Isabelle Tollenaere/PD)

Paris als Katalysator

Das Atelierstipendium wird getragen von der Hedwig-Scherrer-Stiftung und Visarte Ost, dem ­Berufsverband der bildenden Künstler. Ausserdem beteiligen sich alle vier Ostschweizer Kantone und das Fürstentum Liechtenstein daran. Im St.Galler Ausstellungsraum Nextex stellen derzeit die Stipendiaten der letzten fünf Jahre aus: Marianne Rinderknecht, Anna Hilti, Christian Hörler, Sebastian Stadler, Beate Frommelt und Lika Nüssli.

Als Lika Nüssli diesen April nach Paris kam, war sie erschöpft. Gerade hatte sie das Buch über ihre demenzkranke Mutter abgeschlossen und ein Projekt mit dem Theater Luzern realisiert. Sie habe sich deshalb für die Cité des Arts nichts Konkretes vorgenommen, denn das Stipendium ist an keine Bedingungen geknüpft: «Ich schätzte diesen Freiraum.» Sie genoss es, ganz in ihre Arbeit einzutauchen, ohne die Verpflichtungen und Ablenkungen des Alltags. Paris habe auf ihre Arbeit wie ein Katalysator ­gewirkt: «Zu Hause ist es schwieriger, neu zu denken.»

Nach zwei Monaten hatte sie Lust, sich auf etwas Neues ein­zulassen. Schon in der Schweiz hatte sie begonnen, im öffentlichen Raum zu arbeiten. Diese «Actions dehors» setzte sie in Paris fort und bemalte an verschiedenen Orten der Stadt Tücher, beim Louvre und Palais de Tokyo ebenso wie bei den Schlafplätzen der Obdachlosen und beim Canal St.Martin, wo Flüchtlinge ihre Zelte aufgeschlagen hatten. Die bemalten Tücher wusch sie andernorts wieder aus. Einmal kam ihr ein Strassenarbeiter mit seinem Hochdruckreiniger zu Hilfe.

Im Nextex zeigt Lika Nüssli die zweiteilige Videoperformance «Fontaine de femme» die an einem ihrer letzten Tage in Paris entstanden ist. Frühmorgens noch vor sechs Uhr unternahm sie einen Morgenspaziergang nach Ivry-sur-Seine. In einem heruntergekommenen Park stiess sie zufällig auf einen treppenartigen Brunnen aus weissem Marmor in Form einer Frau. Wasser floss keines und Lika Nüssli beschloss, den stillgelegten Brunnen wiederzubeleben.

Die Antwort des Brunnens

Mit dem Velo transportierte sie literweise Wasserflaschen dorthin und begann, eines ihrer ­bemalten Tücher auszuwaschen. Ihre Freundin Isabelle filmte die Performance. Zwei Tage später kehrten die beiden für eine zweite Aktion zurück. Nun wollten sie dort ein weisses Laken einfärben. Und plötzlich, um acht Uhr, begann das Wasser zu fliessen: «Es war die Antwort des Brunnens.»

Trotz des holperigen Anfangs sagt Lika Nüssli: «Es war eine wahnsinnig tolle Zeit in Paris.» Es war ihr erster Atelieraufenthalt überhaupt – eine Erfahrung, die sie wieder machen möchte.

Bis 23.11.18; Do 19–22 Uhr, Fr, 11–15 Uhr. www.nextex.ch

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