Lifestyle für die Haare

Draussen brummen die Automotoren, drinnen die Föhne. Um sie dreht sich hier alles. Haare waschen, föhnen – und aussehen wie eine Diva. Blow dry nennt sich das. Nach New York, London und Berlin ist der Trend in Zürich angekommen. Bei Art of Ghel an der Talstrasse.

Diana Bula
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Ivo Aeschlimann bringt Julliana Schmidlins Haare in Schwung. (Bild: dbu)

Ivo Aeschlimann bringt Julliana Schmidlins Haare in Schwung. (Bild: dbu)

Draussen brummen die Automotoren, drinnen die Föhne. Um sie dreht sich hier alles. Haare waschen, föhnen – und aussehen wie eine Diva. Blow dry nennt sich das. Nach New York, London und Berlin ist der Trend in Zürich angekommen. Bei Art of Ghel an der Talstrasse.

Die Türe öffnen und eintreten, in die Welt von Figaro Ivo Aeschlimann. «Hi, I'm Noriko», stellt sich eine Frau (aus Tokio) mit Klamotten und einem Gesicht wie aus dem Modemagazin vor. Dann gibt sie je einen Tropfen Öl auf jedes Handgelenk der Kundin. Welches riecht sie lieber? Noriko verteilt das bevorzugte Öl auf der Kopfhaut, beginnt zu massieren. Nach Shiatsu. Zuerst kreisende Bewegungen, dann drückt sie gegen den Kopf, mit den Fingern, den Handballen, der ganzen Hand. Die Massage wirkt zusammen mit dem Dröhnen der Föhne einschläfernd. Mehr noch als um Entspannung geht es um die Kopfhaut. Sie soll so von Schuppen und Fett befreit werden.

Nach dem Haarewaschen: Duy (aus Zürich) naht mit einem Tablet-Computer. Darauf zu sehen sind die möglichen Styles: Hollywood, Red Carpet, Pillow Talk (natürliche Wellen), Sweet Silk (glatt). Wenn schon, denn schon. Red Carpet muss es sein. Duy grinst – und föhnt das Haar mit mehreren Bürsten gleichzeitig. Ist eine Strähne trocken, dreht er die Bürste ein und lässt sie baumeln. Mit der Zeit ähnelt man einem behangenen Christbaum. «Wir versuchen, ohne Föhnhaube, Lockenstab und Glätteisen zu arbeiten», sagt Aeschlimann. Er wolle dem Haar die natürliche Form zurückgeben. Nach Jahren des Glatt-Looks seien viele Frauen dankbar dafür.

Haare statt Mittagessen

Zum Coiffeur, um sich mal rasch die Haare waschen und föhnen zu lassen: Das kennt man von Rentnerinnen, die nicht mehr sehr beweglich sind. Auch Gattinnen betuchter Männer gönnen sich diesen Luxus. Weder um Luxus noch um ein nötiges Übel gehe es bei ihm, sondern um Lifestyle für alle, sagt Aeschlimann. Schliesslich sitzt man hier in einer loungeartigen Umgebung, trinkt Tee oder Cüpli, hört chillige Musik – und hat als Sitznachbarin auch mal eine Frau, die man bisher nur aus dem TV oder der Presse gekannt hat. Irina Beller, Gattin des Baulöwen Walter Beller, lässt sich die Haare machen und streckt gleichzeitig ihre Finger für die Manicure hin. Und Julliana Schmidlin aus Basel sagt: «Hier kapsle ich mich vom Alltagsstress ab. Lieber leiste ich mir Blow Dry, statt Geld für ein teures Mittagessen auszugeben.»

Bisher sei im Geschäft (Eröffnung war vor zwei Wochen) hauptsächlich Englisch gesprochen worden, so Aeschlimann. «Für Amerikanerinnen und Engländerinnen ist es üblich, sich für ein normales Essen die Haare machen zu lassen. Das Haar ist der schönste Schmuck der Frau.» Schweizerinnen brauchen wohl noch etwas Zeit.

Kontraproduktiver Regen

Unterdessen sind die Bürsten vom Kopf runter. Der Ansatz ist (leider) toupiert. Aber das Haar funkelt, lockt sich üppig, ähnlich jenem von Sternchen an Galas. An der Bahnhofstrasse fühlt man sich – unter all den Aufgedonnerten – gut aufgehoben. Wäre nur der Regen nicht. Zurück in St. Gallen, haben die Locken an Sprungkraft eingebüsst. Schade, jetzt, wo die Frisur die Triste-Wetter-Laune etwas aufgehellt hätte. Fazit: Wer ohnehin nach Zürich fährt, sich in Shops aber über das Gedränge nervt, legt besser eine Lifestyle-Pause ein. Zum Beispiel bei Ivo Aeschlimann.

www.ghel.ch; Blow Dry (auch für Männer) für Fr. 40.–

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