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Im Thurgauer Kunstmuseum kann man den Künstlern beim Kunstmachen zuschauen

Die Künstlergruppe Cosmos bereitet während drei Wochen vor Ort die Ausstellung «Superhaufen» vor. Beteiligt sind auch zwei Frauenfelderinnen.
Christina Genova
Tea Hatadi, Diana Becerra Guzmán, Esneider Gamboa Burbano, Mirjam Wanner von der Künstlergruppe Cosmos (v.l.) vor der leeren Wandtafel. Bild: Andrea Stalder

Tea Hatadi, Diana Becerra Guzmán, Esneider Gamboa Burbano, Mirjam Wanner von der Künstlergruppe Cosmos (v.l.) vor der leeren Wandtafel. Bild: Andrea Stalder

Noch ist sie leer, die riesige Wandtafel im Planetarium. So haben die Künstler der Gruppe Cosmos ihren gemeinsamen Arbeits- und Denkraum im Thurgauer Kunstmuseum getauft. Der Wandtafel wird in den nächsten drei Wochen eine wichtige Rolle zukommen als Ort, wo man Gedanken und Skizzen hinterlassen kann. Denn das Museum wird in dieser Zeit zum Atelier für die zwölf Künstlerinnen und Künstler aus Kroatien, der Schweiz und Kolumbien, darunter die Frauenfelderinnen Almira Medaric und Mirjam Wanner.

Nebst dem Planetarium gibt es einen mit «Void» beschrifteten, abgedunkelten Raum, wo mit Projektionen experimentiert wird, und den «Orbit», dessen Wände für Hängungen genutzt werden. Der Gang schliesslich ist mit «Event horizon» – Ereignishorizont – betitelt. Die astronomischen Begriffe beziehen sich auf den Namen der Gruppe und sind eine Spielerei, sollen aber auch eine erste Struktur vorgeben. Denn die Ausstellung «Superhaufen» wird vor Ort entwickelt: «Wir produzieren nicht Werk um Werk, sondern etwas Gemeinsames», sagt Projektleiterin Mirjam Wanner. Und Stefanie Hoch, die Kuratorin der Ausstellung, ergänzt:

«Es geht um den Prozess, der Output ist nicht so wichtig.»

Performance von Esneider Gamboa Burbano in der Greta Gallery in Zagreb, 2017. (Bild: Jurana Hraste)

Performance von Esneider Gamboa Burbano in der Greta Gallery in Zagreb, 2017. (Bild: Jurana Hraste)

Die eigene Komfortzone verlassen

Bis zur Vernissage am 5. Oktober kann man den Künstlerinnen und Künstlern jederzeit beim Kunstmachen zuschauen – ein Experiment und eine Premiere auch fürs Museum: «Es ist speziell, dass wir unsere Räume für einen Monat abgeben», sagt Stefanie Hoch. Die Interaktion mit den Besuchern ist erwünscht: Einen ersten Eindruck von Cosmos kann man sich an der heutigen Auftaktveranstaltung verschaffen; ausserdem finden zwei moderierte Begegnungen statt (19.9./26.9., 17–19 Uhr). «Wir hoffen, dass die Besucher uns Ideen und Inputs liefern», sagt Tea Hatadi. Die kroatische Künstlerin hat mit ihrem Kollegen Bojan Mucko das Konzept für Cosmos geschrieben.

Formiert hat sich die Gruppe vor drei Jahren in Frauenfeld. Die Künstlerinnen und Künstler nahmen damals unabhängig voneinander am internationalen Kooperationsprojekt «meer teilen – share more» teil, das im Shed Frauenfeld und in der Kartause Ittingen stattfand. Man verstand sich gut: «Alle wollten, dass es weitergeht», sagt Tea Hatadi.

Cosmos steht für «Center of Sound, Margin of Silence», zu Deutsch «Vom Zentrum des Klangs an den Rand der Stille». Der Name nimmt Bezug auf die Anfänge der Gruppe, die mit einer gemeinsamen Recherche über die Geräuschlandschaften von urbanen und ländlichen Räumen entstand. Erste Atelieraufenthalte von Cosmos fanden 2017 in Kolumbien und Kroatien statt, 2018 gab es eine Präsentation im Merkurgarten in Zürich. Nach Warth ist «Superhaufen» im November im St.Galler Nextex zu Gast.

Sylvia Jaimes nimmt Vogelstimmen im Seebachtal auf, Kanton Thurgau im Mai 2019. (Bild: Mirjam Wanner)

Sylvia Jaimes nimmt Vogelstimmen im Seebachtal auf, Kanton Thurgau im Mai 2019. (Bild: Mirjam Wanner)

Zwitschern wie die Vögel

Ganz mit leeren Händen sind die Künstlerinnen und Künstler nicht angereist, alle haben ein Konzept für ihren Aufenthalt in Warth eingereicht. Die Kolumbianerin Sylvia Jaimes plant einen Ad-hoc-Chor. Es sollen Lieder einstudiert werden, die auf dem Gezwitscher von heimischen Vögeln basieren (Anmeldung: sekretariat.kunstmuseum@tg.ch).

Auch ihr Landsmann Esneider Gamboa Burbano plant, mit Vogelstimmen zu arbeiten. Über kleine Lautsprecher will er Vögel aus seiner Heimat mit Schweizer Artgenossen in den Dialog treten lassen. Ausserdem hat er eine Performance in Planung mit Schutz- und Reinigungs­ritualen, die von Indigenen in­spiriert sind. Diana Becerra Guzmán erkundet die Thur mit der Videokamera. Und Josip Zanki und Falk Messerschmidt untersuchen, was wäre, wenn die Kartäusermönche nach Warth zurückkehrten.

Doch was hält diese sehr heterogene Gruppe zusammen? Eine Frage, die sich Mirjam Wanner schon oft gestellt hat. Sie glaubt, dass es die Möglichkeit ist, sich mit Menschen aus anderen Ländern, mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund auszutauschen:

«Man lernt sehr viel über andere Realitäten, verlässt die eigene Komfortzone. Und man lernt sehr viel über sich selbst.»

Auftakt: Heute, 19 Uhr, Vernissage: 5.10, 19 Uhr.

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