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Lieder nach Kühlschrankprinzip

Sänger Henning May macht in den Liedern von AnnenMayKantereit keine grossen Worte, bringt das Lebensgefühl vieler Jugendlicher um die zwanzig jedoch auf den Punkt. Das Débutalbum der Kölner kommt auch in der Schweiz an.
Reinhold Hönle

Henning May, in Deutschland seid Ihr von 0 auf 1 gestürmt, Eure Konzerte sind überall ausverkauft. Ist damit schon erreicht, wovon Ihr geträumt habt?

Henning May: Ein bisschen schon. Allerdings habe ich nie von dieser Chartposition geträumt, sondern einfach, einmal von der Musik leben zu können. Das ist momentan der Fall. Ich möchte das aber langfristig schaffen.

Haben Sie angesichts des Rummels um die Band überhaupt noch ein Privatleben?

May: In den letzten zwei Jahren gab es wohl kaum einen Tag, an dem ich mich nicht mit Musik beschäftigt habe, aber es gibt auch andere Dinge, die mir wichtig sind. Ich treibe gerne Sport, würde gerne noch besser jonglieren lernen und mehr lesen, vielleicht auch mal selbst einen längeren Text schreiben.

Ihr Talent mit Worten stellten Sie auch schon als Kabarettist unter Beweis. Wie kam es dazu?

May: Nach dem Abitur bin ich auf Kleinkunstbühnen aufgetreten, um etwas Geld zu verdienen. Die Kabaretttexte waren meine Reaktion auf die politische und gesellschaftliche Realität. Dagegen dienen die Songtexte mehr, mit Hilfe der Musik vor dieser Welt ins Private zu flüchten.

Habt Ihr bewusst YouTube als PR-Konzept gewählt, um lange unabhängig bleiben zu können?

May: Wir haben nie nach einem Konzept gehandelt. Wir machen handgemachte Musik mit richtigen Instrumenten und deutschen Texten nicht, weil der Markt danach verlangt hat. Uns liegt von den WG das Kühlschrankprinzip näher: Wir schauen, was es drin hat, und machen das Beste draus; sprich wir nutzen als Musiker, was uns zur Verfügung steht. Und weil wir einen Kumpel hatten, der Lust hatte, Videos mit uns zu drehen, stellten wir diese ins Netz und konnten dank der Publizität länger reifen, bevor wir einen Plattenvertrag unterschrieben.

Worauf legen Sie bei Ihren Texten besonders Wert?

May: Wesentlich ist, dass ich die Notwendigkeit verspüre, über ein Thema zu schreiben. Ich muss einen persönlichen Bezug haben. Ausserdem mag ich Texte, die der gesprochenen Sprache entlangführen. Ich orientiere mich am WG-Mitbewohner oder Kumpel, nicht an der französischen Lyrik des 18. Jahrhunderts. Das hat uns den Vorwurf eingetragen, dass unsere Texte nur Fragen stellen und keine Antworten liefern würden.

Können Sie ein Beispiel machen?

May: Wenn ich in «Neues Zimmer» singe, ich habe nur ausgepackt, nicht eingeräumt, will ich nicht zum Aufräumen mahnen. Das beschreibt meine Befindlichkeit nach dem Ende einer Beziehung und vor einem Neuanfang.

Diese zweite Ebene scheint gerade auch Ihre Qualität zu sein.

May: Das freut mich! Von mir aus muss ein Song nicht allen, die ihn hören, jede seiner Bedeutungen offenbaren und schon gar nicht auf Anhieb. Das gilt auch für die Lieder mit verbundenen Zeilen. In «Pocahontas» heisst es, «Es ist mir egal, wo du gerade pennst», und in «Mir wär's lieber, du weinst», singe ich «Ich will nicht mehr wissen, wo du pennst». Ich habe bewusst ähnliche Formulierungen gewählt, weil meine Gedanken monatelang um die gleiche Person kreisten, und nicht, weil mein Vokabular beschränkt ist, wie manche Journalisten schreiben.

Eure Konzerte in Basel und Zürich sind ausverkauft, im Sommer spielt Ihr am OpenAir St. Gallen und auf dem Gurten. Worauf freut Ihr euch?

May: Wenn ich in der Schweiz vor 100 Leuten auftrete, kriege ich besseres Essen als in Deutschland. Das Publikum scheint ebenfalls eher noch bereit zu sein, für Musik Geld auszugeben. Lustig finde ich, dass es bei euch eine Dezibelbeschränkung gibt. Die Konzerte sind immer sehr leise und die Menschen hören aufmerksamer zu.

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