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LIED: «Ich suche auch positive Farben»

Der aus Teufen stammende Bariton Manuel Walser singt am Sonntag in St. Gallen Schuberts «Winterreise». Die dunklen Lieder verlangten nach Einfachheit, sagt der Sänger der Wiener Staatsoper.
Martin Preisser
Zwischenstopp in der Heimat: Für Manuel Walser, hier vor der Tonhalle St. Gallen, hat ein Liederabend viel mit Hingabe zu tun. (Bild: Michel Canonica)

Zwischenstopp in der Heimat: Für Manuel Walser, hier vor der Tonhalle St. Gallen, hat ein Liederabend viel mit Hingabe zu tun. (Bild: Michel Canonica)

Martin Preisser

martin.preisser@tagblatt.ch

Wenn er über Franz Schubert spricht und über die Kunst des klassischen Liedgesangs, ist Manuel Walser kaum zu bremsen. Mit dem Lied hat seine Laufbahn begonnen und bis heute ist es seine grosse Leidenschaft geblieben, obwohl er seit 2015 als festes Mitglied an der Wiener Staatsoper seinen sängerischen Weg geht. «Intelligenz kann einem beim Interpretieren auch in den Weg kommen», sagt der aus Teufen stammende Bariton und erklärt den Prozess des Loslassens während des Konzerts selbst, den Moment, in dem auch beim Auftritt noch etwas Neues, Unerwartetes, Spannendes geschieht.

Die dunklen 24 Lieder der «Winterreise» nach Gedichten von Wilhelm Müller, verlangten nach Einfachheit, sagt Manuel Walser, der in diesem Zyklus aber auch die positiven Farben sucht. «Ich muss die Menschen mit einer gewissen Natürlichkeit berühren.» Mit dieser Haltung ist er schnell bei seinem ehemaligen Lehrer Thomas Quasthoff. Mit 18 Jahren hat sich Manuel Walser im vorarlbergischen Schwarzenberg, Zentrum der Schubertiade, bei diesem einzigartigen Sänger zu einem Meisterkurs angemeldet. Mit Schuberts «Winterreise» im Gepäck.

Viel von seinem Lehrer Thomas Quasthoff gelernt

Recht vermessen sei das gewesen, sagt Manuel Walser heute und ist nach diesem Kurs doch von Quasthoff eingeladen worden, bei ihm in Berlin zu studieren. «Von Thomas Quasthoff habe ich die Präsenz im Raum gelernt. Er arbeitet mit dem Raum während eines Liederabends und bindet das Publikum ein, um es gemeinsam auf die Reise durch die Liederlandschaften wirklich mitzunehmen», sagt Manuel Walser. «Er hat mich sehr geprägt und ist mir mit seiner nicht verkopften Art, ans Lied heranzugehen, Vorbild geworden.»

Oper spielte in Walsers Studienjahren eher eine weniger wichtige Rolle. Das lebt er jetzt in Wien an der Staatsoper intensiv aus. «Rasch konnte ich dort Selbstvertrauen aufbauen. Und ich habe gelernt, in kürzester Zeit etwas zu erarbeiten.» Der extrem schnelle, dichte Opernbetrieb helfe ihm auch bei der Arbeit mit dem Lied. Nicht zuletzt auch für die Kondition, die man brauche, um einen Zyklus intensiv und in grossen Bögen zu gestalten.

«Ein Liederabend hat auch etwas Reformatorisches»

Manuel Walser schildert die wichtige Arbeit mit dem Text und die Übung der Rezitation. «Ich muss, erst einmal losgelöst von der Musik, mit dem Text spielen, seine Möglichkeiten ausloten.» Und immer wieder fällt der Begriff der Natürlichkeit. «Ein Liederabend hat auch etwas Reformatorisches, ich nehme mich als Person zurück.» Letztlich müsse eine «Winterreise» einfach wirken, sagt der 29-Jährige. «Ein intimer Liederabend hat viel mit Hingabe zu tun, die bei mir, aber auch beim Zuhörer vorhanden sein muss.»

Liederabende sind im schnellen, oft auch äusserlichen Musikbusiness nicht einfach zu verkaufen. Und sie sind nicht lukrativ. Für die Auftritte in Zürich, Basel und St. Gallen fiel für Manuel Walser viel Organisationsarbeit an. «Vielleicht sind Liederabende heute nicht mehr zeitgemäss, oder sie sind eben gerade wieder zeitgemäss», sagt der so natürlich wie ansteckend unbeschwert von der Musik erzählende Sänger. «Ein Liederabend bietet in unserer schnelllebigen Zeit die Möglichkeit, etwas sehr Persönliches und Intimes zu erleben und sich wirklich wieder einmal auf etwas einzulassen.» Wichtiger Partner und gleichberechtigter Mitgestalter bei der «Winterreise» ist der Pianist. Vom Dialog mit ihm hängt Entscheidendes ab. Mit Alexander Fleischer hat Manuel Walser den pianistischen Assistenten von Thomas Quasthoff mit im Boot.

HinweisKonzerte: • Mi, 28.2., 19.30 Uhr, Kirche St. Peter, Zürich • So, 4.3., 18 Uhr, Tonhalle, St. Gallen manuel-walser.com

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