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Liebevolle Hommage an Liechti

Nach den Festivals von Solothurn und Rotterdam ist die Installation «Dedications» zum Vermächtnis von Peter Liechti nun im St. Galler Kulturraum zu erleben. Ein beeindruckendes Erbe, begleitet von erlesenen Veranstaltungen.
Andreas Stock
Faszinierendes filmisches Triptychon: «Dedications – Die Installation» gibt einen tiefen Einblick in die Bilderwelt von Peter Liechti. (Bild: Michel Canonica)

Faszinierendes filmisches Triptychon: «Dedications – Die Installation» gibt einen tiefen Einblick in die Bilderwelt von Peter Liechti. (Bild: Michel Canonica)

ST. GALLEN. Wie geht man mit so einem Vermächtnis um? Bis zuletzt hatte der St. Galler Filmemacher Peter Liechti am Projekt «Dedications» («Widmungen») gearbeitet. Das Fortschreiten seiner Krankheit hatte ihn jedoch gezwungen, die erst als Trilogie angelegten Essays über Robert Walser, Vincent van Gogh und einen Häuptling im Südsudan auf einen Film zu verdichten. Aber auch dieses Werk blieb ein Fragment: am 4. April 2014 ist der Filmemacher gestorben.

Multimedial aufgearbeitet

Seine Partnerin Jolanda Gsponer stand vor der Frage, was mit dem Erbe geschehen soll. Und ist darin zu beglückwünschen, dass sie das Material öffentlich macht – jedoch nicht jemand anderen das Fragment bearbeiten lassen wollte. Zu persönlich war das Thema, zu prägnant die Handschrift Liechtis. Vielmehr macht sie das umfangreiche Material, in Zusammenarbeit mit Weggefährten des Regisseurs, auf verschiedene Weise zugänglich. Es gibt ein schönes, bei Scheidegger & Spiess erschienenes Buch mit den Tagebuch-Texten und Filmstills. Beigelegt ist dem Buch eine DVD mit dem 15minütigen Anfang des unvollendeten Films. Ausserdem gibt es den 50minütigen Film «Dedications – die Lesung». Er zeigt die komplette Lesung des schonungslosen Spitaltagebuchs, das Liechti im Atelierhaus Bierli in Wald AR aufgenommen hat (Ausgabe vom 25.1.2016). Und es gibt als Drittes, als Herzstück der Ausstellung, «Dedications – die Installation».

Wunderbarer Schlusspunkt

Die vom Künstler Yves Netzhammer konzipierte Installation besteht aus drei aneinandergereihten Leinwänden, die von beiden Seiten zu betrachten sind. Dazu eine separate, abgetrennte Projektion mit der Lesung der Spitaltagebücher, die mit Kopfhörern angehört werden kann. Die drei Projektoren auf Vermessungsstativen und die Leinwände sind so ausgelegt, dass sie schnell und einfach aufgebaut werden können. Nach der Premiere an den Filmtagen Solothurn und dem Filmfestival Rotterdam ist die Installation jetzt erstmals ausserhalb eines Festivals zu erleben. Und sie kommt im grosszügigen Kulturraum – der hiermit leider ein letztes Mal vom Amt für Kultur des Kantons bespielt werden kann – sehr viel schöner zur Geltung als noch im beengten Raum in Solothurn.

Triptychon mit Sogwirkung

Auf den drei Leinwänden ist das Rohmaterial zu sehen, das Peter Liechti für «Dedications» verwenden wollte und das auf drei thematisch unterschiedlichen Bildsträngen beruht. Erstens: schwarz-weisse, körnige und flackernde Super-8-Bilder, die Liechti in der Ostschweiz aufgenommen hat. Ein «persönlicher Blick auf die Natur und den Alltag auf dem Land», wie er es beschreibt. Zweitens: die nüchternen, oft nächtlichen Aufnahmen aus dem Triemlispital. Und drittens: jenes Material, dass er Ende der 90er-Jahre im Südsudan und in Namibia drehte sowie in Ausstellungen und Museen in Frankreich und Belgien. Jolanda Gsponer hat gemeinsam mit der Cutterin Annette Brütsch aus dem Rohmaterial je einen Zusammenschnitt gefügt, die als Loop abgespielt werden. So entsteht ein beeindruckender, suggestiver Fluss; ein Triptychon aus Bildern, deren Geschichten jeder selbst im Kopf zusammenfügen kann. Ihr Rhythmus sowie die gelegentliche Unterbrechung mit roten «Pausenbildern» entwickelt einen faszinierenden Sog.

Persönliche Gegenstände

Die St. Galler Ausstellung baut diese Hommage an Peter Liechti zu einer erlesenen, liebevollen «Dedication» aus: Mit einem hochkarätigen Begleitprogramm und einem zusätzlichen Ausstellungsobjekt. Jenem als «Wegstücke» betitelten Schaukasten, den Liechti 2012 in Herisau gestaltet hatte. Er enthält persönliche Gegenstände, die für je einen seiner Filme stehen. Darunter beispielsweise eine Pfanne mit Brandloch, die aus «Signers Koffer» stammt.

Bis 22. Mai, Kulturraum am Klosterplatz, St. Gallen, Mi–So 12–17, Do 12–20 Uhr; Eintritt frei

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