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Liebeswahn tiefgekühlt

LESBAR KALTBLÜTIG
Hansruedi Kugler
Bild: Hansruedi Kugler

Bild: Hansruedi Kugler

LESBAR KALTBLÜTIG

Wenn man Michel Houellebecq bitten würde: Schreiben Sie einen Roman wie «Fifty Shades of Grey», dann käme dabei wohl ein Buch wie dasjenige von Corinna T. Sievers heraus: Rabenschwarz in der Sicht auf Beziehungen, hyperintelligent in der psychologischen Analyse, gnadenlos indiskret in der Beschreibung sexueller Praktiken. Margarete, Mitte 40, erfolgreiche Schönheitschirurgin in Zürich, ist magersüchtig, frigid, einsam und hält sich für missgestaltet. Eine düstere Seele mit glasklarem, klinischem Blick auf sich selbst und auf die Männerwelt – eine tiefgekühlte Rationalistin. Ein früher Missbrauch durch ihren Vater ist die einzige Erklärung für ihren Selbstekel. Sie beschliesst zu lieben, was ihr aber nur in der Rolle der masochistischen Dienerin möglich ist und was am Ende scheitern muss. Ihr Liebesobjekt ist der ältere Professor Hans Heinrich, Spezialist für Brustchirurgie – ein zwanghafter Lebemann mit exzessivem Viagra-Konsum. Was Sievers von Houellebecq unterscheidet: Die klirrende Kälte ihres Erzählstils seziert den Liebeswahn und die Sexualität absolut überzeugend, anders als Houellebecq bindet sie diese Beschreibung aber an keinerlei Gesellschaftsanalyse.

Corinna T. Sievers: Die Halbwertszeit der Liebe. Roman. Frankfurter Verlagsanstalt, 300 S., Fr. 31.90.

In Champagnerlaune

Amélie Nothomb ist nicht nur eine grandiose Schriftstellerin, sondern auch eine der schillerndsten Figuren der französischen Literaturszene. Ihre grosse Fangemeinde überrascht sie nun mit einem schmalen Roman, in welchem sie eine süffige Champagnerphilosophie ausbreitet, vor allem aber ihre schillernde Freundschaft mit einer jungen Saufkumpanin beschreibt. Die junge Pétronille ist eine hochtalentierte Jungautorin und Kommunistin mit aufbrausendem Temperament. Mit ihr zieht die einige Jahre ältere Amélie Nothomb, die sich selbst als antriebslos bezeichnet, durchs Pariser Nachtleben, in französische Skiorte und über die Jahre hinweg von Roman zu Roman. Ein luftiger Roman mit leichtfüssig-bissigen Passagen.

Amélie Nothomb: Die Kunst, Champagner zu trinken. Roman. Diogenes. 144 S., Fr. 28.90.

Bild: Hansruedi Kugler

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