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LIEBESGESCHICHTE: Kummers tragische Geschichte

Der Skandaljournalist Tom Kummer hat ein hartes, ehrliches Buch geschrieben über den Tod seiner Frau und die Liebe zu ihr. Dabei bleibt er sich treu. Der Roman «Nina & Tom» enthält Plagiate.
Raya Badraun

Nina ist anders als Tom. Aus ihrem Leben macht sie ein Geheimnis. Sie baut Mauern auf mit ihrem eisigen Blick, den Fantasieuniformen und ihrer Härte. Sie lässt niemanden an sich heran. Das Innerste will sie für sich bewahren. «Sie wird mich umbringen, wenn sie jemals davon erfährt», steht deshalb auch am Ende des Romans «Nina & Tom». Trotzdem hat der ehemalige Journalist Tom Kummer im neusten Buch seine Liebesgeschichte mit Nina aufgeschrieben. Denn Nina, seine Ehefrau, die im Buch so unangreifbar wirkt, ist tot. Sie starb im September 2014 an Krebs. Die letzten Tage ihres Lebens, der aussichtslose Kampf gegen die Krankheit, sind dann auch der Ausgangspunkt der Geschichte. In ihrer Wohnung in Los Angeles versucht Tom trotz des grossen Leids Normalität zu wahren, für sich, für seine beiden Söhne. Kummers Blick auf diesen Alltag zwischen Schmerz, Schule und Erdbeer-Smoothie ist zuweilen hart. Immer wieder spricht er aus, was andere tabuisieren, etwa die sexuelle Anziehungskraft seiner Geliebten. Trotz der schweren Erkrankung lässt diese nicht nach. Er sehnt sich nach Intimität. Immer öfters lässt er deshalb morgens seine Hand zwischen ihre Beine gleiten. «Vielleicht will ich nur testen, was ihre Leblosigkeit noch zulässt», schreibt Kummer. Früher war Nina hemmungslos, unberechenbar. Doch das ist lange her. «Jetzt liegt sie einfach da. Speichel läuft aus ihrem Mundwinkel.»

Auf- und Abstieg als Starjournalist

Diese schonungslose, zuweilen verstörende Offenheit zieht sich durch das ganze Buch, von Barcelona, wo sich das Paar kennen lernt, über Berlin bis nach Los Angeles, wo sie die letzten Jahre verbringen. Es ist eine Liebesgeschichte zwischen den Extremen: Sex. Drogen. Verzweiflung. Am Rande ist es jedoch auch die Geschichte von Tom Kummer und seinem Auf- und Abstieg als Starjournalist. Seine Muse war Nina. Sie hatte ihn, den Tennisspieler und Tagebuchschreiber, davon überzeugt, in Magazinen zu veröffentlichen. Mit einem Text über die Zuschauer bei einem Tennisturnier, der mehr Kurzgeschichte als Reportage war, kam er zu den ersten Aufträgen.

Die Reportagen und Interviews waren aussergewöhnlich – auch weil er sich nicht an Grenzen hielt. Wie sich später herausstellte, waren die Interviews mit Pamela Anderson und anderen Promis frei erfunden. Nicht nur bei seiner eigenen Fantasie bediente er sich, oft klaute er auch bei Kollegen oder in Sachbüchern. Seine Artikel waren eigentliche Collagen. «Bad Boy» wurde er genannt und erhielt fortan keine Aufträge mehr. Wahrscheinlich auch deshalb ist sein neustes Buch keine Biografie. «Roman» steht auf dem Buchdeckel – in weiser Voraussicht. Denn Tom Kummer hat sich nicht verändert. Auch in seiner eigenen Lebens- und Liebesgeschichte blieb er nicht bei seinen eigenen Worten. Wie die «Süddeutsche Zeitung» in diesen Tagen berichtete, bediente sich Tom Kummer bei zahlreichen Autoren, darunter Richard Ford. Dazu gehörten auch Zitate, die er seiner Frau in den Mund legte. Ihm fehle das letzte Vertrauen in seine Fähigkeiten, schrieb die «Süddeutsche Zeitung». Die wären durchaus vorhanden. Das Buch ist über weite Teile brillant. Durch den erneuten Skandal tritt sein Können jedoch wieder in den Hintergrund.

Raya Badraun

raya.badraun

@tagblatt.ch

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