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Kunst: Zum Abschied Liebeserklärungen an die Appenzellerbahn

Mit Bleistift, Mikrofon, Foto- und Filmkamera fuhren sechs Kunstschaffende von St.Gallen nach Appenzell und zurück und nahmen Abschied vom alten Bähnli. Die Werke, die daraus entstanden, sind im Gaiserbahnhof zu sehen.
Christina Genova
Kunst im Wartsaal des Gaiserbahnhofs in St.Gallen: Zeichnungen von Hans Schweizer. (Bild: Sabrina Stübi)

Kunst im Wartsaal des Gaiserbahnhofs in St.Gallen: Zeichnungen von Hans Schweizer. (Bild: Sabrina Stübi)

Die alte Frau streckt dem Lokführer eine Schokoladetafel hoch zum Führerstand. Er beugt sich zu ihr herunter und greift gerne zu. Eine kleine Stärkung kurz vor der Abfahrt. Dann fährt die S22 vom St.Galler Gaiserbahnhof los Richtung Appenzell. Die alte Frau winkt dem Zug noch lange nach.

Es ist Karfreitag, der 30. März, und die Appenzellerbahn macht sich auf eine ihrer letzten Fahrten über den Ruckhalderank, eine der engsten Zahnradbahnkurven der Welt. Ein neuer Tunnel wird ab diesem Herbst die Fahrzeit verkürzen, auch neues Rollmaterial wird dann auf der Strecke verkehren.

Sechs Kunstschaffende beschlossen, sich vom alten Bähnli und dem Ruckhalderank gebührend zu verabschieden und unternahmen gemeinsam eine Fahrt von St.Gallen nach Appenzell und retour. Ihre Eindrücke hielten sie in verschiedenen Medien fest. Zu sehen sind ihre Werke im Wartsaal des Gaiserbahnhofs.

Das Schönste ist das offene Fenster

Die Szene mit der Schokolade stammt aus einem Kurzfilm von Jiři Makovec. 15 Sekunden dauert die konzentrierte Liebeserklärung an die Appenzellerbahn, die Passagiere und die Landschaft. Was schätzt der gebürtige Tscheche besonders am Bähnli? «Ich liebe es, dass man die Fenster öffnen kann.»

Auch für die Liechtensteinerin Martina Morger bedeutet dies ein Stück Freiheit. Sie hat die Fahrt mit dem Mikrofon begleitet und aus den Aufnahmen eine Audioarbeit geschaffen. Man hört das Ding Dong des Bahnübergangsignals, Lautsprecherdurchsagen, Bremsgeräusche. «Für mich sind Geräusche sehr emotional und nahe an den Erinnerungen», sagt Martina Morger. In einer Sequenz ihrer Tonreise hört man ein seltsames Raspeln.

Es ist Hans Schweizer, der seinen Bleistift spitzt. Er hat während der Fahrt die Zugpassagiere skizziert: Zwei Vietnamesinnen, die gebannt aus dem Fenster schauen, oder einen Mann mit einer Mütze und einer riesigen Hakennase.

Mit Kunst wird der Wartsaal bespielt zur letzten Fahrt der Apenzellerbahn über die Ruckhalde. (Bild: Sabrina Stübi)

Mit Kunst wird der Wartsaal bespielt zur letzten Fahrt der Apenzellerbahn über die Ruckhalde. (Bild: Sabrina Stübi)

Auch Andrea Vogel erkennt man auf den Zeichnungen. Sie hat für die Zugfahrt die Performance «Halt auf Verlangen» entwickelt, die im Wartsaal in einem Video dokumentiert ist. An jeder der 15 Haltestellen stieg die Künstlerin aus, blies einen roten Ballon auf und befestigte ihn an ihrem roten Kleid. Bei der Rückfahrt hingegen schnitt sie bei jeder Haltestelle einen Ballon ab und liess ihn steigen.

Was bleibt, ist die Farbe

Unter das Motto «Melancholie des Abschieds» hat Wassili Widmer seine Fotoserie gestellt, welche die Appenzellerbahn aus ungewohnten Blickwinkeln zeigt: Rost nagt an einem der Waggons; auf einem anderen Bild sieht man eine innige Szene zwischen Mutter und Kind.

Der sechste im Bunde ist Andreas Morger. Er liefert in einem kurzen Text historische Hintergründe. So erfährt man etwa, dass 1893 eine Delegation der Kaiserlichen Japanischen Staatsbahnen anreiste, um den Ruckhalderank als damals steilsten und engsten Zahnradabschnitt der Welt zu besichtigen.

Was bleibt, ist die Farbe: Rot wird auch der neue Niederflurzug namens Tango. Am 6. Oktober wird er zum ersten Mal durch den neuen 700 Meter langen Ruckhaldetunnel fahren.

Ausstellung bis 23.6.2018 im Wartsaal Bahnhof Appenzeller Bahn, Bahnhofplatz 7, St.Gallen. Öffnungszeiten: Mi/Fr 14–19, Do 14–19.30, Sa 10–15 Uhr

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