Liebe Eltern, widersteht dem Handydruck

Der Gruppendruck ist gross: Ein Zwölfjähriger ohne Smartphone – geht gar nicht. Da will auch die evangelische Kirche nicht hinten anstehen: Mit einem App können die Kinder prüfen, wie viele Pflichtpunkte sie auf ihrem Weg zur Konfirmation gesammelt haben.

Bruno Knellwolf
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Yellow line notepad with pen on top isolated on a white background. (Bild: Bruno Knellwolf)

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Der Gruppendruck ist gross: Ein Zwölfjähriger ohne Smartphone – geht gar nicht. Da will auch die evangelische Kirche nicht hinten anstehen: Mit einem App können die Kinder prüfen, wie viele Pflichtpunkte sie auf ihrem Weg zur Konfirmation gesammelt haben. Oder die Schule, in der die Primarschullehrerin einen Klassenchat auf WhatsApp einrichtet, ganz zu schweigen von Sportvereinen, wo ein handyloses Kind womöglich kein Aufgebot fürs Spiel erhält.

Zumindest die Schule müsste vielleicht wissen, dass es durchaus Eltern gibt, die ihrem Kind ganz bewusst noch kein Smartphone in die Hand drücken. Diese Eltern erhalten Unterstützung von der Soziologin und Psychologin Sherry Turkle. Durch das Smartphone verschwinde unsere Fähigkeit, allein zu sein: «Kaum hat jemand eine Sekunde Zeit, schon macht er was mit seinem Handy», sagt Turkle. Die kurzen Momente, in denen man sonst vielleicht einem Tagtraum nachhinge oder über sich selbst nachdenken würde, gehen verloren. Doch gerade Kinder brauchen es, mit sich allein zu sein. Sich selbst entdecken sei ein Fundament der Entwicklung. Die technischen Hilfsmittel lenken die Kinder ab und nehmen ihnen das Gefühl, mit sich allein zu sein. Genau das erschwere es ihnen aber, echte Beziehungen aufzubauen. Weil solchen Menschen Pausen und Lücken Angst machen, füllen sie diese sofort mit dem Wisch auf dem Smartphone. Sie verlernen, Gespräche zu führen oder Beziehungen zu pflegen. Also, liebe Eltern handyloser Kinder: Seid standhaft, Entschleunigung wird trendy werden.