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Liebe, eine beunruhigende Raserei

Zuerst war die Musik, die mich Ende der 1980er-Jahre wie ein Blitzschlag traf: Othmar Schoecks Oper «Penthesilea», 1927 uraufgeführt. Ein überspanntes Kind des ohnehin nervösen Expressionismus, dachte ich relativierend – ein Kind der übergeschnappten 1920er-Jahre.
Hansruedi Kugler
book (Bild: Hansruedi Kugler)

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Zuerst war die Musik, die mich Ende der 1980er-Jahre wie ein Blitzschlag traf: Othmar Schoecks Oper «Penthesilea», 1927 uraufgeführt. Ein überspanntes Kind des ohnehin nervösen Expressionismus, dachte ich relativierend – ein Kind der übergeschnappten 1920er-Jahre. Heinrich von Kleist, der Autor des vom Schweizer Komponisten vertonten Textes war da schon 116 Jahre tot: Selbstmord. Doch siehe da, beim Lesen des Originals merkte ich, Kleist, eines der Genies der deutschen Literatur, hatte 1807 einen genauso elektrisierenden Text geschrieben. Goethe fand keinen Zugang zum Stück. Was nicht verwundert. Denn in «Penthesilea» treffen zwei «Feldherren» aufeinander: Achill auf der Seite der Troja belagernden Griechen, Penthesilea auf der Seite der kriegerischen Amazonen, einer Frauengesellschaft, welche Männer nur zu Fortpflanzungszwecken zu sich entführte: Wenn Superemanze und Obermacho sich necken und lieben, kracht es gewaltig. Achill und Penthesilea, die einzig Ebenbürtigen, steigern sich in eine Raserei hinein, welche die stolze Konkurrenz und die leidenschaftliche Anziehung in einen mörderischen Irrsinn führt. Ein Text, der es noch immer packend schafft, das Leben als Extremereignis vorzuführen: In welcher die Liebe rasende Leidenschaft ist, der Mensch sich selbst ein Rätsel bleibt, der Kampf zum enthemmten Gemetzel wird und der Tod eine grausame Überraschung ist. «Penthesilea» bietet weder sentimentale noch vernünftige Lösung und ist ein Text, der auch 200 Jahre nach Entstehung beunruhigt.

Heinrich von Kleist, Penthesilea

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