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Liebe, bis hierher und weiter

In seinem neuen Gedichtband «Von der Liebe» blickt der St. Galler Lyriker Ivo Ledergerber zurück auf mehr als vierzig Jahre innige Zuneigung – zum Leben wie zur Liebsten. Und er berührt behutsam Gegenwart und Zukunft.
Bettina Kugler
Mit Lebenslob beginnen, mit dem Tod enden, dazwischen nicht alles sagen: Das ist der grosse Bogen über Ivo Ledergerbers «Von der Liebe». (Bild: Coralie Wenger)

Mit Lebenslob beginnen, mit dem Tod enden, dazwischen nicht alles sagen: Das ist der grosse Bogen über Ivo Ledergerbers «Von der Liebe». (Bild: Coralie Wenger)

Allgegenwärtig. Zeitlos. Unaufhaltsam, unabwendbar. «Ein Band <Liebesgedichte> bedarf keiner besonderen Erklärung oder Rechtfertigung», schrieb Erich Fried, der als Lyriker selbst nie müde wurde, dem allgegenwärtig Unabwendbaren mit schlichter Sprachkraft auf die Spur zu kommen. «Auch wenn – oder gerade weil – neuerdings oft verbreitet wird, es gebe heute keine Liebesgedichte mehr.» Das war 1979, im Nachwort seiner bei Wagenbach erschienenen «Liebesgedichte». In diese Zeit, die Siebzigerjahre, blendet Ivo Ledergerber zurück, wenn er im Gedicht «Heute» drei Zeilen von damals zitiert: «Mit der Zeit/ wird unsere Liebe/ unser Atem sein» – beiläufig, selbstverständlich, lebensnotwendig.

Dem Alltag abgelauscht

«Ist es so meine Liebe», fragt er behutsam in der Schlusszeile und setzt weder Punkt noch Fragezeichen. Die Antwort erwartet er nicht wortwörtlich. Er sucht sie in kleinen Gesten, lauscht sie dem Alltag ab: der «Klingeltaube», die lächelt wie die Liebste. Den herumstehenden Ballerinas, die auf ihre Füsse warten. Der Erinnerung an den Duft frischen Kaffees, gemeinsam genossen. «Von der Liebe» nennt Ivo Ledergerber seine soeben im Frauenfelder Waldgut Verlag erschienene Sammlung mit Texten aus mehreren Jahrzehnten. Einer nur kleinen Auswahl von vielen Gedichten über die «Schönheit ohne End», wie es im zitierten Gedicht von Gottfried Keller heisst – Ledergerber stellt es den eigenen als Motto voran.

Leise Lebensheiterkeit

Als Lyriker geht es ihm nicht darum, die Liebe analytisch abzuhandeln, sie in allen, auch ihren schmerzlichen, konfliktträchtigen Aspekten aufzufächern. Er nimmt es vielmehr leichtfüssig, mit leiser Lebensheiterkeit, wenn auch nicht in blind naiver Glückseligkeit. Den unerschöpflichen Quell nicht trüben, aus dem diese Lyrik entspringt: Das ist die Grundhaltung, die Ivo Ledergerber von Keller übernimmt. Er feiert die zarte Schönheit des Augenblicks, dessen Vergänglichkeit immer mitschwingt – wenn auch nicht immer so ausdrücklich wie in den letzten drei Gedichten.

Der Blick für das Torsohafte

Sie sind, wie fast alle in diesem neuen Band, lakonisch, lebensnah und frei von Pathos, selbst wenn sie Höllenbrand und Tod zu nennen wagen und damit anknüpfen an «Fromme Gedichte», erschienen 2012. Er dachte schon, das sei sein letzter Lyrikband gewesen, sagt Ledergerber. «Aber dann fand ich, es müsse noch etwas Lockeres, Leichtfüssiges folgen. Man muss nicht immer in die tiefsten Gedanken graben.» Bedarf es einer besonderen Erklärung oder Rechtfertigung? Lieber hält er dem Wunder sacht die Hand hin, staunt über Kleinigkeiten, über die vielsagende Stille, «leer und voll», und gewinnt der in die Jahre gekommenen Liebe lichte Seiten ab: Gelassenheit zum Beispiel.

Exemplarisch dafür mag das Eingangsgedicht «Torso» aus den Rom-Tagebüchern von 2002 stehen. Anders als im «Steiner Requiem» (2012) blickt Ivo Ledergerber hier zärtlich auf die Beschädigungen und Mängel des geliebten Lebens; «das Fehlende enthüllt/ was noch vorhanden ist/ zeigt andere Schönheit/ die Vollkommenheit im Teil». Wäre die Liebe perfekt, fehlte ihr nichts: Es gäbe keinen Grund, Geschichten zu erfinden, die Phantasie in Gang zu bringen.

«Altjung und kühn»

Die spielerische Seite des Liebens (und des Schreibens darüber) entfaltet der unterdessen 76-Jährige in Stilübungen wie dem duftig gereimten «Barock», in dem er als «ergebner Gärtner» an der blühenden Schönheit der Geliebten schnuppert. Lächeln erlaubt: Denn solche augenzwinkernden Posen haben in «Von der Liebe» überhaupt nichts Peinliches, Bemühtes.

Ab und zu gönnt sich Ivo Ledergerber Zickzack und grosse Bögen, läuft nicht zielstrebig auf eine Pointe zu; diese Gedichte im dritten Teil des Bandes sind beinahe übermütig, «altjung und kühn» – gegen die «kleine Angst» gesprochen, die Liebe habe sich verloren «in der Altersleere», sie sei längst abgegriffen, ausgehöhlt. Doch auch intime Miniaturen finden sich in «Von der Liebe»: Kurznachrichten aus dem Alltag eines reifen Paares, in denen sich auch Anfänger in Liebesdingen erkennen können.

Ivo Ledergerber: Von der Liebe, Waldgut 2016, Fr. 30.– Buchtaufe Do, 30.6., 19.30 Uhr, Buchhandlung zur Rose, St. Gallen

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