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Kleinverlag: Die Lengwiler Libelle hört auf zu fliegen

Klein, aber erlesen: Elisabeth Tschiemers und Ekkehard Faudes Verlag. Jetzt stellen sie ihn nach vierzig jahren ein.
Severin Schwendener
Elisabeth Tschiemer: «Einen Vorbereitungskurs für die Pensionierung brauchen wir ganz sicher nicht.» (Bild: Reto Martin)

Elisabeth Tschiemer: «Einen Vorbereitungskurs für die Pensionierung brauchen wir ganz sicher nicht.» (Bild: Reto Martin)

«Es war eine spannende und gute Zeit, um einen Verlag zu betreiben.» Das sagen Elisabeth Tschiemer und Ekkehard Faude an einem Freitagnachmittag in Lengwil, umgeben von den Büchern, die scheinbar jeden Winkel ihres Hauses in Beschlag genommen haben. Die spannende Zeit, das sind die letzten vierzig Jahre; der Verlag, das ist der Libelle Verlag, der in diesem Jahr gleichzeitig Jubiläum feiert und sich mit einem einem selbstgemachten Abschiedsgeschenk verabschiedet.

Die Geschichte des Flugs der Libelle ist eine Entdeckungsreise in einer sich rasant verändernden Welt. Zu Beginn, als Buchhändler Faude den Verlag Ende der Siebziger in Konstanz gründete, standen die Sterne für einen jungen, kreativen Verlag besonders gut. Die Buchbranche befand sich in einem nie dagewesenen Hoch und die neu gegründete Uni Konstanz setzte kreative Impulse. Doch bereits zehn Jahre später, als Elisabeth Tschiemer zum Verlag stiess, stand die Welt am Beginn eines riesigen Umbruchs insbesondere im Buchhandel.

«Wir waren nie finanziellen Zwängen ausgesetzt»

«Es war die Zeit, als die Betriebsberater in anderen Verlagen Einzug hielten», sagt Faude, doch er sagt es ohne Bitterkeit. Denn die Libelle hatte bereits damals einen ganz anderen Kurs eingeschlagen. Qualität vor Quantität, mit allen daraus resultierenden Konsequenzen. Die Programme, die der in die Schweiz umgesiedelte Verlag herausgab, waren klein, aber erlesen; das Verlegerpaar arbeitete weiter nebenbei, um unabhängig zu bleiben.

«So hatte jeder ein eigenes Leben ausserhalb des Verlags, das uns stützte und gleichzeitig inspirierte», stellt Tschiemer fest. Und Faude ergänzt: «Wir waren nie finanziellen Zwängen ausgesetzt und konnten unser Ding so machen, wie wir es für richtig befanden.» Wie im Gespräch haben die beiden sich auch im Verlag ergänzt: sie die Journalistin mit Interesse an der Technik und Flair fürs Grafische, er derjenige mit der Textkompetenz, dem «Riecher» für guten Stoff. Und beides passionierte Leser ohne Scheuklappen. Sich auf ein Genre festlegen? Nein, sagen die beiden überzeugt. Warum auch? Wenn guter Stoff reinkommt, dann kommt guter Stoff rein.

Wie damals, als das Manuskript von Ulrich Ritzel auf dem Tisch lag. Es war der erste Krimi von Libelle, wurde preisgekrönt und hat sich zum Verkaufsschlager entwickelt. Dabei war Ritzel zuvor von zahlreichen grossen Verlagen abgelehnt worden – unter anderem auch von jenem, der das bei Libelle erschienene Buch später in Lizenz druckte. Faude kann eine klitzekleine Genugtuung nicht verbergen, wenn er die Episode erzählt.

Ein klares Bekenntnis zur Nische

Doch die Digitalisierung, die Amazon erst ermöglichte und den Bestand der Buchhandlungen in Deutschland seit 1995 halbierte, bot für einen Verlag wie Libelle auch Chancen. «Meine Frau hat zuerst die Covergestaltung, schliesslich den Satz und die gesamte Buchherstellung übernommen», erzählt Faude. «Durch Eigenarbeit konnten wir günstiger produzieren.» Das Bekenntnis zur Nische, aus der es immer wieder hell herausleuchtete.

Mehrfach entwickelten sich Libellebücher zu Kassenschlagern, mal Fachbücher, mal Literatur, regelmässig Erstlingswerke. Oft wurden sie ausgezeichnet, bestätigte wohlwollende Kritik den Kurs des Paares, das nun aufhören will. «Ich habe Verleger gesehen, die zu lange dabei blieben, bis ihnen Fehler unterlaufen sind», erklärt Faude. Der Qualitätsanspruch des Libelleverlags erstreckt sich auch auf das Verlegerpaar.

Doch was bleibt nun wirklich, nach vierzig Jahren Libelle? Zwei Menschen, die gemeinsam das gemacht haben, was sie gleichwohl herausforderte, begeisterte und erfüllte. Und die nun zufrieden auf das Erreichte zurückblicken. «Es war eine überaus interessante Zeit», wiederholt Tschiemer, «wir haben unseren Teil beigetragen. Nun machen Jüngere weiter. Es gibt viel Spannendes in der Branche: Neue Verlage starten mit anderen Konzepten und neuen Ideen für den Vertrieb.»

Vor allem aber bleiben zahlreiche hochkarätige Titel, die das Wirken der Libelle dokumentieren. Wie auch ein Rückblick in Buch- und Ausstellungsform, wo man eine spannende Episode der Buchbranche nachlesen und nacherleben kann.

Ausstellung und Buch
Die Ausstellung von Forum Allmende in Zusammenarbeit mit dem und im Hesse-Museum Gaienhofen ehrt das Verlegerpaar Ekkehard Faude und Elisabeth Tschiemer. Sie führt die oft getrennten Wahrnehmungen eines Verlagsprogramms noch einmal zusammen. Dazu erscheint eine ­Verlagsgeschichte: «Diese Verlegerei gibt sich gern humorvoll – meint es aber zugleich ernst.»
Bis 16.2. Di–So 10–17 Uhr, ab 2.11. Fr/Sa 14–17, So 10–17 Uhr
Begleitprogramm und weitere Infos: https://bit.ly/2MhrWO2

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